Mit schwerem Gerät versuchen Helfer Überlebende in den Trümmern eines Wohnhauses in Surfside, Florida, zu finden. | dpa

Gebäudeeinsturz in Florida "Ich bete einfach für ein Wunder"

Stand: 27.06.2021 03:12 Uhr

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Seit mehreren Tagen suchen Rettungskräfte nach dem Teileinsturz eines großen Wohnhauses in Florida rund um die Uhr nach möglichen Verschütteten. Inzwischen wurde ein fünftes Todesopfer gefunden.

Nach dem Teileinsturz eines zwölfstöckigen Wohnhauses im US-Bundesstaat Florida erschwert ein Feuer die Suche nach Vermissten. Die Bürgermeisterin des Bezirks Miami-Dade, Daniella Levine Cava, sagte an der Unglücksstelle in Surfside nahe Miami, es sei extrem schwierig, den Ursprung des Brandes unter den Trümmern ausfindig zu machen, ihn zu isolieren und zu löschen. Dies behindere die Suche nach möglichen Verschütteten. Die Rettungskräfte nutzen alle verfügbaren Instrumente, um das Feuer zu bekämpfen und zugleich weiter nach möglichen Überlebenden zu suchen.

Das strandnahe Gebäude mit rund 130 Wohneinheiten war in der Nacht zum Donnerstag teilweise eingestürzt. Die Menschen wurden im Schlaf von dem Unglück überrascht. Seitdem läuft die verzweifelte Suche nach möglichen Überlebenden. Die Suchaktion wurde auch durch Regen behindert. Rettungsteams waren mit Spürhunden, Spezialkameras und schwerem Gerät im Einsatz. "Wir haben weiter Hoffnung", betonte Cava.

Allerdings wurde inzwischen ein weiteres Todesopfer gefunden. Die Rettungskräfte hätten in den Trümmern einen weiteren leblosen Körper entdeckt, sagte Cava. Die Zahl der identifizierten Toten sei damit auf fünf gestiegen. Die Suchkräfte hätten außerdem weitere noch nicht identifizierte "menschliche Überreste" gefunden.

Nach dem Einsturz eines Wohnhauses in Surfside, Florida, haben Angehörige Bilder der Toten und Vermissten an einen Zaun gehängt. | AFP

Angehörige haben Fotos der Toten und Vermissten an einen Zaun gehängt. Trauernde haben Blumen und Kerzen wurden dort abgelegt. Bild: AFP

Zwischen Bangen und Zuversicht

Mehr als 150 Menschen gelten Cava zufolge weiter als vermisst. Die Behörden hatten zwar betont, dass die Vermissten nicht unbedingt auch alle in dem Gebäude gewesen sein müssen. Für eine etwaige Identifizierung von Opfern seien aber von Angehörigen DNA-Proben genommen worden, berichteten örtliche Medien. Gerettet werden konnten bisher mehr als 35 Personen.

Einige Angehörige von vermissten Bewohnern hoffen weiter. Zwischen Bangen und Zuversicht verfolgen sie die Suche der Einsatzkräfte. "Ich bete einfach für ein Wunder", sagte Rachel Spiegel, deren 66 Jahre alte Mutter Judy im sechsten Stock des Hauses wohnte. Andere haben die Hoffnung schon aufgegeben. Jeanne Ugarte sagte, sie müsse sich wohl damit abfinden, dass ihre langjährigen Freunde und deren Sohn nicht mehr am Leben seien. "Ich weiß, dass sie sie nicht (lebend) finden werden", sagte Ugarte. "Es ist schon zu lange her."

Bericht listet Baumängel auf

Die Ursache des teilweisen Einsturzes ist weiterhin unklar. Der als Champlain Towers South bekannte Wohnkomplex stammt aus den 1980er-Jahren. Am Wochenende wurde ein von einer externen Firma verfasster Inspektionsbericht aus dem Jahr 2018 öffentlich, in dem Experten mehrere Mängel aufgelistet hatten. Darin ist unter anderem von "erheblichen Bauschäden" die Rede. Risse im Beton, baufällige Säulen und Schäden, die eine kostspielige und umfassende Wartung benötigten, werden in den Bericht aufgelistet.

Ob diese in irgendeinem Zusammenhang mit dem Einsturz stehen könnten, blieb offen. Levine Cava betonte, ihr sei der Bericht zuvor nicht bekannt gewesen. Die Behörden würden allen Hinweisen nachgehen und der Ursache für das Unglück auf den Grund gehen, damit so etwas nie wieder passiere, versprach sie.

In der Zwischenzeit werde auch überprüft, ob andere ähnlich alte Gebäude sicher seien. Um zusätzliche Mittel und Material nach dem Unglück freizugeben, hatte Floridas Gouverneur Ron DeSantis den Notstand ausgerufen. Dieser wurde von Präsident Joe Biden am Freitag bestätigt, um so auch Bundesmittel zur Verfügung stellen zu können. Auch die Katastrophenschutzbehörde FEMA ist eingeschaltet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Juni 2021 um 20:00 Uhr.