Papst Franziskus während eines Besuchs in Nordmazedonien | Bildquelle: dpa

Sexueller Missbrauch in der Kirche "Nicht akzeptabel, Verbrechen zu decken"

Stand: 09.05.2019 18:31 Uhr

Papst Franziskus will das Vertuschen sexuellen Missbrauchs in seiner Kirche beenden. Sein Gesetz nimmt vom Erzbischof bis zum Laien alle in die Pflicht. Die Meldefrist ist streng.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Für die katholische Kirche ist es eine Zeitenwende im Kampf gegen sexuellen Missbrauch. Jeder Bischof, jeder Priester, aber auch jeder katholische Gläubige ist künftig verpflichtet, Missbrauchsfälle zu melden. Weltweit, so hat Papst Franziskus in einem neuen Gesetz verfügt, sollen die katholischen Kirchen außerdem leicht zugängliche Meldestellen einrichten, denen jeder Hinweise zu möglichen Taten geben kann.

Ausdrücklich betont der Papst in seinem motu proprio, dass Opfer und Tippgeber geschützt werden müssen. Ihre Hinweise sollen "wohlwollend aufgenommen" und mit "größter Ernsthaftigkeit" verfolgt werden. Es müsse sichergestellt werden, dass niemand, der Missbrauch melde, in der katholischen Kirche Nachteile erleide.

Im Gegenteil: Opfer und ihre Familien sollen von der katholischen Kirche künftig geistliche, medizinische und psychologische Hilfe bekommen. Klar geregelt ist nun auch, dass sich nach dem Kirchenrecht strafbar macht, wer Missbrauchsfälle vertuscht oder Ermittlungen bewusst versanden lässt.

Papst ordnet Meldepflicht für Fälle von sexuellem Missbrauch an
nachtmagazin 00:24 Uhr, 10.05.2019, Ellen Trapp, ARD Rom

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"Es geht aber auch um Transparenz"

Insgesamt, sagte Erzbischof Charles Scicluna, seien die neuen Normen ein wichtiger Schritt nach vorne im Kampf gegen Missbrauch. Der Sekretär der Glaubenskongregation führte aus:

"Dieses Dokument, welches nun ein weltweit gültiges Gesetz ist, ist Ergebnis des Bemühens, die Leitungsebenen in die Verantwortung zu nehmen und hier Rechenschaftspflicht einzuführen. Es geht aber auch um Transparenz, die durch die neue Möglichkeit, anzuzeigen, gestärkt wird. Ein Verbrechen zu decken, ist nicht akzeptabel."

So werde ein "starkes Zeichen" an die ganze Kirche geschickt, so Scicluna.

Frist von 30 Tagen

Konkret verpflichtet der Papst mit dem Gesetz die regionale Führungsebene der Kirche, mehr Verantwortung im Kampf gegen Missbrauch zu übernehmen. Die Metropolitan-Erzbischöfe haben künftig das Recht und die Pflicht, gegen Bischöfe in ihrem Verantwortungsbereich zu ermitteln, wenn ein Verdacht vorliegt.

Innerhalb von maximal 30 Tagen müssen sie die Verdachtsfälle dem Vatikan melden. Gleichzeitig stellt Franziskus in seinem Erlass klar, dass die Verpflichtung zur Aufklärung nach dem neuen päpstlichen Gesetz niemanden in der katholischen Kirche davon entbindet, auch mit den staatlichen Behörden zusammenzuarbeiten.

Erzbischof Charles Scicluna | Bildquelle: dpa
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Erzbischof Scicluna spricht von einem "starken Zeichen".

"Alle müssen strengstens die Vorschriften ihres jeweiligen Landes beachten. Insbesondere die eventuelle Verpflichtung, Gesetzesverstöße den zuständigen Behörden des Landes zu melden", betonte Juan Ignazio Arrieta Ochoa, der Sekretär des Justizministeriums im Vatikan. "Daher wird im Text des Papstes unterstrichen, dass jede Person als Bürger seines Landes verpflichtet ist, die Gesetze des Landes einzuhalten."

Missbrauch an Nonnen eingeräumt

Die neue Anzeigepflicht innerhalb der katholischen Kirche gilt nicht nur für sexuellen Missbrauch an Minderjährigen, sondern auch für Fälle sexueller Belästigung von Erwachsenen.

Der Papst hatte vor einigen Monaten eingestanden, dass es in der katholischen Kirche einen teilweise systematischen Missbrauch von Nonnen gab und noch gibt. Das neue päpstliche Gesetz tritt bereits ab Juni in Kraft, ab Juni 2020 müssen alle Diözesen weltweit die vorgeschriebenen Meldestellen eingerichtet haben.

Positive Reaktionen aus Deutschland

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Rörig, äußert sich positiv zu den verschärften Regeln des Vatikan. Für die Kirche gebe es nun "begrüßenswerte Standards". Positive Signale kommen auch von der Deutschen Bischofskonferenz. Die neuen Normen zeigten, dass der Vatikan den Kampf gegen Missbrauch noch konsequenter führen wolle, sagt der Missbrauchsbeauftragte der deutschen Bischöfe, Stephan Ackermann.

Justizministerin Katarina Barley forderte, die katholische Kirche müsse bei jedem Hinweis auf sexuellen Missbrauch sofort Strafanzeige stellen.

Papst Franziskus verschärft Kirchengesetz für Kampf gegen Missbrauch
Jörg Seisselberg, ARD Rom
09.05.2019 17:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Mai 2019 um 15:30 Uhr.

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