Friedensnobelpreisträger Dmitry Muratov aus Russland und Maria Ressa von den Philippinen. | AP

Ehrung in Oslo Friedensnobelpreis für Ressa und Muratow

Stand: 10.12.2021 09:39 Uhr

Wegen der Corona-Pandemie werden in diesem Jahr nur zwei Nobelpreise persönlich überreicht - an die Journalisten Muratow und Ressa. Beide werden für ihren Kampf um Meinungsfreiheit ausgezeichnet.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Seit einer knappen Woche leuchtet Stockholm in bunten Farben - eine feierliche Einstimmung auf die Verleihung der Nobelpreise. Die Oper ist rot angestrahlt, auf das Rathaus ist eine Weltkugel projiziert und die Västerbron, eine 300 Meter lange Brücke zwischen zwei Inseln, pulsiert nach Einbruch der Dunkelheit in neongrün.

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

Dies sei eine Hommage an Marie Curie, die erste Frau, die einen Nobelpreis bekommen hat, erklärt die Künstlerin Emma Hjortenklev Wassberg: "Ich wollte Marie Curie ehren, denn seit exakt 100 Jahren dürfen Frauen in Schweden wählen. Da machte es Sinn, die erste Preisträgerin in den Mittelpunkt zu stellen", so Wassberg. "Sie bekam den Preis für die Forschung rund um Radioaktivität. Deshalb wollte ich mit meinem Werk ein radioaktives Gefühl schaffen."

Auszeichnung für Kampf um Meinungsfreiheit

Auch heute noch sind Preisträgerinnen eine Besonderheit - in diesem Jahr werden zwölf Männer geehrt und nur eine Frau: Maria Ressa, eine philippinische Journalistin, teilt sich den Friedensnobelpreis mit ihrem russischen Kollegen Dmitrij Muratow. Sie werden ausgezeichnet für ihr Engagement für Meinungsfreiheit in zwei Ländern, in denen das keine Selbstverständlichkeit ist.

Am Mittag bekommen beide in Oslo Medaille und Urkunde persönlich überreicht. "Vielen Dank, dass wir im Rampenlicht stehen dürfen. Es ist toll, hier zu sein. Danke an die philippinische Regierung, dass ich reisen durfte", sagte Ressa am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Oslo.

"Aber es gibt nicht nur gute Nachrichten: Unser Energieminister hat eine Beschwerde gegen sieben Medienorganisationen ausgesprochen, darunter gegen mich und mein Internetportal. Es droht wieder ein neuer Gerichtsprozess." Ressa ist Chefredakteurin des Online-Nachrichtenportals Rappler, sie gilt als scharfe Kritikerin des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte.

Ressa und Muratow erhalten Preis persönlich

Ressa und Muratow sind die einzigen, die ihre Auszeichnungen persönlich am Nobeltag in Empfang nehmen werden - und das coronabedingt auch nur vor kleinerem Publikum als normal: Statt der 1000 Gäste dürfen nur 200 bei der Verleihung in Oslo dabei sein. Bekanntgegeben worden waren die diesjährigen Nobelpreisträger wie üblich bereits im Oktober.

In Stockholm ist seit Monaten bekannt, dass es zum zweiten Mal keine große Gala geben wird. Stattdessen wurden die Preise für Physik, Medizin, Chemie, Literatur und Wirtschaftswissenschaften bereits an die Ausgezeichneten verteilt - jeweils in den Heimatländern. Die beiden Deutschen, der Hamburger Klimaforscher Klaus Hasselmann und der Mühlheimer Chemiker Benjamin List, reisten dafür nach Berlin in die schwedische Botschaft.

Forscher List: "Ein besonderes Ereignis"

Was sie in Stockholm verpassen, weiß List genau, denn vor gut 25 Jahren hat seine Tante, Christiane Nüsslein-Volhard, bereits den Nobelpreis für Medizin bekommen. "Ich war der einzige Naturwissenschaftler in dieser Generation, also von den Neffen. Und dann hat sie mich netterweise mitgenommen, das war toll. Ich bin sehr dankbar, gerade jetzt", sagt List. "Letztes Jahr habe ich gedacht: 'Die armen Nobelpreisträger, dass sie nicht nach Stockholm dürfen', weil ich weiß, wie unglaublich schön das ist und was für ein besonderes Ereignis."

Sollte die Pandemie im kommenden Jahr nicht wieder die große Gala verhindern, dann dürfen List und Hasselmann nach Stockholm kommen - für ihren persönlichen, großen Nobel-Moment. 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. Dezember 2021 um 06:12 Uhr.