Abdul Qadeer Khan | REUTERS

Trauer um Wissenschaftler Khan Der "Vater der pakistanischen Atombombe" ist tot

Stand: 10.10.2021 13:35 Uhr

Für Pakistan ist Abdul Qadeer Khan ein Nationalheld. Er hatte dem Land die Atombombe gebracht, nachdem Erzfeind Indien damit begonnen hatte, eine zu entwickeln. Nun ist Khan gestorben - laut Medien an den Folgen von Covid-19.

Der als "Vater der pakistanischen Atombombe" bekannt gewordene Atomingenieur Abdul Qadeer Khan ist tot. Der 85-Jährige sei nach längerer Krankheit in einem Krankenhaus in Islamabad gestorben, sagte Innenminister Sheikh Rasheed Ahmad.

Laut Medienberichten soll es Komplikationen im Zusammenhang mit Covid-19 in einer Klinik gegeben haben. Khan lag seit einem positiven Corona-Test Ende August im Krankenhaus.

Pakistans Regierungschef Imran Khan betrauerte bei Twitter den Tod des Wissenschaftlers. "Für die Menschen in Pakistan war er eine nationale Ikone", schrieb er.

Pakistan plant Staatsbegräbnis

Laut pakistanischem Innenministerium erhält der Atomwissenschaftler wegen seiner Verdienste für das Land ein Staatsbegräbnis, und die Flaggen werden auf halbmast gesetzt. Der Premier twitterte: "Er wurde von unserer Nation geliebt, weil er entscheidend dazu beigetragen hat, uns zu einem Atomwaffenstaat zu machen." Dies habe Pakistan Sicherheit gegen einen aggressiven, viel größeren nuklearen Nachbarn gegeben.

Khan hatte in Belgien einen Doktorgrad in Metallurgie erhalten. Als Indien 1974 bekanntgab, eine "friedliche Atomexplosion" ausgelöst zu haben, bot er dem damaligen pakistanischen Premierminister Zulfikar Ali Bhutto Technologie für ein eigenes Atomwaffenprogramm an. Bhutto nahm an und sagte, seine Landsleute würden für eine Atombombe auch hungern und Gras essen.

Kenntnisse auch an den Iran weitergegeben

Khan wird vorgeworfen, in den Niederlanden eine Zentrifuge für die Urananreicherung gestohlen zu haben, die er für die Entwicklung des pakistanischen Programms nutzte. 1998 erklärten sich sowohl Indien als auch Pakistan zu Atommächten. Beide Staaten gelten als verfeindet und haben seit der Unabhängigkeit beider Länder im Jahr 1947 drei Kriege gegeneinander geführt.

Khan wird in Pakistan bis heute als Nationalheld gefeiert, obwohl er seine Kenntnisse illegal an Nordkorea, Libyen und den Iran weitergegeben haben soll. Er räumte dies im Jahr 2004 zwar ein, gab später aber an, diese Aussage auf Anweisung der früheren pakistanischen Regierung gemacht zu haben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Oktober 2021 um 10:00 Uhr.