Grenzübergang Österreich - Deutschland | picture alliance / Franz Neumayr

Quarantäneregeln Österreich macht Grenzen praktisch dicht

Stand: 02.12.2020 17:19 Uhr

Österreich fährt das öffentliche Leben langsam wieder hoch, einige Corona-Maßnahmen werden gelockert. Skitouristen, die aus Risikogebieten wie Deutschland einreisen, werden allerdings mit Quarantäneregeln gebremst.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Österreichs Hotels und Gastronomiebetriebe bleiben über Weihnachten und Neujahr bis zum 7. Januar geschlossen. Zugleich werde vor Weihnachten ein "konsequentes Grenzregime" eingeführt, wonach sich jeder Rückkehrer aus Risikogebieten für zehn Tage in Quarantäne begeben müsse. Erst nach fünf Tagen könne man einen Corona-Test machen, um frühzeitiger die Quarantäne zu beenden.

Zahlen auf hohem Niveau

Dies kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz bei der Vorstellung der ersten Lockerungen nach dem Lockdown an. Die bisherigen Maßnahmen hätten bereits "definitiv" Wirkung gezeigt, die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz sei von mehr als 600 Anfang November auf 250 gesenkt worden. Dieser Wert würde um den 6. Dezember erreicht werden.

Aber Kurz sagte auch: "Die Pandemie ist nicht vorbei. Das Virus ist nach wie vor unter uns, und die Ansteckungszahlen sind nach wie vor auf einem extrem hohen Niveau."

Schulen, Handel und Museen öffnen

Innerhalb der vergangenen 24 Stunden haben sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums knapp 4.000 Menschen neu infiziert. Derzeit seien 16 Prozent aller Corona-Tests positiv. Kurz kündigte an, dass ab nächster Woche Schulen - mit Ausnahme der Oberstufe -, der Handel, Dienstleistungsbetriebe sowie Museen wieder geöffnet würden. Es werde Einlasskontrollen und einen beschränkten Zutritt entsprechend der Größe der Verkaufsfläche geben. Kurz sprach von schmerzhaften Einschnitten, die nicht "populär" seien.

Allerdings erklärte Kurz: "Wenn wir alles gleichzeitig öffnen würden, dann kann ich Ihnen die Garantie geben, dass wir sofort wieder ein explosionsartiges Ansteigen der Infektionszahlen hätten" und der nächste Lockdown wäre wohl schon für den Januar programmiert.

Skifahren wieder möglich

Ferner blieben die geltenden nächtlichen Ausgangsbeschränkungen in Kraft, und zwar von 20 Uhr bis 6 Uhr morgens. Kurz warb erneut um die Unterstützung der Bevölkerung.

Mit Blick auf die Skilifte, die unter das Beförderungsgesetz fallen, kündigte der Bundeskanzler an, dass ab dem 24. Dezember Einzelsportarten im Freien - wie zum Beispiel das Skifahren - wieder möglich werden, "damit auch der österreichischen Bevölkerung in diesen Feiertagen bzw. Ferien die Möglichkeit offensteht, sich hier auch sportlich zu betätigen".

"Vier Mal so viele Tote wie die Deutschen"

Österreichs Sozialdemokraten warfen der Regierung Kurz Versagen beim Krisenmanagement vor. Österreich sei "Weltmeister im Negativen", so der Fraktionsvize der SPÖ im Parlament, Jörg Leichtfried, unter Verweis auf die hohen Neuinfektionen und "horrenden Sterbezahlen". Die Regierung betreibe eine "Showpolitik". "Wir haben vier Mal so viele Todesfälle wie die Deutschen", so der SPÖ-Politiker.

 

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, dass zum 7. Dezember verschärfte Quarantäneregeln in Kraft treten. Dies ging aus einer Vorlage zur Pressekonferenz von Bundeskanzler Kurz hervor. Später präzisierte das österreichische Innenministerium seine Angaben. Demnach treten die Quarantäneregeln vor Weihnachten in Kraft, voraussichtlich am 19. Dezember. Wir haben den Beitrag entsprechend angepasst.

Über dieses Thema berichtete am 02. Dezember 2020 MDR Aktuell um 16:22 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.