Der ehemalige peruanische Präsident Alan García (Archivbild vom 15.11.2018) | Bildquelle: Ernesto Arias/EPA-EFE/REX

Vor geplanter Festnahme Perus Ex-Präsident García ist tot

Stand: 17.04.2019 18:50 Uhr

Perus ehemaliger Präsident García ist tot. Der 69-Jährige hatte sich am Morgen in seinem Haus kurz vor einer geplanten Festnahme in den Kopf geschossen. Er soll in einen Korruptionsfall verwickelt gewesen sein.

Der frühere peruanische Staatschef Alan García ist tot. Er starb Berichten zufolge an den Folgen einer Schusswunde am Kopf, die er sich kurz vor einer geplanten Festnahme selbst zugefügt hatte.

Nach Angaben des Innenministers Carlos Morán sagte García den Sicherheitskräften, die ihn verhaften wollten, er wolle seinen Anwalt anrufen. Danach habe er sich in ein Zimmer seiner Wohnung eingeschlossen und auf sich geschossen. Er wurde danach in ein Krankenhaus gebracht. Trotz einer Notoperation gelang es den Ärzten nicht, sein Leben zu retten.

"Wir sind bestürzt über den Tod des ehemaligen Präsidenten Alan García", schrieb der amtierende Präsident Martín Vizcarra auf Twitter.

Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts

Gegen García wurde wegen des Verdachts der Annahme von Bestechungsgeldern ermittelt. Die Justiz hatte eine zehntägige Untersuchungshaft gegen den ehemaligen Präsidenten angeordnet. Er soll vom brasilianischen Baukonzern Odebrecht mehr als 100.000 US-Dollar (90.000 Euro) erhalten haben, getarnt als Honorar für einen Auftritt bei einer Konferenz in Brasilien. Im Gegenzug soll er die Vergabe staatlicher Bauverträge an Odebrecht erleichtert haben.

García bestritt, Odebrecht-Geld angenommen zu haben. "Man darf nicht Menschen aufgrund von Spekulationen verhaften, das wäre eine große Ungerechtigkeit", sagte er am Dienstagabend in einem Gespräch mit dem Sender RPP.

Peru hatte wegen der Korruptionsermittlungen ein Ausreiseverbot gegen den Sozialdemokraten verhängt, der von 1985 bis 1990 und von 2006 bis 2011 an der Staatsspitze stand. García flüchtete daraufhin im November in die Botschafterresidenz Uruguays in Lima, die er im Dezember aber wieder verließ, da ihm Uruguay kein Asyl gewähren wollte.

Anhänger des ehemaligen peuranischen Präsidenten Alan Garcia trauern vor dem Krankenhaus. | Bildquelle: Ernesto Arias/EPA-EFE/REX
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Anhänger Garcías hatten sich vor dem Krankenhaus versammelt.

Weitere Ex-Staatschefs unter Verdacht

Odebrecht hat eingeräumt, fast 800 Millionen US-Dollar (708 Millionen Euro) Bestechungsgelder an mächtige Politiker im lateinamerikanischen Raum im Gegenzug für lukrative Staatsaufträge gezahlt zu haben, darunter 29 Millionen US-Dollar an Politiker in Peru. Dort werden weitere Ex-Staatschefs verdächtigt, in der ein oder anderen Form in die Korruptionsaffäre verwickelt zu sein.

Im vergangenen Jahr trat Präsident Pedro Pablo Kucyznksi zurück, nachdem Oppositionspolitiker aufgedeckt hatten, dass seine Firma vor mehr als einem Jahrzehnt umgerechnet etwa 700.000 Euro von dem brasilianischen Konzern erhalten hatte. Manche der Zahlungen fielen in Kucyznksis Amtszeit als Minister. Vergangene Woche kam Kucyznski in Untersuchungshaft. Am Dienstag wurde er wegen Herzbeschwerden in ein Krankenhaus in Lima eingeliefert. Kuczynski bestreitet ebenfalls, in den Korruptionsskandal verwickelt zu sein.

Auch gegen die Ex-Präsidenten Ollanta Humala (Regierungszeit von 2011 bis 2016) und Alejandro Toledo (2001 bis 2006) laufen Untersuchungen zur Frage, ob sie illegale Zahlungen annahmen. Toledo flüchtete nach Bekanntwerden der Vorwürfe in die USA.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. April 2019 um 18:00 Uhr.

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