Arzt im Operationssaal | Bildquelle: dpa

Transplantationsmedizin Ein Mittelohr aus dem 3D-Drucker

Stand: 14.03.2019 15:43 Uhr

Südafrikanischen Medizinern ist ein Durchbruch gelungen: Erstmals transplantierten sie ein Mittelohr, das komplett aus dem 3D-Drucker kommt. Die OP soll jede Art von Gehörverlust rückgängig machen.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Ein Mittelohr aus einem 3D-Drucker - das klingt verwegen, aber diese Innovation scheint funktioniert zu haben. Schauplatz war ein Lehrkrankenhaus in Pretoria. Gestern wurde ein 40-jähriger Patient operiert, der sein Gehör bei einem Autounfall verloren hatte.

Noch ist nicht bestätigt, dass er wieder hören kann, aber der zuständige Arzt, Professor Mashudu Tshifularo, spricht von Erfolg auf ganzer Linie. "Wir sind sehr froh darüber. Es war ja die erste OP dieser Art, und es war nicht einfach, aber alles lief gut." Der Spezialist forscht schon seit Jahren für eine solche Operation. Sie sei eine Antwort auf jede Art von Gehörverlust, so Tshifularo. Die OP sei bei Erwachsenen genauso anwendbar wie bei Neugeborenen, die nicht hören können.

Meilenstein 3D-Technologie

Und das wäre tatsächlich ein großer Wurf. Alle Gehörknöchelchen können demnach ersetzt werden: Hammer, Amboss und Steigbügel. Dazu wird eine Prothese aus Titan im 3D-Drucker gefertigt und mit Hilfe eines Endoskops eingesetzt. Wenn man dem Mediziner zuhört, klingt das alles recht einfach.

 "Wir schauen per Computertomographie oder Röntgenbild, welche Knochen fehlerhaft sind oder fehlen und können sie exakt nachbilden." Das werde enorm helfen und nicht besonders teuer sein, freut sich der Arzt. Man wolle die Methode im Krankenhaus einsetzen, um den eigenen Leuten zu helfen.

Chirurgen bei einer OP | Bildquelle: picture alliance / AFP Creative
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3D-Drucker eröffnen der Transplantationsmedizin neue Möglichkeiten.

Eine Warteliste gibt es schon. Im Krankenhaus wartet Simon Bohale darauf, dass er der nächste Patient sein wird. Der 62-Jährige kann seit einem Arbeitsunfall 1983 kaum noch etwas hören. "Ich habe ein Problem mit meinen Ohren," erklärt er. "Aber ich freue mich, weil ich bald wieder so sein werde, wie ich sein will. Ich werde Menschen wieder hören können. Ich habe das Problem ja schon lange und das wird dann meine dritte Operation."

Und auch die letzte, da ist Mashudu Tshifularo sicher. Die 3D-Technologie erlaube es, Dinge zu tun, die man nie zuvor für möglich gehalten hätte, so der HNO-Spezialist. Der Anfang jedenfalls ist in Pretoria gemacht worden.

Schon viele medizinische Forschungserfolge

Und das nicht zum ersten Mal. Südafrika hat schon öfter von sich reden machen, wenn es um Forschung im Medizinbereich geht. Die weltweit erste Herztransplantation wurde in Kapstadt durchgeführt. Ein Südafrikaner gilt als Erfinder der Computertomographie, zum ersten Mal brachte eine HIV-positive Mutter hier ein Kind zur Welt, das HIV-negativ war. Und der erste Penis der Welt wurde auch in Südafrika transplantiert.

Von Seiten der südafrikanischen Regierung gab es Lob auf ganzer Linie: Die Forschung werde weiter unterstützt, hieß es vom Gesundheitsministerium.

In Südafrika erstmals Mittelohr aus 3D-Drucker transplantiert
Jana Genth, ARD Johannesburg
14.03.2019 14:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete SWR3 am 14. März 2019 um 16:00 Uhr.

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