Blick ein Krankenhaus in Omsk | Bildquelle: AP

Nawalny im Koma Ärzte sprechen von Stoffwechselstörung

Stand: 21.08.2020 16:54 Uhr

Vergiftet worden sei Nawalny nicht, hatten seine Ärzte schon erklärt - nun sprechen sie von einer Stoffwechselstörung. Deutsche Mediziner vor Ort halten den Kreml-Kritiker nach Angaben von Aktivisten aber für transportfähig.

Die behandelnden Ärzte des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny in der sibirischen Stadt Omsk haben nach eigenen Angaben bei dem Putin-Kritiker eine Stoffwechselstörung diagnostiziert. Das sagte Chefarzt Alexander Murachowski der russischen Agentur Interfax zufolge.

Nawalnys persönliche Ärztin Anastassija Wassiljewa erklärte, ein niedriger Blutzucker und eine Stoffwechselstörung seien keine Diagnose, sondern eine Zustandsbeschreibung. Nawalnys Blutzucker sei im normalen Bereich gewesen: "Sie verkaufen uns wieder einmal für Idioten: sagen kluge allgemeine Worte, aber können nicht den Grund für das Koma und eine Diagnose erstellen."

Kreml-Kritiker Nawalny kämpft um sein Leben
tagesschau 17:00 Uhr, 21.08.2020, Ina Ruck, ARD Moskau

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Angeblich kein Gift entdeckt

Die Krankenhausärzte hatten zuvor erklärt, sie hätten kein Gift im Körper des 44-Jährigen entdeckt. Der Chefarzt sagte weiter, die Ärzte hätten einen chemischen Stoff an der Kleidung und der Haut Nawalnys gefunden. Das sei aber ein üblicher Stoff, der auch bei der Produktion von Plastikbechern eingesetzt werde.

Nawalnys Team hatte zuvor mitgeteilt, in dessen Organismus sei ein vermutlich tödliches Mittel nachgewiesen worden. Das hätten Ermittler den Ärzten mitgeteilt. Das Gift sei nicht nur gefährlich für Nawalny, sondern auch für die Umgebung, weshalb das Tragen von Schutzanzügen angeordnet worden sei. Wegen der laufenden Ermittlungen sei nicht erklärt worden, um welchen Stoff es sich handele.

Nawalny liegt seit Donnerstag im Krankenhaus im Koma und wird künstlich beamtet. Sein Team vermutet, dass er vergiftet wurde und fordert einen raschen Transport nach Deutschland. Seine Frau Julia schrieb dazu einen Brief an Kremlchef Wladimir Putin.

Auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, Norbert Röttgen, sieht Verdachtsmomente für einen möglichen Anschlag. Im Interview mit tagesschau24 sagte er, dass man zwar nichts Sicheres über die Ursache für Nawalnys Zustand wisse. Die offizielle Version der Ärzte klinge aber "sehr komisch". Es gebe eine "traurige Serie von Mordanschlägen, Vergiftungen und Ermordungen von Oppositionellen und Überläufern". Dieses Muster treffe äußerlich auch auf diesen Fall zu. "Wir wissen es nicht, ich weiß es nicht, aber es sieht stark danach aus. Und darum ist der Verdacht stark, dass es wieder ein solcher Fall ist."

Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, zum Fall Nawalny
tagesschau24 15:00 Uhr, 21.08.2020

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Deutsche Ärzte bei Nawalny

Nach Angaben von Nawalnys Stabschef Leonid Wolkow durften deutsche Ärzte Nawalny inzwischen besuchen. Die Entwicklung sei eine gute Nachricht. "Wir sind endlich ein wenig optimistisch", sagte Wolkow. Zuvor sei den Ärzten der Zugang noch verwehrt worden. Es werde nun weiter gefordert, dass Nawalny für eine Untersuchung nach Deutschland gebracht werde.

Die deutschen Mediziner waren am Morgen mit einem Flieger in Omsk gelandet, um Nawalny zur Behandlung in der Berliner Charité auszufliegen. Allerdings lehnten die russischen Ärzte den Transport ab, weil der Zustand des 44-Jährigen instabil sei.

Dagegen erklärte die Initiative "Cinema for Peace", die deutschen Ärzte hielten Nawalny für transportfähig. Die Initiative hatte den Rettungsflug organisiert. Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch kritisierte, die Entscheidung der russischen Mediziner sei eine Bedrohung für Nawalnys Leben. Ärzte und betrügerische Behörden würden so den Versuch verhindern, ihn zu retten.

Laut ARD-Korrespondent Demian von Osten befürchten Nawalnys Unterstützer, dass weitere Verzögerungen dafür sorgen könnten, dass ein Gift nicht mehr nachweisbar sei. Deswegen drängten sie auf einen möglichst schnellen Transport.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. August 2020 um 12:00 Uhr.

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