Luftaufnahme der eingestürzten Morandi-Autobahnbrücke in Genua | Bildquelle: dpa

Brückeneinsturz in Genua Morandi-Brücke wird abgerissen

Stand: 08.02.2019 19:17 Uhr

Sechs Monate nach dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua wurde mit dem Abriss begonnen. Wer die Verantwortung für das Unglück trägt, ist noch nicht geklärt.

Fast fünf Monate nach dem Einsturz haben die Rückbauarbeiten begonnen. Die Demontage des ersten großen Stücks aus dem Westteil der Brückenruine dauert allerdings länger als ursprünglich angekündigt. Die Arbeiten werden sich sehr wahrscheinlich bis Samstag hinziehen, teilte ein Verantwortlicher mit.

Ministerpräsident Giuseppe Conte sprach bei einem Besuch auf der Baustelle von einem bedeutenden Moment für ganz Italien. Es sei sehr wichtig und symbolträchtig, den Neustart mit dem Rückbau der Brücke zu beginnen. "Das ist ein Neustart für Genua, Ligurien und Italien."

Keine Schnellbahntrasse zwischen Frankreich und Italien

Verkehrsminister Danilo Toninelli von der Fünf-Sterne-Bewegung nutzte den Termin, um erneut ein anderes großes Infrastruktur-Projekt in Frage zu stellen. Die bereits im Bau befindliche Schnellbahn-Trasse zwischen Frankreich und Italien soll nach seiner Meinung nicht zu Ende gebaut werden. Stattdessen brauche Italien eine große Instandhaltungs-Initiative für die bestehende Infrastruktur. In Genua hätte dies Leben gerettet: "Wenn es hier Wartungsarbeiten gegeben hätte, gäbe es die Brücke noch und wir hätten nicht 43 Tote. Ich stelle mir die Frage: Toninelli, ziehst du es vor, fünf Milliarden Euro Steuergelder für ein Loch im Berg auszugeben, um nach Lyon zu fahren oder ziehst du es vor, Tausenden von Viadukten, Brücken, Provinzstraßen instand zu halten, wo -  wie ich selbst in Sizilien gesehen haben - ganze Gemeinden isoliert sind?"

Die eingestürzte Morandi-Brücke war nicht nur eine wichtige überregionale Verkehrsverbindung, sondern auch die infrastrukturelle Klammer für die Hafenstadt Genua, wo immerhin 1,5 Prozent des italienischen Bruttosozialprodukts erwirtschaftet werden.

Luftaufnahme der eingestürzten Morandi-Autobahnbrücke in Genua | Bildquelle: dpa
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Beim Einsturz der Morandi-Brücke kamen 43 Menschen ums Leben.

Verkehrsminister: Zeitplan wird eingehalten

Der Entwurf für die neue Brücke kommt von Star-Architekt Renzo Piano, der selbst aus Genua stammt. Die Kosten von mehr als 200 Millionen Euro werden von der Autobahnbetreibergesellschaft getragen. Der Neubau soll bis zum Frühling des kommenden Jahres fertig sein. Der Minister glaubt an die Einhaltung des ehrgeizigen Terminplans.

In dem Vertrag, den alle Firmen unterschrieben hätten, die am Aufbau beteiligt sind, gebe es Vertragsstrafen. "Vertragsstrafen für Verspätungen beim Rückbau und Vertragsstrafen für Verspätungen beim Neubau. Und wer einen Vertrag mit hohen Strafgeldern unterschreibt, weiß ganz genau, dass die Termine eingehalten werden können und dass er sie auch einhalten wird."

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Satellitenaufnahmen der Morandi-Brücke in Genua

Satellitenbild der Morandi-Brücke in Genua | Bildquelle: European Space Imaging
Satellitenbild der Morandi-Brücke in Genua | Bildquelle: European Space Imaging

Satellitenaufnahmen der Morandi-Brücke in Genua vor und nach dem Einsturz am 14. August 2018. | Bildquelle: European Space Imaging

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Verantwortung für den Einsturz noch nicht geklärt

Erst nach Fertigstellung der riesigen Stahlkonstruktion wird in Genua wieder der normale Alltag einkehren. Unterdessen haben Hunderte von Menschen noch immer mit den Folgen des Einsturzes zu kämpfen, weil sie dadurch obdachlos geworden sind und vorübergehend in Hotels oder Notquartieren untergebracht wurden. Noch sei vieles unklar und provisorisch, sagt der 64-jährige Sabino Marinelli, immerhin hätten die Behörden die Betroffenen aber nie alleine gelassen.

"Hier in Genua haben die Gemeinde und die Region und alle Behörden immer zu uns gehalten. Wir treffen uns einmal die Woche mit dem Bürgermeister, dem Wiederaufbau-Kommissar. Wir haben verschiedene Treffen und das führt dazu, dass das Verhältnis zwischen uns und den Behörden immer besser wird. Sie begleiten uns, sie haben uns nie im Stich gelassen."

Wer für den Brückeneinsturz die Verantwortung trägt, ist juristisch noch nicht geklärt. Die Staatsanwaltschaft Genua ermittelt gegen mehr als 20 Beschuldigte, unter anderem gegen Mitarbeiter des Verkehrsministeriums sowie gegen Ingenieure und Verantwortliche der Autobahngesellschaft. 

Rückbau der Morandi-Brücke in Genua verzögert sich
Tassilo Forchheimer, ARD Rom
08.02.2019 21:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Februar 2019 um 17:00 Uhr.

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