Ein Hilfskonvoi des Roten Halbmondes nahe Ost-Ghouta | Bildquelle: AFP

Umkämpftes Ost-Ghouta Hilfslieferung erneut verschoben

Stand: 08.03.2018 11:17 Uhr

Erneut kann ein Hilfskonvoi nicht in das umkämpfte Ost-Ghouta vordringen. Die Sicherheitslage sei zu schlecht, teilte das Rote Kreuz mit. Ärzte berichten zudem von einem möglichen Chlorgasangriff.

Das Rote Kreuz hat einen für heute geplanten Hilfskonvoi für die Not leidenden Zivilisten in der syrischen Rebellen-Enklave Ost-Ghouta verschoben. Die Lage vor Ort sei derzeit zu unsicher, um die Hilfen wie geplant auszuliefern, sagte eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). "Unter solchen Bedingungen ist es uns nicht möglich, den Einsatz auszuführen".

Der Konvoi hätte nach UN-Angaben Hilfsgüter für rund 70.000 Menschen in die Stadt Duma in Ost-Ghouta bringen sollen. Am Montag wurde der Versuch einer ersten Hilfslieferung abgebrochen, nachdem der Konvoi unter Beschuss geraten war. Nur etwa die Hälfte der 46 Lastwagen konnte entladen werden. Regierungstruppen hielten einen Teil der Ladung zurück.

Berichte über möglichen Chlorgas-Angriff

Die Regierung intensiviert seit Mittwoch ihre Offensive auf Ost-Ghouta auch mit Luftangriffen. Dabei könnten nach Angaben von Ärzten vor Ort auch verbotene chemische Kampfmittel zum Einsatz gekommen sein. Nach Angaben der Hilfsorganisation Syrian American Medical Society (Sams) wiesen mehrere Verletzte Symptome wie schwere Atemnot und gerötete Augen auf, die auf Angriffe mit giftigem Chlorgas hindeuteten. Die Hilfsorganisation berief sich auf Aussagen von Medizinern in einer Klinik, in der 29 Betroffene behandelt wurden.

Ein AFP-Reporter in Hamurijeh berichtet von Dutzenden Menschen, die nach den Luftangriffen auf die Straße strömten, um frische Luft zu atmen. Eltern zogen ihre hustenden Kinder aus und wuschen sie mit Wasser ab, möglicherweise um Rückstände von Giftgas zu entfernen. Aktivisten beschuldigen die Regierung des syrischen Machthabers Baschar al-Assad immer wieder, im Kampf gegen Rebellen Giftgas einzusetzen. Die Regierung hat dies wiederholt bestritten.

Ost-Ghouta zweigeteilt

Die syrische Armee hat einen Keil in die Enklave getrieben und sie nach Angaben eines Milizen-Kommandeurs geteilt. Die aus Osten vorstoßenden Kämpfer stünden davor, sich mit den aus Westen vorrückenden Einheiten zusammenzuschließen, sagte der Kommandeur einer regierungstreuen Miliz. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte schon am Mittwochabend berichtet, Ost-Ghouta sei praktisch zweigeteilt.

Der UN-Sicherheitsrat wiederholte seine Forderung, die Resolution für eine landesweite Waffenruhe vom 24. Februar müsse umgesetzt werden. Der Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, forderte die syrische Führung auf, ihren "katastrophalen Kurs" in Ost-Ghouta umzukehren. Er kritisierte Aussagen der syrischen Regierung, sie tue ihr Bestes für den Schutz von Zivilisten. Diese seien "lächerlich", sagte er unter Verweis auf "willkürliche, brutale Angriffe" der syrischen Streitkräfte.

Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Said Raad al-Hussein
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Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Said Raad al-Hussein

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. März 2018 um 09:15 Uhr, 09:45 Uhr und 10:45 Uhr in den Nachrichten.

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