Das Satellitenbild zeigt den Großen Renaissance-Staudamm in Äthiopien. | Bildquelle: dpa

Umstrittenes Projekt Äthiopien füllt Stausee am Nil

Stand: 22.07.2020 18:27 Uhr

Trotz internationaler Kritik hat Äthiopien im Streit um die Wasserversorgung in der Region Fakten geschaffen und den Stausee am Blauen Nil geflutet. Trotzdem soll weiter verhandelt werden.

Im Streit um den künftig größten Staudamm Afrikas prescht Äthiopien vor. "Wir haben das erste Auffüllen des Damms erfolgreich abgeschlossen, ohne andere zu stören oder zu verletzen", teilte Regierungschef Abiy Ahmed mit.

Der Stausee sei mit 4,9 Milliarden Kubikmeter Wasser gefüllt worden, ohne den Wasserfluss stromabwärts zu unterbrechen, twitterte Wasserminister Seleshi Bekele. Das war nach äthiopischen Angaben durch die Regenfälle der vergangenen Wochen möglich. Nun müsse man den Bau fertigstellen und die übrigen diplomatischen Themen klären, sagte Abiy.

Der Große Renaissance-Staudamm wird in Äthiopien auf dem Blauen Nil erbaut und sorgt seit Jahren für Streit zwischen Äthiopien, Ägypten und dem Sudan. Die Regierung in Addis Abeba will mit der 4,6 Milliarden Dollar teuren Talsperre den für die wirtschaftliche Entwicklung benötigten Strom erzeugen. Ägypten, das mehr als 90 Prozent seines Wasserbedarfs aus dem Fluss deckt, befürchtet aber, dass künftig zu wenig Wasser den Nil herabfließen wird. Die Staaten ringen um ein Abkommen, wie der Stausee zu füllen und der Staudamm zu betreiben ist. Ägypten wollte eigentlich vor dem ersten Füllen eine Einigung erzielen.

Das Foto zeigt die Baustelle am Großen Renaissance-Staudamm im Dezember 2019. | Bildquelle: AFP
galerie

Am Renaissance-Staudamm wird in Äthiopien seit neun Jahren gebaut.

Verhandlungen sollen weitergehen

Die Staats- und Regierungschefs der drei Staaten trafen sich am Dienstag in einer Video-Konferenz unter Aufsicht der Afrikanischen Union. Dabei hätten die Länder eine "wichtige gemeinsame Verständigung erzielt, die den Weg für eine bahnbrechende Einigung ebnet", teilte das Büro von Abiy am Dienstagabend mit. Man werde weitere technische Diskussionen führen.

Karte: Anrainerstaaten des Nil
galerie

Der Nil durchzieht auf 6000 Kilometer Länge zehn Länder. Aus ihm speist sich fast die ganze Wasser- und Stromversorgung.

Das ägyptische Präsidialamt bestätigte nach dem Treffen eine Einigung auf weitere Verhandlungen. Man werde sich nun auf eine verbindliche rechtliche Vereinbarung für das Füllen des Stausees und das Betreiben des Staudamms konzentrieren. Danach werde auf eine umfassende Einigung hingearbeitet, die alle Aspekte einer Kooperation zum Umgang mit dem Nilwasser beinhaltet.

Über dieses Thema berichtete SWR2 Hörfunk am 21. Juli 2020 um 16:05 Uhr.

Darstellung: