Karte: Libyen mit Tripolis und Italien

Vor Libyens Küste Migranten sollen Handelsschiff gekapert haben

Stand: 27.03.2019 20:37 Uhr

Mehrere vor Libyen gerettete Migranten haben laut Italiens Innenminister Salvini die Kontrolle über ein Handelsschiff übernommen und steuern Richtung Europa. Mehr als 100 Menschen sollen an Bord sein.

Gerettete Migranten haben nach italienischen und maltesischen Angaben vor Libyen ein Handelsschiff unter ihre Kontrolle gebracht und steuern es in Richtung Norden. "Es sind keine Schiffbrüchigen, es sind Piraten", sagte Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega-Partei.

Das Handelsschiff "Elhiblu" habe im Mittelmeer eine Gruppe Migranten vor der libyschen Küste aufgenommen, dann aber etwa sechs Seemeilen vor der Hauptstadt Tripolis plötzlich den Kurs Richtung Nord geändert. Der Kapitän des Handelsschiffes habe eine entsprechende Alarm-Meldung abgesetzt, so maltesische Behörden. Danach habe es keinen Kontakt mehr gegeben.

Auf dem Weg in Richtung Malta

Das Schiff ist nun offenbar in Richtung Malta unterwegs, wie die maltesische Armee erklärte. Die maltesischen Behörden seien über ein "auf See überfallenes Schiff" informiert worden, sagte eine Sprecherin.

Italienischen und maltesischen Medien zufolge sind 108 Migranten an Bord des Schiffes, das unter der Flagge des Inselstaates Palau fahre. An Bord sollen auch rund 30 Frauen und Kinder sein. Sowohl Italien als auch Malta wollen Bootsflüchtlinge nicht aufnehmen, solange es keinen EU-weiten Verteilmechanismus gibt.

Kaum Rettungsschiffe

Vor der libyschen Küste sind kaum mehr Rettungsschiffe im Einsatz, die Boote von Hilfsorganisationen wurden immer wieder lange auf dem Meer blockiert oder aus dem Verkehr gezogen. Auch die EU hat ihren Marineeinsatz vor der libyschen Küste gestoppt.

Mit Informationen von Tassilo Forchheimer, ARD-Studio Rom

Migranten kapern offenbar Handelsschiff vor Libyen
Tassilo Forchheimer, ARD Rom
28.03.2019 07:21 Uhr

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Über dieses Thema berichteten B5 aktuell am 27. März 2019 um 20:03 Uhr und Inforadio am 28. März 2019 um 06:05 Uhr.

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