Pariser Ermittler untersuchen Auto nach Attacke auf dem Champs-Élysées | Bildquelle: AP

Attacke auf Champs-Élysées Ermittler stoßen auf Waffenlager

Stand: 20.06.2017 13:44 Uhr

Im Haus des Angreifers von den Champs-Élysées haben Ermittler ein Waffenlager gefunden. Der Mann besaß seit Jahren einen Waffenschein - schon bevor er als Extremist auffällig wurde. Das sorgt für Debatten in der Hauptstadt.

Der Angreifer von den Pariser Champs-Elysées war Sportschütze und hatte einen Waffenschein. Bei einer Durchsuchung seines Hauses in Plessis-Pâté bei Paris wurde ein "Waffenlager" gefunden, wie nach einer Meldung der Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen verlautete.

Der 31-Jährige, der seit 2015 in einer Gefährderdatei geführt wurde, besaß nach Ermittlerangaben neun den Behörden bekannte Waffen: zwei Pistolen und ein Gewehr, für das er eine Behördenerlaubnis benötigte, sowie sechs weitere Waffen, die er den Behörden lediglich melden musste. Unklar ist, wieviele und welche Waffen von der Polizei beschlagnahmt wurden.

Seit 2015 aktenkundig

Der Angreifer war nicht vorbestraft, stand seit 2015 aber in einer Datei mit mutmaßlich radikalisierten Islamisten. Damals war er mehrfach in die Türkei gereist, für viele Dschihadisten ein Transitland auf dem Weg nach Syrien.

Dass der Mann trotz des Eintrags in der Gefährderdatei einen Waffenschein und Waffen besitzen konnte, sorgte in der französischen Hauptstadt für Debatten. Eine solche Situation sei nicht "zufriedenstellend", sagte Premierminister Edouard Philippe den Sendern RMC und BFMTV.

Die erste Erlaubnis zum Waffenbesitz sei aber erteilt worden, bevor der Mann als radikaler Islamist gemeldet worden sei. Als er Ende 2016 eine Verlängerung seines Waffenscheins beantragte, bat die Polizei den Inlandsgeheimdienst DGSI um eine Einschätzung, wie es aus Ermitterkreisen hieß. Dieser kam zu dem Schluss, dass es nicht zielführend sein, den Waffenschein zu entziehen. Die Erlaubnis wurde schließlich verlängert.

Familie soll Salafisten-Szene angehören

Seine Familie soll der Salafisten-Szene angehören. Der Vater, der Bruder, die Ex-Frau und die Schwägerin des 31-Jährigen wurden nach dem Anschlag in Polizeigewahrsam genommen und verhört. In Frankreich ist dies nach Anschlägen gängige Prozedur.

Zweiter Angriff in zwei Monaten

Der bewaffnete Mann hatte am Montag auf dem Prachtboulevard ein mit einer Gasflasche beladenes Auto in einen Kleinbus der Gendarmerie gefahren. Das Fahrzeug des Angreifers ging in Flammen auf. Der schwer verletzte Fahrer starb kurz darauf. Beamte oder Passanten wurden bei der Attacke nicht verletzt. Innenminister Gérard Collomb sprach von einem versuchten Anschlag.

Erst vor zwei Monaten, am 20. April, hatte ein Mann auf den Champs-Élysées das Feuer auf Polizisten eröffnet und einen Beamten getötet, bevor er selbst erschossen wurde. Bei dem toten Angreifer wurde ein Schreiben mit Bezug zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gefunden. Der IS reklamierte die Attacke für sich.

Über dieses Thema berichteten am 20. Juni 2017 Deutschlandfunk um 13:17 Uhr und NDR Info um 14:15 Uhr in den Nachrichten.

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