Ein Rohr für den Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, verschlossen mit einem blauen Deckel. | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/Shuttersto

"Nord Stream 2" Russland rechnet nicht mit Baustopp

Stand: 07.09.2020 13:52 Uhr

Es fehlen nur noch knapp 150 Kilometer bis zur Fertigstellung der Ostseepipeline "Nord Stream 2". Nun könnte das Projekt am Fall Nawalny scheitern. Russland zeigt sich allerdings zuversichtlich.

Die russische Regierung rechnet nicht damit, dass die Vergiftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny zu einem Baustopp der Ostseepipeline "Nord Stream 2" führen wird. Der Sprecher Dimitri Pekow sagte, er sehe kein Risiko. Moskau hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder betont, die Gasfernleitung von Russland nach Deutschland sei ein wirtschaftliches und kein politisches Projekt.

Russland hält Vorwürfe für "absurd"

Allerdings wird der Druck auf die Beteiligten seit Bekanntwerden des mutmaßlichen Giftanschlags auf Nawalny immer höher. Von mehreren Seiten wurden Rufe laut, den Bau der Leitung zu stoppen. Das Ziel: Russland mit wirtschaftlichem Druck dazu zu bringen, den Fall aufzuklären.

Peskow wies die Vorwürfe zurück, die russische Regierung könne etwas mit Nawalnys Vergiftung zu tun haben. "Versuche, Russland irgendwie damit in Verbindung zu bringen, sind für uns inakzeptabel, sie sind absurd", sagte er der russischen Nachrichtenagnetur Interfax. Aus Sicht von Nawalnys Unterstützern deutet der Einsatz des Nervengiftes Nowitschok aber genau darauf hin.

Bundesregierung schließt nichts aus

Die Bundesregierung lässt die Zukunft von "Nord Stream 2" weiter offen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) halte es für falsch, etwas auszuschließen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Zugleich stellte er klar, dass es momentan noch zu früh sei, die Frage nach Konsequenzen zu beantworten. Zunächst müsse Russland eine Erklärung zu den Hintergründen im Fall Nawalny abgeben. Damit sei aber nicht innerhalb weniger Tage zu rechnen, sagte Seibert. Er verwies zudem darauf, dass es sich bei der Ostsee-Pipeline um ein Projekt der EU handele.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte gestern erklärt, er hoffe nicht, "dass die Russen uns zwingen, unsere Haltung zu "Nord Stream 2" zu ändern. Es gebe weiter gute Gründe für die Pipeline. Er betonte aber ebenfalls, dass nichts von vorneherein ausgeschlossen werden könne. Er forderte Russland erneut auf, zur Aufklärung beizutragen.

Etwas konkreter wurde Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). "Es hat Russland in der Hand, ob und wie es mit 'Nord Stream 2' weitergehen kann", sagte er. "Es gibt keine wirtschaftliche Frage, die am Ende wichtiger sein kann als außen- und sicherheitspolitische Interessen Deutschlands und Europas", erklärte Spahn weiter.

Die Pipeline durch die Ostsee, von Lubmin nach Wyborg, soll ab dem kommenden Jahr russisches Gas nach Westeuropa liefern. Derzeit ruhen die Bauarbeiten wegen der US-Sanktionen, und es nicht klar, wann die Arbeiten fortgesetzt werden.

Bis zur Fertigstellung fehlen noch etwa 150 Kilometer der insgesamt rund 1200 Kilometer langen Doppel-Röhre. Kritiker forderten schon vor dem Giftanschlag einen finalen Baustopp, da sie darin eine größere Abhängigkeit von Russland sehen.

Kreml rechnet nicht mit Stopp von "Nord Stream 2"
Stephan Laack, WDR
07.09.2020 16:07 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 07. September 2020 um 16:06 Uhr.

Darstellung: