Stadtansicht von Zürich | Bildquelle: imago/F. Berger

Mietpreisbremse in der Schweiz Mietpreisbremse in der Schweiz

Stand: 05.09.2018 12:00 Uhr

Zürich gilt als eine der teuersten Städte Europas. Doch für Schweizer Wohnungssuchende stellen die Mietpreise kein mit Deutschland vergleichbares Problem dar. Grund dafür ist ein Eingriff in den Mietmarkt.

Von Martin Mair, ARD-Studio Zürich

Wer als deutscher Tourist in die Schweiz reist, kann über die Lebensmittelpreise oft nur staunen. Doch Walter Angst weiß, dass es noch schlimmer kommen kann. Dann nämlich, wenn Deutsche die Wohnungsanzeigen lesen. Die Preise für Mieten seien explodiert, erklärt der Sprecher des Züricher Mieterverbands. Vor zehn Jahren habe er eine Vierzimmerwohnung noch für etwa 1600 Franken mieten können. Heute würde er dieselbe Wohnung nur noch für 1000 Franken mehr bekommen.

Zürich ist eine der teuersten Städte Europas. Quadratmeterpreise um die 30 Euro sind hier keine Seltenheit. Doch gleichzeitig gehört auch das Durchschnittseinkommen im globalen Vergleich zu den höchsten. Das Image der unbezahlbaren Schweiz stimme deshalb so nicht, sagt Robert Weinert von der Immobilienberatungsgesellschaft Wüest Partner: "Man zahlt rund 20 bis 22 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens pro Monat für die Miete."

Strikte Regeln für Mietpreise

Im Vergleich betrachtet ist das sogar etwas weniger als in Deutschland. Denn in der Schweiz gelten strikte Regeln für Mietpreise. Immobilienbesitzer dürfen pro Jahr nur einen bestimmten Prozentsatz des Kaufpreises erwirtschaften. Dieser Referenz-Zinssatz ist der durchschnittliche Zins, den Banken für Hausbauer erheben.

Viermal pro Jahr wird er vom Schweizer Wirtschaftsministerium veröffentlicht und ist verbindlich. Er deckelt nicht nur die maximalen Mieteinnahmen, sondern wirkt sich auch auf laufende Verträge aus. Da die Banken derzeit billige Kredite geben, ist der Referenz-Zinssatz auf historische 1,5 Prozent gesunken, so Weinert. Das führe dazu, dass Mieter mit bestehenden Verträgen grundsätzlich einen Anspruch auf eine Mietpreisreduktion haben.

Zürich | Bildquelle: dpa
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In der Schweiz gelten strikte Regeln für Mietpreise.

Mietverträge an Zinssätze gekoppelt

Denn laufende Mietverträge sind an diesen Zinssatz gekoppelt. Sinkt er, wie in den vergangenen Jahren, müssen Vermieter auch die Miete senken. Das Schweizer Modell einer Mietpreisbremse gibt es seit vielen Jahren. Und es funktioniere, sagt Angst. Allerdings bleibe der Mieter unter Zugzwang: "Die Hürde ist hoch, denn der Mieter muss beweisen, dass der Vermieter zu viel verdient. Aber es findet statt, und das hat die Entwicklung in den letzten fünf Jahren auch etwas gebremst."

Genaue Daten, wie viele Mieter ihre Rechte durchsetzen, gibt es nicht. Immobilienberater Weinert schätzt, dass etwa jeder zweite Schweizer den Abschlag tatsächlich durchsetzt. Investitionen oder Neubauten hemme das Schweizer Modell nicht. Allerdings werden gerade in den beliebten Großstädten wie Zürich oder Genf oft Luxuswohnungen gebaut. "Vor allem für die unteren Einkommensgruppen - und die gibt es in der Schweiz nicht zu knapp - ist die Situation dramatisch", sagt Angst. Das seien diejenigen, die aus der Stadt verdrängt werden.

Doch selbst wer einen gutbezahlten Job hat, steht vor einem Problem: Der Wohnungsmarkt ist leergefegt. Wer anständig verdient, kann sich eine Wohnung also womöglich leisten. Doch sie zu finden, ist bisweilen das größere Problem.

Wohnen in der Hochpreisinsel - Schweizer System der Mietpreisbremse
Martin Mair, MDR
05.09.2018 13:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. September 2018 um 08:09 Uhr.

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