Zerstörtes Geschäft in Eindhoven | AFP

Pandemie in den Niederlanden Randale und Proteste zur Sperrstunde

Stand: 25.01.2021 06:59 Uhr

Demolierte Polizeiautos und Plünderungen: In den Niederlanden gab es bei Protesten gegen die nächtliche Corona-Ausgangssperre erneut gewaltsame Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei.

In den Niederlanden hat die nächtliche Corona-Ausgangssperre in mehreren Städten in der zweiten Nacht in Folge zu Krawallen geführt. In rund zehn Städten gab es Ausschreitungen. Mehr als 130 Menschen wurden nach Angaben der Behörden und niederländischer Medien festgenommen. 

Auf einem Platz im Zentrum von Amsterdam setzte die Polizei nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders NOS Hunde und einen Wasserwerfer ein, um eine Protestversammlung von etwa 1500 Menschen aufzulösen. Mindestens 100 Menschen wurden in der Stadt festgenommen, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Nach Angaben des Lokalsenders AT5 riegelten Polizeikräfte die Residenz von Bürgermeisterin Femke Halsema ab.

Fahrzeuge in Brand gesteckt

In Eindhoven trieb die Polizei Hunderte Demonstranten mit Tränengas auseinander, wie der Regionalsender Omroep Brabant berichtete. Mehrere Fahrzeuge seien dort in Brand gesteckt und Geschäfte am Hauptbahnhof geplündert worden. Mindestens 30 Menschen wurden nach Angaben der Polizei in der Stadt festgenommen. 

Der Bürgermeister von Eindhoven, John Jorritsma, äußerte sich in drastischen Worten über die Eskalation der Proteste. Wenn die Lage sich weiter derart entwickle, "bewegen wir uns auf einen Bürgerkrieg zu", sagte er vor Journalisten.

Zu Ausschreitungen kam es auch in Apeldoorn, Arnheim, Breda, Den Haag, Enschede, Roermond, Tilburg und Venlo.

Proteste bereits am Samstagabend

Bereits am Samstagabend hatte es in mehreren Orten Proteste und Auseinandersetzungen gegeben. In der Gemeinde Urk nord-östlich von Amsterdam hatten Dutzende Menschen gegen die Sperrstunde protestiert. Sie warfen Steine und Feuerwerkskörper und demolierten Polizeiautos.

Jugendliche steckten nach Polizeiangaben ein Corona-Testzentrum des Gesundheitsamtes in Brand. Polizei und Kommunalverwaltung in Urk zeigten sich empört über die Ausschreitungen. Das Anzünden der Teststation sei ein Schlag ins Gesicht der lokalen Gesundheitsbehörden, die alles in ihrer Kraft stehende täten, um den Menschen zu helfen, erklärten sie.

Zerstörte Corona-Teststation in Urk | AFP

Zerstörte Corona-Teststation in Urk Bild: AFP

3600 Ordnungsstrafen

Auch in der Gemeinde Stein im Süden des Landes gab es Zusammenstöße mit der Polizei, als die Beamten eine illegale Party mit etwa 100 Besuchern beenden wollten. Landesweit verhängte die Polizei mehr als 3600 Ordnungsstrafen wegen Verstößen gegen die Ausgangssperre.

Am Samstagabend war erstmals eine Sperrstunde in Kraft getreten. Bisher blieben die Niederländer in der Pandemie von dieser Maßnahme verschont. Nun dürfen die Bürger von 21 Uhr bis 4.30 Uhr die Wohnungen nicht mehr verlassen.

Verstöße gegen die Sperrstunde werden mit einer Geldbuße von 95 Euro bestraft. Ausnahmen gelten für Personen, die beruflich unterwegs sein müssen, sowie Menschen, die andere pflegen oder Reisende. Auch Gassigehen mit dem Hund ist erlaubt. Die Ausgangssperre gilt vorerst bis zum 9. Februar.

Bisher 13.500 Corona-Tote

Die Regierung will mit diesem Eingriff die Verbreitung des Virus bremsen. Große Sorgen machen sich die Behörden vor allem über die Virus-Mutationen. Daher gilt auch ein Verbot für Passagierflüge aus Großbritannien, Südafrika und Südamerika. 

Seit Mitte Dezember gilt ein Lockdown. Schulen, Geschäfte und Gaststätten sind geschlossen, Privatkontakte auf eine Person außerhalb des eigenen Haushaltes beschränkt. In dem Land mit rund 17 Millionen Einwohnern sind bislang rund 13.500 Tote in Verbindung mit Covid-19 registriert worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Januar 2021 um 20:00 Uhr.