Michelle Obama spricht an ihrer ehemaligen Schule über ihr Buch "Becoming" | Bildquelle: AP

Michelle Obamas Memoiren Ein Rückblick, keine Bewerbung

Stand: 13.11.2018 08:57 Uhr

Ganze Stadien sind in den USA für die Buchvorstellung von Michelle Obama ausgebucht. Obama gewährt tiefe Einblicke in die Familiengeschichte - und beendet zugleich eine Spekulation.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Nein, sie will nicht kandidieren. Nein, sie will nicht US-Präsidentin werden: Damit räumt Michelle Obama ganz klar in ihrem neuen Buch "Becoming" auf.  Viele Amerikaner hoffen inständig darauf, dass die ehemalige First Lady Barack Obama zum First Husband macht. Aber all denen erteilt sie eine Absage.

Sie wisse, dass dies manche Leute wollten. Aber, fragt sie, "was will ich für mich? Manchmal kann man von dem, was andere Menschen für einen wollen, mitgerissen werden. Aber ich weiß, dass meine Leidenschaft, meine Talente ganz woanders liegen - nicht in der Politik."

Michelle Obama spricht mit Schülerinnen ihrer ehemaligen Schule in Chicago über ihr neues Buch | Bildquelle: REUTERS
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Rückkehr nach Chicago: An ihrer ehemaligen Schule sprach Obama mit Schülerinnen über ihr Buch.

Zurück zu den Wurzeln

426 Seiten lang ist "Becoming". Michelle Obama erzählt darin ihre Geschichte. Das Buch ist in drei Teile unterteilt: Becoming me, Becoming us, Becoming more. Obama erzählt, wie sie geworden ist, wer und was sie ist. Von ihren Wurzeln in einer Arbeiterfamilie von der South Side in Chicago über die Elite-Universitäten Princeton und Harvard und ihre Ehe mit Barack Obama bis ins Weiße Haus.

Dabei offenbart die ehemalige First Lady sehr persönliche, schmerzvolle Erfahrungen, als sie nicht schwanger wurde. "Es stellt sich heraus", schreibt sie, "dass selbst zwei entschlossene Macher, die sich sehr lieben und eine harte Arbeitsmoral haben, keine Schwangerschaft erzwingen können. Es ist unerträglich, aber es gibt keine direkte Verbindung zwischen Bemühen und Belohnung. Für mich und Barack war das überraschend und enttäuschend."

Obama will anderen Frauen mit ähnlichen Erfahrungen Mut machen. Erfahrungen wie ihre mit einer Fehlgeburt und künstliche Befruchtungen seien immer noch Tabuthemen.

Rassismus-Erfahrungen in Princeton

Die 54-Jährige schreibt auch darüber, wie sie Rassismus im Alltag erlebt hat. Als sie an der Princeton-University ins Wohnheim einzieht, wohnt sie mit Cathy zusammen, einer Weißen.

In "Becoming" hält sie dazu fest: "Ihre Mutter, eine Lehrerin aus New Orleans, war entsetzt, dass ihre Tochter eine schwarze Mitbewohnerin bekommen hatte. Sie hat der Uni zugesetzt, uns zu trennen. Damals wusste ich nur, dass Cathy nach der Hälfte unseres ersten Uni-Jahres aus unserem Dreierzimmer in ein Einzelzimmer gezogen war. Ich bin froh, sagen zu können, dass ich damals nicht wusste, warum.

Michelle und Barack Obama | Bildquelle: AFP
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Der Glamour, der die Obamas umgibt ist nur die eine Seite. Mit welchen Problemen das Paar zu kämpfen hatte, ist auch Thema der Erinnerungen.

Das Auf und Ab der Ehe

Sie, die gewissenhafte Frau, die To-Do-Listen abhakt, beschreibt wie es war, den umtriebigen, weniger organisierten Barack Obama zu treffen. Wie sie sich in ihn verliebte, wie es war, mit seiner ständigen Abwesenheit wegen seiner politischen Karriere zu leben und wie sie gemeinsam mit Hilfe einer Eheberatung an ihrer Partnerschaft arbeiteten. Sie erklärt, wie sie sich ihre eigene Identität, ihr Standing erarbeitete, um nicht anderen die Definition von Michelle Obama zu überlassen.

Donald Trump beschreibt sie als frauenfeindlichen Rüpel und stellt klar, dass sie ihm nie verzeihen wird, dass er die Spekulationen, ob Barack Obama überhaupt in den USA geboren wurde, immer wieder befeuerte. "Die Gefahren, denen man als Präsident ausgesetzt ist, sind real", betont sie. "Deine Kinder sind gefährdet. Und während man selbst in dieser Blase lebt, leben deine Kinder außerhalb dieser Blase." Michelle Obama hatte Angst, dass sich wegen Trumps Tiraden jemand ermutigt fühlen könnte, mit einer Waffe nach Washington zu kommen und ihren Kindern aufzulauern.

Michelle und Barack Obama sowie Melania und Donald Trump | Bildquelle: AFP
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Da lächelten sie noch gemeinsam: Vor der Amtseinführung zeigten die Obamas im Januar 2017 den Trumps das Weiße Haus.

Jetzt füllt sie die Stadien

Mit ihrer Geschichte geht die erste schwarze First Lady der USA nun auf Stadiontour. Heute ist in Chicago die erste Lesung in einer Arena mit 23.000 Plätzen. Tickets können mehr als 1000 Dollar kosten. Michelle Obama will zehn Prozent der Einnahmen aus dem Buchverkauf spenden.

In den USA gibt es eigens Release-Partys in Buchhandlungen, weil viele gleich als erste das Buch haben wollen. "Becoming" ist die Geschichte einer Frau, die zum Vorbild vieler Frauen in den USA wurde. Eine Ikone, die hier ihre private, menschliche Seite zeigt.   

Michelle Obama veröffentlicht Memoiren
Martina Buttler, ARD Washington
13.11.2018 13:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. November 2018 um 08:51 Uhr.

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