"Die Lunge der Welt": Der Schutz des Regenwaldes in Brasilien ist für Minister Müller gleichbedeutend mit Klimaschutz. | Bildquelle: AFP

Müller in Brasilien Nicht viel, aber mehr als nichts

Stand: 10.07.2019 12:44 Uhr

Entwicklungsminister Müller sagt: Zerstören wir den Regenwald, zerstören wir das Klima. Doch wie sieht das Brasilien? Das Fazit nach einem Treffen mit dem neuen Umweltminister des Landes fällt zurückhaltend aus.

Von Nina Barth, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. in Brasilia

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller reist derzeit durch Brasilien. Im Fokus des CSU-Politikers steht dabei der Schutz des Regenwaldes. Denn für Müller ist Klimaschutz untrennbar damit verbunden. Doch nach der Wahl des neuen brasilianischen Präsidenten ist nicht klar, wohin Brasilien in Sachen Schutz des Regenwaldes steuern wird.

Mehr als Smalltalk

Mit Spannung wurde deshalb das Treffen zwischen Müller und dem neuen brasilianischen Umweltminister, Ricardo Salles, in Brasilia erwartet. Denn der gilt als enger Verbündeter von Präsident Jair Bolsonaro. Zwanzig Minuten muss sich Müller gedulden, dann kommt Salles etwas abgehetzt in den Raum. Freundliches Händeschütteln, Smalltalk zum Auftakt.

Dann gehen die Türen zu, es geht ans Eingemachte: Klima- und Regenwaldschutz. Der Entwicklungsminister will wissen, wie sich Brasilien mit seiner neuen Regierung positioniert. Nach zwei Stunden treten die beiden Minister gemeinsam vor die Mikrofone. Brasilianische Pressevertreter sind gekommen, sie sind interessiert am deutschen Minister und seiner Mission "Regenwaldschutz".

Diplomatische Worte auf beiden Seiten

Eine "interessante Begegnung und Diskussion" sei es gewesen, konstatiert Müller diplomatisch: "Es ist das erste Mal, dass ich Herrn Minister hier treffe. Wir haben eine über 60-jährige Zusammenarbeit mit Brasilien." Und die wolle man erfolgreich in Zukunft fortsetzen.

Auch Salles betont, es sei ein "gutes Treffen" gewesen: "Wir haben sehr viele gemeinsame Themen. Wir haben ja auch schon über Jahrzehnte eine Partnerschaft, die über den Amazonas hinausgeht." Man sei sich einig, dass die illegalen Praktiken zur Abholzung des Regenwaldes bekämpft werden müssten.

Entwicklungsminister Müller, CSU, am 07.05.2019. | Bildquelle: dpa
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Kämpft in Brasilien für den Schutz des Regenwaldes: Entwicklungsminister Müller (Archiv).

Nicht viel, aber besser als nichts

Das ist besser als nichts, aber viel ist es auch nicht. Später sagt Müller: "Ach, die Atmosphäre war gut. Der neue Minister muss sich natürlich auch profilieren, das ist vollkommen klar. Und da hat er sich das Amazonas-Thema herausgesucht." Den Regenwald also, über den Müller sagt: Zerstören wir ihn, zerstören wir das Klima.

Zentral für den Entwicklungsminister sind klare Regeln zu Arbeits- und Umwelt-Standards beim geplanten EU-Mercosur-Freihandelsabkommen und dass der Amazonas-Fonds zur Rettung des Amazonas-Regenwaldes fortgeführt wird. Den Löwenanteil zahlt dabei Norwegen, aber auch Deutschland ist mit 80 Millionen dabei.

Im Moment sind die Projekte gestoppt: "Wir diskutieren über die Frage, wie wir den Amazonas-Fonds weiterführen'", erläutert Müller. "Die brasilianische Regierung möchte hier Anpassungen vornehmen. Anpassungen auch bei den Projekten und in der Frage der Umsetzung."

Immerhin: Brasilien steht zu Paris

Keine Einigung, aber zumindest hat der brasilianische Umweltminister zugesagt, einen Bericht anfertigen zu lassen mit konkreten Vorschlägen, wie man den Fonds - aus seiner Sicht - effektiver gestalten kann. Mehr war nicht drin, mehr hatte Müller aber wohl auch nicht erwartet.

Eine Zusicherung aber hat er von Umweltminister Salles bekommen: "Er hat ein klares Bekenntnis zum Paris-Abkommen abgegeben. Das war nicht ganz so sicher. Das ist schon zentral wichtig."

Denn der Entwicklungsminister betont immer wieder: Das Klima lässt sich nicht allein in Deutschland retten. Klimaschutz entscheide sich in China, Afrika - und in Brasilien. Und deshalb - das sagte Müller bereits vor dem Treffen - sei es zentral wichtig, mit der neuen brasilianischen Regierung Gespräche zu führen. Der Auftakt zumindest ist gemacht.

Treffen zwischen Entwicklungsminister Müller und Umweltminister Brasiliens in Brasilia
Nina Barth, ARD Berlin
10.07.2019 12:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Juli 2019 um 08:38 Uhr.

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Nina Barth, SWR

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