Palästinenser protestieren im Gazastreifen | Bildquelle: AFP

Proteste im Gazastreifen Palästinenser beklagen Tote und Verletzte

Stand: 07.04.2018 00:47 Uhr

Bei Protesten an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel sind den Palästinensern zufolge neun Menschen getötet und 1000 verletzt worden. Ihr UN-Vertreter sprach von einem Massaker.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Es sei ein Massaker, verübt am palästinensischen Volk. So beschreibt es zumindest der palästinensische UN-Vertreter Riyad Mansour. Am Nachmittag New Yorker Zeit trat er an das Rednerpult vor der Tür des Sicherheitsrates, des Gremiums also, dem er vorwirft, nichts zu tun, um die Gewalt zu stoppen und die Vorfälle unabhängig zu untersuchen, nicht also allein durch Israel.

Palästinenser kritisieren UN-Sicherheitsrat

"Unserer Meinung nach ermutigt der Sicherheitsrat Israel, mit dem Angriff auf unser Volk weiterzumachen, indem er seine Verantwortung auch weiterhin nicht wahrnimmt. Wir lehnen das ab", sagte Mansour. Vor einer Woche war der Sicherheitsrat nur ein paar Meter von diesem Rednerpult entfernt zusammen gekommen - ergebnislos. Eine Erklärung, die den UN-Generalsekretär mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt hätte, wurde nicht verabschiedet.

Kuwait hatte damals die Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates verlangt. Der kuwaitische UN-Botschafter steht auch jetzt wieder verlässlich an der Seite des palästinensischen Kollegen: "Erneut wiederholen wir die Aufforderung des Generalsekretärs nach einer unabhängigen und transparenten Untersuchung dieser Vorfälle. Außerdem ist es wichtig, Palästinensern internationalen Schutz zu gewähren."

Der palästinensische UN-Vertreter Riyad Mansour spricht in New York | Bildquelle: AP
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Der palästinensische UN-Vertreter Mansour zog eine Bilanz des Tages.

Der Palästinenser Mansour liefert eine erste Bilanz des gewalttätigen Tages - gestützt auf Zahlen seines Gesundheitsministeriums und der Hilfsorganisation Roter Halbmond, wie er erklärt. "Mindestens neun palästinensische Zivilisten wurden getötet, darunter ein Kind. Mehr als 1000 Verletzte", sagte er.

Mahnung des UN-Generalsekretärs

Keine Gewalt! So hatte der UN-Chef Antonio Guterres noch am Vortag gefordert. Insbesondere Israel solle extrem vorsichtig vorgehen, drängte der UN-Generalsekretär, um Opfer zu vermeiden. Friedliche Demonstrationen müssten möglich sein.

Der israelische UN-Botschafter Danny Danon hatte vor der nun schon zweiten Protestwelle in einem Brief an den Sicherheitsrat dagegen erklärt, die Palästinenser behaupteten zwar, gewaltlos zu demonstrieren, tatsächlich aber würden sie Frauen und Kinder als menschliche Schutzschilde missbrauchen und "bewaffnete Terroristen" in den Kampf schicken.

Die radikalislamische Hamas, die von den USA, der EU und Israel als Terrororganisation eingestuft wird, hatte vor einer Woche den so genannten "Marsch der Rückkehr" gestartet. Insgesamt sollen die Proteste sechs Wochen andauern. Palästinenser-Vertreter Mansour sagte, er hoffe, dass er kommenden Freitag nicht wieder Opferzahlen bekannt geben müsse.

Ein „Massaker“ in Gaza - Palästinensischer UN-Vertreter klagt Israel an
Kai Clement, ARD New York
06.04.2018 23:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. April 2018 um 06:00 Uhr in den Nachrichten.

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