Flagge von Mississippi in Jackson | Bildquelle: AFP

Rassismus-Debatte Mississippi trennt sich von seiner Flagge

Stand: 29.06.2020 07:18 Uhr

126 Jahre trug die Flagge von Mississippi ein blaues Kreuz auf rotem Grund - ein Symbol, das für die Zeit der Sklaverei steht. Schon lange gibt es daran Kritik. Nun reagiert der US-Bundesstaat.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

In einem Teil ganz oben links in der Ecke trägt Mississippis Staatsflagge ein blaues Kreuz auf rotem Grund mit zehn weißen Sternen. Es ist die Fahne der konföderierten Truppen aus dem Bürgerkrieg. Sie symbolisiert die Südstaaten der USA und deren Kampf um den Erhalt der Sklaverei.

Nun will sich der Bundesstaat nach 126 Jahren von der Flagge trennen. Die Entscheidung der Abgeordneten in Jackson, Mississippi, ist historisch. Senator Derrick Simmons erklärte im Lokalfernsehen, welche Erfahrung er in den vergangenen Tagen gemacht hat. "Ich habe Gespräche erlebt, in denen mich republikanische Senatoren gefragt haben, was ich oder mein Vater und Großvater über die Flagge denken. Das bedeutet mir sehr viel."

Neuentwurf bis September

Der republikanische Gouverneur Tate Reeves hat versprochen, das Gesetz zu unterschreiben. Dabei ist die Debatte um das Symbol des Staates nicht neu. Aber sie wurde nach dem Tod des Schwarzen, George Floyd, durch Polizisten in Minneapolis und den anschließenden Demonstrationen neu aufgerollt. "Wir sind heute bessere Menschen, als wir es gestern waren", erklärte der Sprecher des Repräsentantenhauses von Mississippi, Philip Gunn. Auch wenn die Fahne von weißen Amerikanern im Bundesstaat immer noch als Zeichen ihrer Herkunft hochgehalten wird.

Die Flagge soll in den kommenden 15 Tage überall "respektvoll" eingeholt werden, heißt es im Gesetz. Eine Kommission wird bis September über Entwürfe für eine neue Fahne entscheiden. Diese darf keine Symbole der Konföderierten zeigen, muss aber die Formel "In God we trust" enthalten, wie sie auch auf den Dollarnoten steht. Über die neue Fahne wird in Mississippi als Teil der Präsidentschaftswahl im November abgestimmt.

Die Welt soll Mississippi anders sehen

Der Chef der lokalen Wirtschaftskammer, Anthony Wilson, verbindet große Hoffnung mit der Entscheidung. Eine neue Flagge könne die Menschen zusammenführen, so Wilson. In den USA und überall auf der Welt werde man nun anders auf Mississippi schauen. 

Auch Senator Brice Wiggins hofft, dass Vorurteile gegenüber dem Süden verschwinden: "Wir sind bekannt als Staat der Gastfreundschaft", sagt er. "Aber der Rest des Landes hat uns so nicht gesehen. Die Entscheidung heute, erlaubt es anderen nicht länger, zu bestimmen, wer wir sind. Und das ist überwältigend für mich." 

Rassismusdebatte erreichte auch Princeton

In vielen Teiles der USA wird über Ungleichheit und Rassismus debattiert - und es fallen Entscheidungen. Am vergangenen Wochenende hatte die Universität Princeton bekannt gegeben, dass die "School of public and international affairs" nicht länger den Namen Woodrow Wilson tragen wird.

In Europa ist der 28. Präsident der Vereinigten Staaten vor allem bekannt für den Eintritt der USA in den ersten Weltkrieg und die Schaffung des Völkerbundes. Doch es gebe noch ein weiteres politisches Erbe, erklärte Universitätspräsident Christopher Eisgruber. Wilsons habe zum Beispiel nach Versuchen der Integration die Angestellten der Bundesbehörden in den Büros wieder nach ihrer Hautfarbe getrennt. Die Folgen seien bis heute spürbar.

Mord an George Floyd und die Folgen: Mississippi trennt sich von seiner Flagge
Torsten Teichmann, ARD Washington
29.06.2020 06:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Juni 2020 um 05:56 Uhr.

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