Papst Franziskus spricht während seines Flugs von Antananarivo nach Rom mit Journalisten, nach seiner dreiteiligen Afrika-Tour. | Bildquelle: dpa

Papst Franziskus "Ich habe keine Angst vor Kirchenspaltung"

Stand: 11.09.2019 02:17 Uhr

Auf dem Rückflug seiner Auslandsreise nach Südostafrika hat Papst Franziskus erneut eine improvisierte Pressekonferenz gehalten - und seinen kircheninternen Kritikern den Kampf angesagt.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Wieder mal ein Rückflug von einer Auslandsreise. Wieder mal eine Pressekonferenz im Stehen vor den mitreisenden Journalisten. Und wieder mal platziert Papst Franziskus Aufsehenerregendes - diesmal eine Botschaft an seine Kritiker: Er fürchte sich nicht vor ihnen, sondern wolle eine Auseinandersetzung mit offenem Visier. Zum ersten Mal nahm Franziskus in diesem Zusammenhang das Wort "Schisma" (Kirchenspaltung) in den Mund.

"Ich habe keine Angst vor Schismen. Ich bete, dass sie nicht passieren, weil es um das spirituelle Wohl von vielen Menschen geht. Ein Schisma ist immer eine elitäre Entscheidung, eine Ideologie, die sich von der geltenden Lehre abspaltet. Daher bete ich dafür, dass es keine Schismen geben wird. Aber ich habe keine Angst."

Seine Kritiker rief er dazu auf, mit ihm den Dialog zu suchen. Denn Kritik, sagte Franziskus, sehe er grundsätzlich als etwas Positives, etwas, das zu besseren Lösungen führen kann - wenn die Kritik konstruktiv und offen sei. Aber diese müsse auch direkt vorgebracht werden, betonte Franziskus: "Mir gefällt es nicht, wenn es Kritik unter dem Tisch ist. Wenn sie dich breit anlächeln und dir dann den Dolch in den Rücken stoßen. Das ist nicht fair, das ist nicht menschlich."

Verschärfte Angriffe auf Franziskus

In den vergangenen Wochen hatten vor allem konservative Kräfte unter den US-amerikanischen Katholiken ihre Angriffe gegen Franziskus verschärft. Kardinal Raymond Burke beispielsweise hatte die vom Papst gewollte Amazonas-Synode kritisiert, in der es auch um eine mögliche Aufweichung des Zölibats gehen soll. Dem Anti-Franziskus-Flügel in der katholischen Kirche gehören auch mehrere prominente deutsche Kleriker wie die beiden Kardinäle Gerhard Müller und Walter Brandmüller an. 

Franziskus selbst nannte keine Namen, sagte aber, die Vorwürfe gegen ihn kämen "ein bisschen von überall her, auch aus der Kurie". Der Papst sprach von Kritik in der Art von "Arsenpillen". Inhaltlich wehrte sich Franziskus gegen den Versuch seiner Gegner, ihn in die linke Ecke zu stellen: "Die sozialen Sachen, die ich sage, sind dieselben, die Johannes Paul II gesagt hat. Die selben! Ich kopiere ihn. Aber trotzdem heißt es: der Papst ist zu kommunistisch und so weiter."

Franziskus warf seinen Kritikern ideologische Verhärtungen vor, kündigte aber an, er werde darauf milde und mit Sanftheit reagieren.

Papst: Spalter gewinnen nie

Eine mögliche Kirchenspaltung, sagte der Papst, mache ihm auch mit Blick auf die jüngere Geschichte keine Angst. Denn gewonnen hätten nie die Spalter. Als Beispiel nannte Franziskus unter anderem die Traditionalisten um den französischen Erzbischof Marcel Lefebvre, die sich in den 1960er Jahren abgespalten hätten. Sie hatten sich unter anderem gegen die Neuerungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gewehrt.

Zu einer offenen Auseinandersetzung zwischen Franziskus auf der einen Seite sowie seinen Kritikern auf der anderen Seite könnte es kommenden Monat rund um die Amazonas-Synode kommen.

Zu seinen Unterstützern zählt unter anderem die Führung des Deutschen Bischofskonferenz unter Kardinal Marx zählt. Die schärfsten Gegner des Papstes sitzen dort nicht mit am Tisch, sie könnten das Treffen aber dennoch für neue Angriffe nutzen. Die Synode hat an Brisanz gewonnen, unter anderem weil auch darüber diskutiert werden soll, ob künftig verheiratete Männer Priester werden dürfen. Ein Thema, das die Traditionalisten in der katholischen Kirche in Aufruhr versetzt.

Zurückhaltung beim Thema Geburtenkontrolle

Auf seiner gerade zu Ende gegangenen Südostafrika-Reise war interessant, dass sich Franziskus beim Thema Geburtenkontrolle auffällig zurückgehalten hat - obwohl er Länder besuchte, in denen sich dieses Thema geradezu aufgedrängt hatte.

Die Zurückhaltung des Papstes an dieser Stelle ist möglicherweise ein Zeichen dafür, dass Franziskus nicht noch mit weiteren Reizthemen die derzeit sehr angespannte Stimmung in der katholischen Kirche anheizen will.

Papst in Flugzeug-Pressekonferenz: Keine Angst vor Kirchenspaltung
Jörg Seisselberg, ARD Rom
11.09.2019 06:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 11. September 2019 um 06:36 Uhr.

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