Ein Mann gibt in einem Wahllokal in Kazaure seine Stimme ab. | Bildquelle: REUTERS

Wahlen in Nigeria Richtungsweisend für ganz Afrika

Stand: 24.02.2019 00:48 Uhr

Mit einer Woche Verspätung haben die Nigerianer ihren Präsidenten gewählt. Erwartet wird ein knappes Rennen zwischen Amtsinhaber Buhari und seinem Herausforderer Abubakar. Die Wähler haben hohe Erwartungen an den Sieger.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Rabat

Vor einer Woche wurde Nigerias Präsidentenwahl mitten in der Nacht kurzfristig und überraschend verschoben. Der Grund: Logistikprobleme. Die Stimmzettel seien noch nicht überall im Land verteilt, wie die Wahlkommission im Land über Twitter mitteilte.

Für viele nigerianische Wähler kam die Nachricht zu spät und sorgte für Frustration. "Jeder war bereit, morgens zu wählen", berichtet eine Passantin. "Aber zu unserer großen Überraschung sagten sie uns, die Wahl ist verschoben. Das ist sehr enttäuschend." Ein anderer vermutet in der Verschiebung gar vorbereiteten Wahlbetrug. "Die Bevölkerung wird das niemals akzeptieren", sagt er.

Muhammadu Buhari | Bildquelle: AP
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Präsident Muhammadu Buhari bewirbt sich um eine zweite Amtszeit.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Auch die beiden großen Volksparteien von Amtsinhaber Muhammadu Buhari und seinem Herausforderer Atiku Abubakar zeigten sich verärgert über die Wahlverschiebung und gaben sich gegenseitig die Schuld daran. Buhari ließ wenig später verlauten, Polizei und Militär würden Wahlrandalierern keine Gnade zeigen. Die Opposition kritisierte Buharis Aussagen scharf als Provokation.

Seit Wochen kursieren Berichte über Probleme bei der Auslieferung von Wahlunterlagen und Stimmzetteln. Einige Wahllokale wurden angezündet.

Alte Kandidaten in einem jungen Land

Den 84 Millionen wahlberechtigten Nigerianern stellten sich mehr als 70 Kandidaten zur Wahl. Die aussichtsreichsten - Buhari und Abubakar - sind beide alte Männer über 70. Sie kandidieren in einem Land, dessen Bevölkerung jung ist, mehr als zwei Drittel sogar jünger als 25.

Eine von ihnen, die 19-jährige Shadite aus der Hauptstadt Abuja. Sie erwartet von der Regierung, "dass sie ihr Bestes tut. Ich sehe, sie versucht es, aber ich erwarte, dass sie mehr tut." In Nigeria gebe es viele Menschen, die wirklich Hilfe bräuchten. "Zum Beispiel viele Studenten: Viele können ihre Studiengebühren nicht zahlen. Ich möchte, dass die Regierung uns hilft."

Eine Frau gibt in einem Wahllokal in Port Harcourt ihre Stimme ab | Bildquelle: AFP
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Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre.

Wirtschaftskrise und schwierige Sicherheitslage

Der 35-jährige Muhammed macht sich Sorgen um die Entwicklung und die Sicherheit in seiner Heimat. "Seit 16 Jahren müssen meine Leute unter schwierigsten Bedingungen leben", sagt er. "Es gibt keine Entwicklung. In ländlichen Gegenden gibt es zum Beispiel keine Busverbindungen mehr - einfach, weil die Leute Angst vor Entführungen haben. Die Straßen wurden dort komplett vernachlässigt. Ich will Druck auf die Regierung ausüben, damit sie uns endlich hilft und die Straßen repariert."

Bildung, Sicherheit und Arbeitsplätze sind die Themen, die nicht nur die jungen Nigerianer bewegen. Viele hoffen auf Fortschritt. 

Nigeria steckt immer noch in der Krise. Die wirtschaftliche Lage ist mies, die Sicherheitslage ebenfalls: Die Terrormiliz Boko Haram sowie mörderische Kämpfe zwischen Nomaden und ansässigen Bauern sorgen für große Unsicherheit. Hinzu kommt: Die Bevölkerung hat sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt - auf diesen Bevölkerungsboom ist der Arbeitsmarkt nicht vorbereitet.

Atiku Abubakar | Bildquelle: dpa
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Abubakar versprach, 50 Millionen Menschen aus der Armut zu holen.

"Hat die Regierung geliefert?"

Das Bildungssystem ist schlecht, viele Menschen sind arm. Etwa die Hälfte lebt von weniger als zwei US-Dollar am Tag. Alles Faktoren, an denen sich die jetzige Regierung messen lassen muss, sagt der Analyst Abubakar Umar Kari von der Universität Abuja. "Hat die Regierung geliefert oder nicht? Das ist auch eine wichtige Frage bei diesen Wahlen", erklärt er.

"Die Regierung sagt, sie hat ihre Versprechen gehalten. Viele bezweifeln das. Es gibt einige, die fragen: Was hat diese Regierung überhaupt erreicht? Und es gibt welche, die sogar sagen, die Zustände im Land haben sich unter dieser Regierung verschlechtert."

Ein Kompass für die gesamte Region

Die letzte Wahl vor vier Jahren galt als historisch. Historisch deshalb, weil zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit des Landes ein Oppositionspolitiker auf demokratische Weise einen Machtwechsel herbeiführen konnte. Die Nigerianer kennen nämlich auch Zeiten, in denen es bei Wahlen mehrere 100 Tote gab. 

"Die Wahlen sind ein Test für die nigerianische Demokratie", sagt Kari. Und nicht nur das. Die Wahl in Nigeria sei ein Kompass für die gesamte Region. "Die Wahl ist auch deshalb wichtig, weil Nigeria das bevölkerungsreichste Land und die größte Volkswirtschaft Afrikas ist. Was auch immer in Nigeria passiert, hat schwerwiegende Folgen. Nicht nur für Westafrika, sondern für den gesamten schwarzen Kontinent."

Die Sorge vor Unruhen und Gewalt nach der Wahl ist groß - besonders, wenn das Ergebnis knapp ausfallen sollte. Deswegen betonen viele Nigerianer: "Was wir erwarten, sind freie, faire und glaubhafte Wahlen."

Präsidentschaftswahlen in Nigeria - was denken die Wähler
Dunja Sadaqi, ARD Rabat
23.02.2019 14:11 Uhr

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