Polizeiwagen stehen vor einer Moschee in Baerum nahe Oslo | Bildquelle: AP

Anschlag in Oslo 21 Jahre Haft für Moschee-Attentäter

Stand: 11.06.2020 12:48 Uhr

Ein norwegischer Rechtsextremist ist zu 21 Jahren Haft und Sicherheitsverwahrung verurteilt worden. Er wollte im vergangenen Sommer ein Blutbad in einer Moschee anrichten - wurde aber von den Gläubigen überwältigt.

Zehn Monate nach dem Angriff auf eine Moschee in Norwegen ist der Täter zu 21 Jahren Sicherheitsverwahrung verurteilt worden. Das zuständige Bezirksgericht im norwegischen Sandvika bei Oslo sprach den 22 Jahre alten Angeklagten wegen Terrorismus und Mordes schuldig. Wie Richterin Annika Lindström verkündete, beträgt die Mindestverwahrungsdauer für den Mann 14 Jahre. Er muss zudem Entschädigung an die Betroffenen zahlen und die Gerichtskosten tragen.

Höhere Strafe als Breivik

Damit erhielt der Mann eine höhere Strafe als der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik, der am 22. Juli 2011 bei Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utoya 77 Menschen getötet hatte. Er war zu 21 Jahren Verwahrung mit einer Mindestdauer von zehn Jahren verurteilt worden.

Zum Zeitpunkt des Urteilsspruchs war dies die Höchststrafe, zu der Breivik gemäß der norwegischen Gesetzeslage hatte verurteilt werden können. Später ermöglichte eine Gesetzesänderung, eine Mindestdauer von bis zu zwei Dritteln der Verwahrungsstrafe festzusetzen.

Von Moschee-Besuchern überwältigt

Der in Sandvika angeklagte Norweger hatte am 10. August 2019, am Vorabend des islamischen Opferfestes, eine Moschee in Bærum rund 20 Kilometer westlich von Oslo angegriffen. Er war dabei mit mehreren Schusswaffen bewaffnet, konnte aber von Gläubigen überwältigt und festgenommen werden, ohne dass jemand in dem Gotteshaus schwerer verletzt worden war. In seiner Wohnung fand die Polizei später die Leiche seiner 17 Jahre alten Stiefschwester, die der Mann mit vier Schüssen aus einem Jagdgewehr getötet hatte.

Das Gericht beurteilte den Mord und den Angriff auf die Moschee nicht als eine zusammenhängende Tat, sondern als separate Vorgänge. Die Tötung seiner aus China adoptierten Stiefschwester erscheine eher rassistisch motiviert als von Terror getrieben, sagte Lindström. Das Gerichtsurteil war einstimmig, wie Lindström sagte. Damit folgten die Richter dem Antrag von Staatsanwalt Johan Overberg. Die Verteidigerin des Angeklagten, Unni Fries, hatte dagegen auf Freispruch plädiert, weil ihrer Ansicht nach Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit ihres Mandanten bestehen.

Rassistisches Weltbild

Der Angeklagte Philip Manshaus wartet in einem Gerichtssaal auf das Urteil am letzten Tag seiner Verhandlung | Bildquelle: AP
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Der Angeklagte Philip Manshaus im Gerichtssaal.

Der Angeklagte hat die Taten eingeräumt, eine Schuld im strafrechtlichen Sinne aber von sich gewiesen. Während des Prozesses äußerte er mehrmals rechtsradikale, rassistische und islamfeindliche Ansichten. Er bezog sich auch auf den Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März 2019, wo ein australischer Rechtsextremist 51 Muslime getötet und Dutzende weitere verletzt hatte. Der Norweger äußerte sich enttäuscht darüber, selbst nicht mehr Schaden angerichtet zu haben.

In Norwegen können Angeklagte gemäß der Strafgesetze des Landes nicht zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt werden. Eine Sicherheitsverwahrung bedeutet jedoch, dass eine Strafe verlängert werden kann, wenn der Täter weiterhin als gefährlich eingestuft wird - das kann letztlich mit sich bringen, dass Verurteilte lebenslang im Gefängnis einsitzen müssen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juni 2020 um 11:30 Uhr.

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