David Seymour und Jacinda Ardern | dpa

Nach Mikrofonpanne in Neuseeland "Arroganter Arsch" ist gut 100.000 Dollar wert

Stand: 22.12.2022 08:13 Uhr

Aus einem Fauxpas wird eine Auktion für den guten Zweck: In Neuseeland wurde ein Parlamentsprotokoll für mehr als Hunderttausend Dollar versteigert. Darin nennt Premierministerin Ardern den ACT-Chef Seymour einen "arroganten Arsch".

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern hat sich für eine abfällige Bemerkung über einen Oppositionspolitiker entschuldigt - und den Disput nun mit einer gemeinsamen Initiative beigelegt. Die 42-Jährige hatte den Vorsitzenden der rechtsliberalen ACT-Partei, David Seymour, in einer Parlamentsdebatte als "arroganten Arsch" bezeichnet.

Was in der TV-Übertragung kaum hörbar war, fing das noch eingeschaltete Mikro an ihrem Pult ein. Schon bald fragten sich Beobachter, ob man sich im sonst so beschaulichen Neuseeland im Wahljahr 2023 auf einen rüden Umgangston der politischen Akteure gefasst machen müsse. Doch Ardern und Seymour haben die Sache wiedergutgemacht.

Versteigerung für den guten Zweck

Beide unterzeichneten ein offizielles Parlamentsprotokoll mit der Bemerkung Arderns - und ließen es für einen guten Zweck versteigern. Die Auktion ging mit einem Höchstgebot von mehr als 100.000 neuseeländischen Dollar - rund 59.000 Euro - zu Ende.

"Kann nicht sagen, dass ich das erwartet habe", schrieb Ardern auf Facebook. "Aus einem Fauxpas mit dem alten Mikro im Parlament sind 100.000 Dollar für die Prostatakrebs-Stiftung geworden. Vielen Dank an David dafür, ein guter Sportsmann zu sein, und an jeden, der ein Gebot abgegeben hat."

Der Politikjournalist Aaron Dahmen sprach auf Twitter von der "Magie der neuseeländischen Politik".

Labour-Partei hinter Konservativen

Nach fünf Jahren an der Regierungsspitze steht Ardern 2023 ein harter Wahlkampf bevor. Ihre sozialdemokratische Labour-Partei holte vor zwei Jahren noch einen historischen Erdrutschsieg, doch in jüngsten Umfragen liegt sie hinter konservativen Rivalen. Arderns Wiederwahl könnte also in Gefahr sein.

Ihre berüchtigte Bemerkung über Seymour, den Chef der neoliberalen ACT-Partei, fiel vergangene Woche in einer Fragestunde im Parlament, in der dieser die Regierungsbilanz der Premierministerin infrage gestellt hatte. Später entschuldigte sich Ardern per SMS-Nachricht bei Seymour, der sich "schockiert und verwundert" über ihre Wortwahl zeigte.

"Für Ärsche allerorten" - gegen Prostatakrebs

Das sehe ihr gar nicht ähnlich und er kenne sie persönlich seit elf Jahren. In ihrer Nachricht habe sie sich aber selbstkritisch gezeigt und geschrieben: "Wie meine Mutter zu sagen pflegte: 'Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, sag' es nicht'", zitierte Seymour.

Er unterbreitete Ardern bei einer Party denn auch die Idee mit der Auktion, in die sie einwilligte. "Das schöne an dieser Spendenaktion ist, dass sie jeden anspricht. Leute, die mich nicht mögen, Leute, die mich mögen, Leute, die Jacinda nicht mögen und Leute, die sie mögen - aber vor allem Leute, die Prostatakrebs hassen", ergänzte Seymour.

Unter dem Motto "Ardern und Seymour tun sich für Ärsche allerorten zusammen" richtete die Webseite "Trade Me" schließlich die Versteigerung aus, bei der mehr als 280 Gebote eingingen. Peter Dickens, der Chef der Prostatakrebs-Stiftung, bedankte sich bei beiden Politikern für ihre "stilvolle" Reaktion. Nach einem harten Jahr, in dem herkömmliche Spendensammlungen durch die Corona-Pandemie eingeschränkt worden seien, gebe das Geld seiner Einrichtung einen immensen Schub. "Es ist mehr, als wir uns je hätten vorstellen können", schwärmte Dickens.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 22. Dezember 2022 um 10:26 Uhr.