Papst Franziskus spricht in Japan. | dpa

Papst gesteht Finanzskandal ein "Eine hässliche Sache"

Stand: 27.11.2019 07:35 Uhr

Wer Geld für Arme spendet, vertraut darauf, dass das Geld auch bei den Armen ankommt. Doch der Vatikan kaufte davon offenbar Luxusimmobilien in London. Der Papst gesteht den Skandal ein.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Mit so deutlichen Worten hat sich öffentlich noch nie ein Papst zu dubiosen Umständen eines Finanzgeschäfts des Vatikans geäußert. Befragt zu den Ermittlungen gegen Kurienmitarbeiter wegen des Kaufs einer Immobilie in London, sagte Franziskus auf dem Rückflug von seinem Besuch in Japan: "Ein Skandal ist das. Sie haben hier Sachen gemacht, die nicht sauber zu sein scheinen."

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

An anderer Stelle sprach der Papst in diesem Zusammenhang ausdrücklich von "Korruption". Mehrere hundert Millionen Euro sollen vor fünf Jahren aus Spenden des sogenannten Peterspfennigs in eine Luxusimmobilie in London geflossen sein. Im vergangenen Monat war bekannt geworden, dass wegen dieses Geschäfts gegen fünf, teilweise hochrangige Mitarbeiter des Staatssekretariats und der Finanzaufsicht des Vatikans ermittelt wird.

Interner Wirtschaftsprüfer entdeckt Problem

Franziskus schilderte in der Pressekonferenz im Flugzeug, dass er persönlich grünes Licht für die Korruptionsuntersuchungen gegeben habe. Es sei der interne Wirtschaftsprüfer gewesen, der gesagt habe: "Hier ist eine hässliche Sache passiert, hier stimmt etwas nicht", erzählte der Papst. Der Prüfer sei zu ihm gekommen, habe ihm die Zahlen gezeigt und ihn gefragt, was er machen solle. "Ich habe ihm gesagt: Es gibt die vatikanische Justiz. Gehen Sie dorthin und erstatten Sie dort Anzeige beim Promoter der Justiz."

Der Promoter der Justiz ist der Staatsanwalt im Vatikan. Dieser leitete daraufhin Ermittlungen ein, die mittlerweile dazu geführt haben, dass die beschuldigten fünf Beamten aus ihren Ämtern im Staatssekretariat und in der Finanzaufsicht entlassen wurden. Bis zur Klärung der Vorwürfe dürfen sie den Vatikan nicht mehr betreten.

Immobilienkauf für Papst vertretbar

Was in dem Fall für besondere Aufregung sorgt: Den möglicherweise korruptionsbelasteten Kauf der Immobilie im Londoner Edel-Stadtteil Chelsea hat der Vatikan aus Geldern des Peterspfennigs finanziert. Dies ist eine jährliche Kollekte, an der sich stets auch Gläubige aus Deutschland beteiligen. Gedacht sind die Spenden für die Armenhilfe des Papstes.

Auch wenn Franziskus die Umstände des Immobiliengeschäfts in London kritisiert - dass grundsätzlich Geld auch aus dem für die Armen gedachten Peterspfennig investiert wird, verteidigt der Papst: "Ja, man kann auch Eigentum kaufen, es vermieten und dann verkaufen." Das diene dann der Sache der Menschen des Peterspfennigs.

Geld nur nach alter Art in den Sparstrumpf zu stecken, sagte Franziskus, sei schlechte Verwaltung. Man müsse aber sichere und moralische Investitionen tätigen. "Wenn ich mit dem Peterspfennig in eine Waffenfabrik investiere, dann ist die Spende keine Spende."

Kontrolle funktioniere - jetzt

Mit Blick auf die aktuellen Korruptionsermittlungen betonte der Papst, für alle fünf beschuldigten Mitarbeiter der Kurie gelte die Unschuldsvermutung. Dass der Fall aufgedeckt wurde, zeigt seiner Ansicht nach, dass die Kontrollmechanismen innerhalb des Vatikans endlich funktionierten.

"Es ist das erste Mal, dass im Vatikan der Deckel vom Topf genommen wird - intern und nicht von außen", sagte er. Von außen sei das ja schon häufig geschehen. "Papst Benedikt war weise, dass er diesen Prozess angestoßen hat." Dies habe dazu geführt, dass der interne Wirtschaftsprüfer jetzt den Mut gehabt habe, eine schriftliche Anzeige gegen fünf Personen zu erstatten. "Der Wirtschaftsprüfer funktioniert."

Papst Benedikt hatte in seiner Amtszeit die internen Kontrollmechanismen bei Finanzgeschäften verschärft, unter anderem als Reaktion auf damalige Veröffentlichungen zu Vetternwirtschaft und Korruption im Vatikan.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. November 2019 um 08:00 Uhr.