Papst Franziskus betet während der Osternachtfeier. | AFP

Papst feiert Osternacht "Wir beten in der Dunkelheit des Krieges"

Stand: 17.04.2022 05:00 Uhr

Papst Franziskus hat in der Osternachtfeier zu "Gesten des Friedens" aufgerufen. In einer emotionalen Ansprache wandte er sich direkt an den Bürgermeister der ukrainischen Stadt Melitopol.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Das Osterfest als ein Fest der Hoffnung, gerade auch in Zeiten des Krieges - diese Botschaft hat Papst Franziskus in den Mittelpunkt seiner Predigt in der Osternacht gestellt. Mit der Auferstehung Jesu, sagte Franziskus vor rund 5500 Menschen im Petersdom, sei im Glauben der Christen die Gewissheit verbunden, dass Gerechtigkeit siegen werde über das Böse und den Tod.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

"Der Herr möchte uns in dieser Nacht neue Augen schenken, die von der Hoffnung erhellt werden, dass Angst, Schmerz und Tod nicht das letzte Wort über uns haben werden."

Franziskus zelebrierte die Osternachtmesse erstmals nicht selbst, sondern überließ dies Kardinal Giovanni Battista Re. Der Papst leidet aktuell wieder stärker an seinen Knie- und Hüftproblemen und überlässt, um Kräfte zu sparen, gelegentlich liturgische Aufgaben anderen - die Osternacht im Petersdom allerdings hat bislang der Papst stets selbst zelebriert. 

Papst wendet sich an ukrainischen Bürgermeister

Seine Predigt trug der Papst persönlich vor, kraftvoll und emotional. Auf die Situation in der Ukraine ging Franziskus in seiner glaubensorientierten Ansprache nicht ausdrücklich ein, beklagte aber "Nächte des Krieges", die von "Spuren des Todes" durchzogen seien und rief auf zu "Gesten des Friedens in dieser von den Schrecken des Krieges geprägten Zeit".

Für Aufsehen sorgte der Papst am Ende, als er sich im Anschluss an seine Predigt in freier Rede an Ivan Fedorov wandte. Der Bürgermeister der von russischen Truppen besetzten ukrainischen Stadt Melitopol verfolgte auf Einladung des Vatikans die Osternacht-Messe im Petersdom von einem Platz in der ersten Reihe, gemeinsam mit ukrainischen Parlamentariern. Franziskus versicherte den Ukrainerinnen und Ukrainern seine Unterstützung.

"In dieser Dunkelheit, in der Sie leben, Herr Bürgermeister, Damen und Herren Parlamentarier, in dieser Dunkelheit des Krieges und der Grausamkeit beten wir für und mit euch in dieser Nacht. Wir beten für die vielen Leiden."

Papst fordert "Gesten des Friedens"

Das Osterfest, hatte Franziskus zuvor gesagt, bedeute für Christinnen und Christen, dass keine Nacht endlos sei und selbst in der größten Dunkelheit der Morgenstern leuchte. Diese christliche Osterbotschaft wurde - nach zwei Jahren Coronapause - im wieder voll besetzten Petersdom inszeniert, indem das Osterlicht von Kardinal Battista Re in einer stimmungsvollen Zeremonie in die abgedunkelte Basilika getragen und dann der Raum nach und nach erleuchtet wurde. Franziskus ermutigte in seiner Predigt die Gläubigen, die Botschaft Jesu zu verbreiten.

"Tragen wir ihn mitten in unser tägliches Leben: mit Gesten des Friedens in dieser von den Schrecken des Krieges gezeichnet Zeit; mit Werken der Versöhnung in zerbrochenen Beziehungen und des Mitgefühls für die Bedürftigen; mit Taten der Gerechtigkeit inmitten von Ungleichheiten und der Wahrheit inmitten von Lügen", sagte Franziskus. "Liebe und Geschwisterlichkeit" sei die Antwort der Christinnen und Christen auf Angst und Schmerz unserer Zeit.

Zur Ostermesse heute auf dem Petersplatz werden mehrere zehntausend Menschen erwartet. Es wird damit gerechnet, dass sich der Papst in seiner Osterbotschaft auch zum Krieg in der Ukraine äußern wird.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. April 2022 um 09:00 Uhr.