Firmenschild von Monsanto | Bildquelle: AFP

US-Gericht verurteilt Monsanto 290 Millionen Dollar für Krebsopfer

Stand: 11.08.2018 01:39 Uhr

Unter Wissenschaftlern ist umstritten, ob Glyphosat krebserregend ist. Ein US-Gericht hat die Frage bejaht und einem an Krebs erkrankten früheren Hausmeister fast 290 Millionen Dollar Schmerzensgeld zugesprochen.

Ein US-Gericht hat die Bayer-Tochter Monsanto zur Zahlung von 289 Millionen Dollar (umgerechnet rund 250 Millionen Euro) Schmerzensgeld verurteilt, weil seine glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittel Krebs verursacht haben sollen. Die Mittel hätten "wesentlich" zur Krebserkrankung des Klägers beigetragen, befand das Geschworenengericht in San Francisco.

Das Geld wurde einem ehemaligen Hausmeister zugesprochen, der unheilbar an Lymphdrüsenkrebs erkrankt ist und die Herbizide von Monsanto dafür verantwortlich macht. Die Geschworenen-Jury begründete das Urteil mit dem Versäumnis von Monsanto, den Kunden davor gewarnt zu haben, dass die Herbizide Krebs auslösen könnten. Dadurch habe sich der Agrarkonzern der "Heimtücke" schuldig gemacht.

Der Kläger Dewayne Johnson im Moment der Urteilsverkündung im Prozess gegen Monsanto. | Bildquelle: AFP
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Der an Krebs erkrankte frühere Hausmeister Dewayne Johnson bekam 289 Millionen US-Dollar Schmerzensgeld zugesprochen.

Kann Glyphosat Krebs verursachen?

Der als Schädlingsbekämpfer an Schulen tätige Kläger hatte bis zu 30 Mal im Jahr Unkrautvernichter eingesetzt. Der 46 Jahre alte Mann warf dem Unternehmen vor, durch die Mittel am Non-Hodgkin-Lymphom erkrankt zu sein.

Im Zentrum des Verfahrens stand die Frage, ob Glyphosat möglicherweise eine krebsauslösende Wirkung hat. Monsanto, das seit kurzem zum Bayer-Konzern gehört, bestreitet das. Das Unternehmen kündigte Berufung gegen das Urteil an. Wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass die Chemikalie für den menschlichen Gebrauch unbedenklich sei.

Experten sind unterschiedlicher Meinung

Unter Experten ist hochumstritten, ob Glyphosat tatsächlich Krebs verursachen kann. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten zu dem Schluss, dass keine Krebsgefahr von dem Herbizid ausgeht. Dagegen hatte die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) vor drei Jahren konstatiert, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei.

In den USA machen tausende Krebskranke Monsanto für ihr Leiden verantwortlich. Ein Bundesrichter in San Francisco hatte im vergangenen Monat mehr als 400 weitere Klagen wegen der möglichen krebsauslösenden Wirkung des Unkrautvernichtungsmittels zugelassen.

In Deutschland will Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner den Gebrauch von Glyphosat einschränken.

Nach Krebserkrankung: Monsanto zu Millionenentschädigung verurteilt
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
11.08.2018 06:47 Uhr

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Stichwort: Glyphosat

Glyphosat ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Phosphonate. Es ist Hauptbestandteil verschiedener am Markt erhältlicher Unkrautvernichtungsmittel. Pflanzenschutzmittel, die Glyphosat enthalten, gehören zu den weltweit am häufigsten verwendeten Herbiziden. Pflanzen nehmen Glyphosat durch ihre Blätter und andere grüne Pflanzenteile auf. Glyphosat blockiert die Produktion bestimmter Aminosäuren, die wichtig für das Wachstum der Pflanzen sind. Während die Internationale Behörde für Krebsforschung (IARC), eine Unterorganisation der WHO, in einer neuen Bewertung zum Schluss kommt, dass Glyphosat für den Menschen wahrscheinlich krebserzeugend ist, haben zuvor andere Studien keine Hinweise darauf gegeben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. August 2018 um 03:03 Uhr.

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