Kim Jong Un | dpa

Nordkorea Kim will wieder mit Südkorea kommunizieren

Stand: 30.09.2021 10:44 Uhr

Nach langer Unterbrechung will Nordkorea wieder mit Südkorea ins Gespräch kommen. Machthaber Kim Jong Un sagte, eine Öffnung der Kommunikationskanäle entspreche dem Wunsch des koreanischen Volkes nach Frieden.

Nordkorea will nach wochenlanger Unterbrechung die Kommunikationskanäle zu Südkorea wieder öffnen. Machthaber Kim Jong Un warf dem Nachbarland in einer Rede vor dem Parlament vor, sich "sklavisch" zu seinem Verbündeten USA zu verhalten und für den Stillstand in den innerkoreanischen Beziehungen verantwortlich zu sein.

Es sei jedoch der Wunsch aller Koreaner, dass sich die Beziehungen wieder verbesserten. Kim habe die Absicht geäußert, dass zuerst die Kommunikationslinien Anfang Oktober wiederhergestellt würden, berichteten die staatlich kontrollierten Medien.

Das südkoreanische Ministerium für Wiedervereinigung erklärte in einer Reaktion, dass es sich auf die Wiederherstellung der Kommunikationskanäle vorbereiten werde, die es für die Erörterung und Lösung vieler anstehender Fragen benötige. Man erwarte einen stabilen Betrieb der Kanäle, da ihre Wiederherstellung direkt von Kim Jong Un angeordnet worden sei.

Machthaber sieht "Konfrontationshaltung" Südkoreas

Beide Staaten hatten die Kommunikationskanäle zwischen den Regierungen und den Militärs bereits Ende Juli wieder geöffnet, nachdem sie Nordkorea im vergangenen Jahr aufgrund neuer Spannungen einseitig gekappt hatte. Doch nach nur zwei Wochen hatte Nordkorea die Verbindung aus Protest gegen gemeinsame Militärübungen Südkoreas und der USA wieder eingestellt.

Ob Kim mit der beabsichtigten Wiederherstellung den direkten Weg zum Dialog mit Seoul sucht, ist unklar. Zuletzt hatte Pjöngjang unter bestimmten Bedingungen wieder Gespräche mit dem Nachbarn einschließlich eines neuen Gipfeltreffens in Aussicht gestellt. Der südkoreanischen Regierung warf Kim vor, eine "Konfrontationshaltung" einzunehmen. Das müsse sich ändern. "Wir haben weder das Ziel, noch einen Grund, Südkorea zu provozieren."

Neue Raketentests von Nordkorea

Nordkorea, das wegen seines Atomwaffenprogramms internationalen Sanktionen unterworfen ist, hatte in diesem Monat durch neue Raketentests für Unruhe gesorgt. Am Dienstag hatte das Land nach eigenen Angaben eine neu entwickelte Hyperschallrakete getestet. Mit Hyperschall werden Geschwindigkeiten oberhalb der fünffachen Schallgeschwindigkeit bezeichnet, also rund 6180 Kilometer pro Stunde. Waffen dieser Art können deshalb nur schwer abgefangen werden. Südkorea hatte wegen des neuen Raketentests sein Bedauern geäußert.

Schon vor zwei Wochen hatte Nordkorea zwei Kurzstreckenraketen abgefeuert. Südkoreas Präsident Moon Jae In bezeichnete damals den Test als "Provokation". UN-Resolutionen untersagen Nordkorea den Test von ballistischen Raketen, die je nach Bauart auch einen Atomsprengkopf tragen können.

Kim: Dialogbereitschaft der USA "billiger Trick"

Ein Gesprächsangebot von Seiten der USA wies Kim Jong Un scharf zurück. Die Erklärungen der USA zu ihrer Dialogbereitschaft seien ein "billiger Trick". Der Regierung unter Präsident Joe Biden unterstellte er, die "feindselige Politik" früherer amerikanischer Regierungen fortzusetzen. Washingtons Gesprächsvorstoß sei "nichts anderes als ein kleiner Trick, um die internationale Gemeinschaft zu täuschen und seine feindseligen Aktionen zu verbergen".

Die Verhandlungen zwischen Nordkorea und den USA kommen seit dem gescheiterten Gipfel Kims mit dem früheren US-Präsidenten Donald Trump im Februar 2019 in Vietnam nicht mehr voran. Unter dem Stillstand litten auch die innerkoreanischen Beziehungen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. September 2021 um 09:00 Uhr.