Silhouette von zwei Männern auf einer Brücke | Bildquelle: picture alliance/dpa

Scanner "Jetson" entwickelt Pentagon will Menschen per Laser erkennen

Stand: 11.08.2019 12:38 Uhr

Der Herzrhythmus eines Menschen ist so einzigartig wie sein Fingerabdruck. Das macht sich die US-Regierung zunutze. Ein neuer Laserscanner soll Verdächtige auch aus großer Entfernung identifizieren.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

200 Meter entfernt steht ein Mensch. Ein Strahl aus Laserlicht in der Größe einer Euromünze wird auf ihn gerichtet. 30 Sekunden später weiß man, wer dieser Mensch ist. Genauso, als hätte man die Fingerabdrücke genommen, eine Gesichtserkennungssoftware arbeiten lassen oder die Augen gescannt.

Pentagon ließ Laserscanner entwickeln

Das ist keine Science Fiction, sondern genau die Funktion eines Laserscanners mit dem Namen "Jetson", den das US-Verteidigungsministerium hat entwickeln lassen. Künftige Einsatzgebiete sind vielfältig. Aber Terrorismusbekämpfung steht ganz oben auf der Liste.

Genutzt werden könnte die Technik immer dann, wenn man einen Menschen zweifelsfrei identifizieren will und man zum Beispiel das Gesicht nicht sehen kann, weil es dunkel ist oder der Mensch eine Maske trägt. Oder eben weil er weit entfernt ist.

Luftaufnahme des US-Verteidigungsministeriums | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Das US-Verteidigungsministerium ließ den Infrarotlaser Jetson entwickeln.

Unverwechselbar wie ein Fingerabdruck

Der Infrarotlaser macht sich zunutze, dass unser Herzrhythmus genauso einmalig ist wie unser Fingerabdruck oder das Muster unserer Iris. Wenn unser Herz schlägt, hinterlässt das ein unverwechselbares Bewegungsmuster auf der Körperoberfläche. Genau das registriert der Laser - durch die Kleidung hindurch.

Die Technologie an sich ist nicht neu. Sie nennt sich Vibrometrie und wird überall dort eingesetzt, wo man feinste Schwingungen erkennen will. Sei es bei Flugzeugbauteilen, wo hohe Schwingungen Material ermüden lassen können, oder bei Brücken und Gebäuden - und nicht zuletzt bei Musikinstrumenten oder Lautsprechern.

Erkennung mit 95-prozentiger Sicherheit

Jetzt soll die Technik genutzt werden, um Menschen zu erkennen. Laut Pentagon funktioniert der Infrarotlaser "Jetson" derzeit auf bis zu 200 Meter Entfernung mit 95-prozentiger Sicherheit. Im Augenblick darf sich der betreffende Mensch außerdem noch nicht bewegen, um ein verlässliches Ergebnis zu bekommen. Und dicke Wintermäntel darf er auch nicht tragen. Das aber werde sich mit besseren Lasern dramatisch ändern.

"Vielleicht nicht unbedingt aus dem All, aber von sehr viel weiter entfernt werden wir zukünftig Menschen erkennen", zitiert der "MIT Technology Report" Steward Remaly. Dieser leitet im Pentagon das Büro für die technische Ausstattung der Anti-Terror-Einheiten.

Ein weiteres Entwicklungsziel besteht darin, dass der Laser auch in Bewegung in Sekundenbruchteilen Ergebnisse liefert. Das könnte für Kampfsituationen relevant werden, wenn Soldaten sichergehen wollen, dass sie die richtige Person im Visier haben.

Datenbanken für Herzrhythmus-Muster aufbauen

Die kommende Aufgabe wird nun sein, Datenbanken für Herzrhythmus-Muster aufzubauen. Gespeicherte Fingerabdrücke gibt es weltweit Milliarden. Bis es solche Sammlungen auch für unseren Herzschlag gibt, bleibt der Laser nur ein zusätzliches Element bei der Personenerkennung.

In jedem Fall kann "Jetson" schon jetzt dazu dienen, Täter zweifelsfrei zu überführen. Wenn Polizisten einen Täter aus der Ferne beobachten und den Herzschlag messen, könnten diese Daten mit dem Profil des Angeklagten verglichen werden. So wie heute Fingerabdrücke.

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