Bewaffnete Polizisten patrouillieren vor der Port Authority-Station in New York. | REUTERS

Anschlagsversuch in New York Ein nicht wahr gewordener Albtraum

Stand: 11.12.2017 18:36 Uhr

Nach dem Schock in den Morgenstunden macht sich in New York Erleichterung breit: Ein mutmaßlicher Anschlagsversuch nahe dem berühmten Times Square ging relativ glimpflich aus. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen, über seine Motive wird spekuliert.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Bombenexperten rücken aus, Sirenen heulen, Straßensperrungen und U-Bahn-Umleitungen werden eingerichtet: Es ist ein Trauma, das New York nun zum bereits zweiten Mal binnen kurzer Zeit erlebt. Die ersten Berichte am Morgen seien zweifellos sehr beängstigend gewesen, verstörend geradezu, sagt New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo.

Kai Clement

Gegen 7.20 Uhr Ortszeit zündet der Täter einen offenbar recht primitiven Sprengsatz an seinem Körper - ausgerechnet in der Enge eines unterirdischen Tunnels zwischen zwei U-Bahn-Stationen: dem bei Touristen so beliebten Times Square und der Port Authority. Der Busbahnhof ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Metropole

Mutmaßlicher Täter festgenommen

"Wenn man von einer Bombe in der U-Bahn hört, dann ist das einer der schlimmsten Alpträume. Die Wirklichkeit hat sich zum Glück besser dargestellt als unsere ersten Ängste", sagt Cuomo. Keine zwei Stunden ist die Explosion zu diesem Zeitpunkt her, da versammeln sich Cuomo, der Polizeichef und der Bürgermeister New Yorks zu einer Pressekonferenz draußen vor der Port Authority, diesem riesigen Busbahnhof im Herzen von Manhattan.

Der mutmaßliche Täter sei 27 Jahre alt, sein Name bekannt. Er sei festgenommen worden, teilt Polizeichef James O'Neill mit.

Der Gouverneur von New York, Cuomo, spricht nach dem versuchten Anschlag nahe des Times Squares, neben ihm Bürgermeister de Blasio. | REUTERS

Der Gouverneur von New York, Cuomo (links), spricht nach dem versuchten Anschlag nahe des Times Squares, neben ihm Bürgermeister de Blasio. Bild: REUTERS

Der Verdächtige selbst ist offenbar am schwersten verletzt: Ein Foto zeigt ihn am Boden, mit aufgerissener, rußgeschwärzter Kleidung. Darüber hinaus gebe es drei Leichtverletzte, so die Feuerwehr.

"Ein versuchter Terroranschlag"

Bürgermeister Bill de Blasio zeigt sich aufgewühlt und erleichtert zugleich: "Lassen Sie mich klar sein: Dies war ein versuchter Terroranschlag. Gott sei Dank hat der Täter seine Ziele letztlich nicht erreicht."

Die Polizei schließt den Busbahnhof zwar vorübergehend, scheint die Lage aber doch so weit unter Kontrolle zu haben, dass sie ihn rund zwei Stunden später schon wieder öffnet.

Anschlagsversuch im Namen des IS?

Der ehemalige Polizeichef der Stadt, Bill Bratton, hatte bereits kurz nach der Tat spekuliert, wer der Täter sein könnte: "Die vorläufigen Informationen aus Polizeiquellen, die ich habe, - und das betone ich: vorläufige Informationen - besagen: Es ist ein Mann, Mitte 20, womöglich aus Bangladesch, der seit sieben Jahren im Land ist und der die Waffen angeblich im Namen der Terrormiliz IS gezündet hat." Hinweise, die die Behörden bislang noch nicht im Detail bestätigt haben.

Tatsache sei es nun einmal, heißt es von Gouverneur Cuomo weiter, die Stadt der Freiheitsstatue sei für viele ein Angriffsziel. Erst im Oktober war ein Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" mit einem Auto einen Radweg entlang gefahren und hatte dabei acht Menschen getötet.

New York - "ein Leuchtturm für die Welt"

Bürgermeister de Blasio erklärt: Es gebe keine weiteren Drohungen gegen die Stadt derzeit. Man müsse jetzt die Untersuchungen abwarten, aber es habe sich doch offenbar um einen Einzeltäter gehandelt. Und er spricht den New Yorkern Mut zu: "Wir sind ein Leuchtturm für die Welt. Wir zeigen, dass eine Gesellschaft mit vielen Religionen funktionieren kann. Und wir zeigen, dass Demokratie funktioniert. Unsere Feinde wollen das unterminieren, Terroristen wollen das unterminieren."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Dezember 2017 um 17:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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fathaland slim 11.12.2017 • 23:26 Uhr

23:07, Paddy B. @21:21 von El Chilango

>>Wenn Sie sagen, dass man ihn wegsperren oder abschieben hätte müssen, weil er Muslim war, dann muss ich Ihnen aufs Schärfste widersprechen, denn mir liegt unser Rechtsstaat am Herzen und dazu gehört die Unschuldsvermutung. Wenn Sie aber sagen, dass man ihn wegsperren oder abschieben hätte müssen, weil er kein Aufenthaltsrecht hatte, mehrfach vorbestraft war, Betrug begangen hat und auch noch Geheimdienstwarnungen gegen ihn vorlagen, dann wird ein Schuh daraus und ich bin bei Ihnen.<< Da bin ich ebenfalls völlig bei Ihnen.