Barack Obama | Bildquelle: AFP

Memoiren von Barack Obama Der Traum von Einigkeit

Stand: 17.11.2020 10:28 Uhr

"Ein verheißenes Land" - so hat Ex-US-Präsident Obama seine Memoiren genannt. Darin erzählt er von seiner politischen Karriere. Der Wunsch nach Einigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Schon der Bürgerrechtler Martin Luther King träumte in einer seiner berühmten Reden von "a promised land" - einem verheißenen Land, in dem es Frieden gibt, Gleichheit und Einigkeit.

Auch Barack Obama hat seine Autobiografie nun so überschrieben. Der frühere US-Präsident erklärt in der Fernsehsendung "60minutes":

"Ich habe mein Buch 'Ein verheißenes Land' genannt, denn selbst wenn wir das niemals erreichen werden in unserem Leben, wenn wir bis dahin Enttäuschungen und Härten einstecken müssen, vertraue ich trotzdem darauf, dass wir Einigkeit erreichen können. Keine vollkommene Einigkeit, aber eine vollkommenere Einigkeit."

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Ex-US-Präsident Barack Obama beschreibt in seinem Buch seine politische Karriere und welche Fragen ihn in seinen jungen Jahren beschäftigten.

Er stellte sich viele Fragen

Der Traum von Einigkeit, von Vereinigten Staaten und nicht zerrissenen Staaten zieht sich wie ein roter Faden durch Obamas Leben. Auf mehr als 1000 Seiten beschreibt der 59-Jährige nicht nur die ersten 30 Monate seiner historischen Präsidentschaft, sondern auch seine frühen Jahre. 

Ich weiß noch, wie ich bereits in der High School anfing, Fragen zu stellen, schreibt er in seinem Buch. Warum spielten Schwarze in der Profiliga Basketball, aber arbeiteten dort nicht als Trainer? Das war nur eine von vielen Fragen, die den jungen Barack beschäftigte.

Eheleben mit Michelle

Obama lässt den Leser nicht nur teilhaben an seiner Getriebenheit an der Harvard Law School, an seinem Ehrgeiz als Senator, sondern auch an seinem Eheleben mit Michelle Obama. Sie hatte einer Präsidentschaftskandidatur ihres Mann nur sehr widerwillig zugestimmt. Dazu sagt Obama:

"Der Fakt, dass sie es hingenommen und mir vergeben hat, war ein Akt der Gnade. Ich war dankbar darüber, aber ich bin nicht sicher, ob ich es verdient habe."

Schwierige Entscheidungen

Obamas anfängliche Jahre im Weißen Haus waren geprägt von großen Herausforderungen wie der globalen Finanzkrise, dem hartnäckigen Kampf für den Affordable Care Act - später Obamacare genannt - und der schwierigen Entscheidung, Osama bin Laden töten zu lassen oder nicht.

"Ich hatte Michelle nichts von meiner anstehenden Entscheidung erzählt, weil ich sie nicht mit einer Geheimsache belasten wollte, bis ich sicher wusste, was ich tun würde. Und falls ich angespannter gewesen sein sollte als üblich, schien sie es jedenfalls nicht zu bemerken."

Hin und wieder klingt in Obamas präsidialen Erinnerungen so etwas wie Selbstreflektion an. Häufig wurde ihm vorgeworfen, dass seine dandyhafte Coolness arrogant wirke und sein Regierungsstil zu wenig aggressiv sei.

"Das ist legitime und verständliche Kritik. Am Ende des Tages habe ich immer versucht, meinen politische Gegner so zu behandeln, wie ich selbst gerne behandelt werden wollte."

 

Große Hoffnung auf Biden

Der Ton zwischen Republikanern und Demokraten sei vor und während seiner Präsidentschaft schärfer geworden, gibt Obama zu. Insbesondere als Sarah Palin von der Tea Party als Vizepräsidentschaftskandidatin ins Rennen eintrat.

"Es schien, als würden mit Palin die dunklen Gespenster, die lange an den Rändern der Republikanischen Partei ein Schattendasein gefristet hatten - Fremdenfeindlichkeit, Antiintellektualismus, paranoide Verschwörungstheorien, die Abneigung gegenüber Schwarzen und braunen Menschen - ihren Weg in die Mitte der Partei finden."

Ein Patentrezept, wie die zerstrittenen Parteien zueinander finden und wie die Spaltung des Landes überwunden werden kann, hat Obama nicht. Aber er setzt große Hoffnung auf seinen ehemaligen Vize Joe Biden:

"Ich denke, ein neuer Präsident kann einen neuen Ton anschlagen. Das wird allerdings die festgefahrene Situation in Washington nicht lösen. Wir müssen dafür mit den Medien und den Tech-Unternehmen zusammenarbeiten, um Wege zu finden, die Öffentlichkeit besser zu informieren. Damit wir Wahrheit von Fiktion trennen können."

Wie eine Antwort auf die letzten vier Jahre

Es ist vermutlich kein Zufall, dass der erste Band von Obamas Autobiografie genau zwei Wochen nach der Wahl auf den Markt kommt. Das Buch liest sich fast wie eine Antwort auf die vergangenen vier Jahre. Eine Rechtfertigung von Obamas eigener Politik und ein Erklärungsversuch für Trumps starken Rückhalt in der Bevölkerung.

Bleibt die Frage: Wird Noch-Präsident Donald Trump den Weg frei machen für den nächsten Präsidenten? Bis jetzt hat er keine Anstalten gemacht. Aber die Hoffnung besteht immer. Irgendwo da draußen gibt es ein verheißenes Land.

Barack Obamas Autobiographie: "Ein verheißenes Land"
Claudia Sarre, ARD Washington
17.11.2020 09:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. November 2020 um 10:50 Uhr.

Korrespondentin

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Claudia Sarre, NDR

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