Demonstration in Moskau | Bildquelle: AP

Demonstration in Moskau Sie sind es leid, sich ständig zu fürchten

Stand: 28.07.2019 10:46 Uhr

Sie wollen die Wahl haben - und zwar frei und fair. Dieser Wunsch hat gestern die Menschen geeint, die in Moskau auf die Straße gegangen sind. Trotz des harten Vorgehens der Polizei wollen sie weiter demonstrieren.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Bis in den Abend hinein zogen Demonstranten in größeren und kleineren Gruppen durch die Moskauer Innenstadt. Einige Hundert kamen zum Trubnaja Platz, wo einige der kurz zuvor freigelassenen Oppositionsführer auftreten wollten.

Immer wieder kam es zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Auf beiden Seiten gab es Verletzte. Die Zahl der Festnahmen stieg noch einmal sprunghaft an - mehr als 1300 zählte das Bürgerrechtsportal OWD-Info am Ende.

Russische Polizei greift hart gegen Demonstranten in Moskau durch
tagesschau 20:00 Uhr, 28.07.2019, Demian von Osten, ARD Moskau

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Trotz Warnungen kamen mehrere Tausend

Die Behörden hatten im Vorfeld eindringlich vor einer Teilnahme an der nicht genehmigten Demonstration gewarnt. Sie hatten angekündigt, hart durchzugreifen. Und trotzdem kamen mehrere Tausend.

"Ich habe keine Angst. Ich bin es leid, mich ständig zu fürchten. Ich bin alles leid. Dass die, die an der Macht sind, das Volk verspotten, es erniedrigen und beleidigen", sagt eine Demonstrantin.

Rentnerinnen, Seite an Seite mit Familienvätern und Studenten. Sie alle eint eines: Sie wollen ernst genommen werden. Sie wollen die Wahl haben:

"Ich kämpfe für meine Rechte, weil in unserem Land weder die Freiheit zu wählen existiert, für die wir heute kämpfen, noch die Meinungsfreiheit."

Diese Protestteilnehmerin hat Unterschriften für einen der Kandidaten gesammelt, die nicht zur Wahl des Moskauer Stadtparlaments zugelassen wurden. In ihrem Bezirk war es der Oppositionelle Dmitri Gudkow.

"Die Authentizität seiner Stimmen kann ich zu hundert Prozent bestätigen, denn ich habe in meinem Haus geholfen, sie von unseren Nachbarn einzusammeln. Allein vor meinen Augen wurden ganz viele gesammelt."

"Vor was haben sie Angst?"

Insgesamt 58 unabhängigen Oppositionellen hat die Wahlkommission die Registrierung verweigert - offiziell aufgrund schwerer Formfehler. Unter anderem wurde die Echtheit der vorgelegten Unterstützer-Unterschriften in Zweifel gezogen. Aus Sicht der Opposition und ihrer Anhänger eine Farce.

Vor was, fragen sich viele von ihnen, haben die, die das Sagen haben, eigentlich Angst? Wäre der Einzug einiger weniger Unabhängiger ins Parlament wirklich so tragisch, dass er Manipulationen und massive Polizeieinsätze rechtfertigt?

"Die, die hier auf die Straße gehen sind einfach dagegen, dass aus einer Wahlkampagne eine Geheimoperation wird", sagt eine Frau.

Großaufgebot der Polizei in Moskau | Bildquelle: AFP
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Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort

Im August soll wieder demonstriert werden

Nächtliche Hausdurchsuchungen, Vorladungen und Haftstrafen für führende Oppositionelle fachen die Wut derer, die mit der Politik unzufrieden sind, weiter an. Weshalb sie trotz des Drucks der Behörden weiter auf die Straße gehen wollen.

Das machte auch die nicht zur Wahl zugelassene Oppositionelle Ljubow Sobol klar, bevor sie erneut - zum zweiten Mal an diesem Tag - festgenommen wurde:

"Hört auf mit Eurem gesetzwidrigen Vorgehen! Wir haben das Recht, auf die Straße zu gehen!"

Und sie wollen es wieder tun: Am 3. August. Am Tag nach der nicht genehmigten Demonstration herrscht in Moskau jedoch erst einmal Katerstimmung. Wunden werden versorgt, Strafverfahren vorbereitet, Anwälte konsultiert.

Von jenen, die die Tumulte mitbekommen haben, wird aber auch über die Frage diskutiert, wo das alles hinführen soll. Denn mit jeder Eskalation heizt sich die Stimmung weiter auf.

Katerstimmung - Moskau nach der Demo
Christina Nagel, ARD Moskau
28.07.2019 09:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Juli 2019 um 09:00 Uhr.

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