Sandra Bullock in Bird Box | Bildquelle: AP

Hype wegen Horrorfilms Netflix warnt vor "Bird-Box-Challenge"

Stand: 03.01.2019 11:21 Uhr

In den sozialen Medien werden derzeit Tausende Videos gepostet, auf denen Menschen mit verbundenen Augen zu sehen sind. Sie ahmen den Horrorfilm "Bird Box" nach, der derzeit auf Netflix läuft. Das Portal warnt.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles, zzt. Silicon Valley

Es ist eine düstere Geschichte, die bei Netflix läuft: Mallorie und ihre zwei Kinder wollen den vielleicht letzten sicheren Zufluchtsort auf der Welt erreichen und müssen dabei eine gefährliche Reise in einem Boot auf einem Fluss unternehmen. Wer überleben will, muss eine Augenbinde tragen, ansonsten droht der Tod. Die Menschen bringen sich selbst um. Die Hauptrolle der Mutter spielt Sandra Bullock, die anfangs ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihren beiden Kindern hat.

Der Film ist eine Metapher für die Mutter-Kinder-Beziehung. Und der Film steht dafür, dass wir uns immer weniger gegenseitig anschauen. Die dänische Regisseurin Susanne Bier, die 2011 einen Oscar gewann, führte bei dem Film Regie. Produziert wurde der zweistündige Streifen vom kalifornischen Streaming Portal Netflix.

Massenphänomen Video-Posts

Mittlerweile soll der Film von mehr als 45 Millionen Netflix-Nutzerkonten weltweit abgerufen worden sein. Allerdings gibt es einen Effekt, mit dem das Unternehmen aus dem Silicon Valley wohl selbst nicht gerechnet hat: Unter dem Hashtag "BirdBoxChallenge - BirdBox Herausforderung" spielen viele Menschen den Film nach.

Aus diesem Grund hat der Dienst jetzt eine Warnung in den sozialen Medien veröffentlicht.  Darin heißt es: "Wir möchten das eigentlich nicht öffentlich sagen: Bitte verletzt Euch nicht bei Euren Bird-Box-Challenges. Wir wissen zwar nicht, wie das Ganze begonnen hat, wir sind aber der Meinung, dass Ihr wegen des Films nicht im Krankenhaus landen solltet."

Stoppen kann Netflix das Massenphänomen offenbar nicht. Tausende Videos und Fotos werden derzeit bei bei Instagram, Facebook und Twitter gepostet. Zum Beispiel: Ein Vater hat sich und seinen zwei kleinen Kindern Augenbinden verpasst. Im Original läuft ausgerechnet das vielleicht dreijährige Kind gegen eine Wand - gefilmt anscheinend von der Mutter. Bei Instagram zeigt ein Vater, wie sein Sohn im Haus mit verbundenen Augen auf dem Dreirrad fährt.

Ablenkungsmanöver vom Zensurskandal?

Für Netflix kommt der Erfolg des Horrorfilms genau zum richtigen Zeitpunkt. Einige Medien meinen sogar: weil er von einem Skandal ablenkt. In den vergangenen zwei Tagen musste Netflix viel Kritik einstecken, weil es sich den Zensurbedingungen Saudi-Arabiens gebeugt und eine Folge des Stand-Up Comedians Hasan Minhaj in dem Königreich gesperrt hat.

Der Comedian Minhaj hatte in seiner wöchentlichen Sendung "Patriot Act" den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman als Drahtzieher der Ermordung des kritischen Journalisten Jamal Kashoggi bezeichnet.

Julia Alexander vom Tech-Dienst "The Verge"stellt aber auch fest: Es ist das erste Mal, dass die Streaming Plattform Abrufzahlen einer Produktion veröffentlicht. Außerdem meint sie, die Idee des Film eigne sich durch seine Geschichte besonders gut dazu, auch viral weiterverbreitet zu werden.

Wenn man einen Screenshot von dem Film macht, und den dann auf Twitter oder anderen sozialen Medien mit dem entsprechenden Hashtag weiterverbreitet, bekommt man Aufmerksamkeit. Dadurch werden wieder andere Leute aufmerksam und schauen sich den Film an.

#BirdBoxChallenge - Netflix warnt Nutzer vor Nachahmung
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
03.01.2019 10:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Januar 2019 um 07:16 Uhr.

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