Papst Franziskus betet während seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz im Vatikan. | Bildquelle: dpa

Missbrauchsskandal Papst entlässt chilenischen Priester

Stand: 28.09.2018 17:54 Uhr

Ein wegen sexuellen Missbrauchs verurteilter Priesterausbilder wurde von Papst Franziskus aus dem Klerikerstand entlassen. Der 88-jährige Chilene sollte ursprünglich eine mildere Strafe erhalten.

Papst Franziskus zieht weitere Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal in Chile und verhängt erstmals eine harte Strafe. Das katholische Kirchenoberhaupt hat den chilenischen Priesterausbilder Fernando Karadima, der wegen sexuellen Missbrauchs schuldig gesprochen worden war, aus dem Klerikerstand entlassen.

Bei einer solchen Laisierung werden Priester von ihren Rechten und Pflichten entbunden. Ursprünglich war Karadima dazu sanktioniert worden, wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen sein restliches Leben in "Gebet und Buße" zu verbringen. Diese Art der Strafe ist vom Vatikan häufig für ältere Priester gewählt worden, die Kinder missbraucht oder vergewaltigt haben.

Kirchliches Äquivalent zur Todesstrafe

Missbrauchsopfer haben seit langem angeführt, dass diese Bestrafung zu milde sei und einer bezahlten Pensionierung gleichkomme. Der Vatikan erklärte nicht, was Franziskus dazu gebracht haben könnte, Karadimas ursprüngliche Bestrafung zu überdenken. Geistliche betrachten das jetzt von ihm verhängte Strafmaß als kirchliches Äquivalent zur Todesstrafe.

Franziskus habe diese Entscheidung "für das Wohl der Kirche" getroffen, teilte der Vatikan mit. Juan Carlos Cruz, der Opfer von Karadima wurde, zeigte sich erleichtert über die Entscheidung. "Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Tag erleben würde. Der Mensch, der so vielen anderen Menschen das Leben ruiniert hat", schrieb er auf Twitter und dankte Papst Franziskus für den Entschluss. "Ich erwarte, dass viele der Überlebenden heute etwas Erleichterung empfinden."

Karadima war vor seiner Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs durch ein Vatikangericht 2011 lange als namhafter Geistlicher in der Priesterausbildung tätig. Als der Papst Juan Barros, einen Zögling Karadimas, zum Diözesanbischof der südschilenischen Stadt Osorno ernannte, kam es zu ersten Protesten in Chile. Barros soll von Karadimas Vergehen gewusst und diese gedeckt haben.

Papst räumt "schwerwiegende Fehler" ein

Bei einer Reise von Franziskus nach Chile im Januar gab es massive Proteste und Demonstrationen gegen den Umgang des Kirchenoberhauptes mit den Missbrauchsfällen in dem südamerikanischen Land. Der Papst wies die Vorwürfe zunächst als "Verleumdungen" zurück, bedauerte dies allerdings kurze Zeit später öffentlich.

Auf der Grundlage eines Berichts des Vatikanexperten für Missbrauch, des maltesischen Erzbischofs Charles Scicluna, räumte Franziskus "schwerwiegende Fehler" ein. Daraufhin bot die chilenische Bischofskonferenz dem Papst fast geschlossen den Rücktritt an. Franziskus nahm fünf der insgesamt 29 Rücktrittsgesuche an, darunter das von Juan Barros. Chilenische Missbrauchsopfer hatten bei Gesprächen mit dem Papst Missbrauch als "Epidemie" bezeichnet, die Tausende Menschenleben zerstört habe.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. September 2018 um 00:00 Uhr.

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