Präsidentenflugzeug des mexikanischen Präsidenten | Bildquelle: REUTERS

Mexikos Präsidentenmaschine Per Los zum Luxusflieger

Stand: 16.09.2020 10:27 Uhr

Mexikos Präsident López Obrador hat von seinen Vorgängern einen 218 Millionen Dollar teuren Präsidentenflieger geerbt. Der soll nun weg. Es gab eine Verlosung, bei der der Hauptgewinn allerdings ausblieb.

Von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Als historischer Moment wird die Verlosung gepriesen. Eine Aktion für die Menschen, für das Volk. Aus sieben Loskugeln werden die Gewinner gezogen. Der Hauptgewinn ist zwar nicht das Flugzeug, aber 100 Gewinner-Lose zu je 800.000 Euro. 500 Pesos kostete ein Los, das sind umgerechnet rund 20 Euro.

Ursprünglich wollte der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador den Flieger verkaufen, der blieb aber ein Ladenhüter und verursachte dadurch sogar noch Unterhaltskosten von 1,5 Millionen Dollar pro Jahr. Unermüdlich hatte López Obrador im Vorfeld für die Verlosung des Dreamliners geworben.

Blick in das Präsidentenflugzeug des mexikanischen Präsidenten | Bildquelle: REUTERS
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Der Präsidentenflieger verursachte Unterhaltskosten von 1,5 Millionen Dollar im Jahr.

"Flugzeug wirkt wie eine Beleidigung"

AMLO selbst - wie der mexikanische Präsident kurz genannt wird - fliegt ganz bescheiden lieber Linie. In einem Spot posierte der mit 1,73 Meter recht klein gewachsene mexikanische Präsident vor dem gigantischen ungeliebten Flieger.

"Ich bin klein, habe aber keine Komplexe", sagte der Präsident darin. "Ich bin Republikaner. Macht bedeutet Demut. Seht Euch diesen Luxus an. Es gibt so viel Armut, dieses Flugzeug wirkt wie eine Beleidigung. Wir werden es am 15. September verlosen. Und das was dabei zusammenkommt, werden wir für medizinische Ausrüstung nutzen. Kauf Dir ein Los, wir schreiben Geschichte."

Ablenkung von Corona-Krise?

Mit der Verlosung soll das Geld für den Dreamliner eingespielt werden. Doch mit der Aktion wolle der Präsident nur von den eigenen Problemen, seinem schlechten Management der Corona-Krise ablenken, kritisiert die Politik-Analystin und Journalistin Denise Dresser.

"Die Lotterie bedeutet eine Umleitung öffentlicher Gelder, die möglicherweise illegal war", meint Dresser. "Allein die Tatsache, dass das Gesundheitsministerium Geld für Lose ausgegeben hat. Wer kommt für die Kosten, für den Vertrieb der Lose auf? Dass nicht alle Lose verkauft wurden, schmälert zudem den geplanten Gewinn der Lotterie: Man hätte doch einfach Haushaltsmittel direkt an die Krankenhäuser des Landes geben können."

Nettoerlös bleibt bescheiden

Immer wieder wurde der Präsident in den letzten Monaten für seinen laxen Umgang mit der Pandemie kritisiert. Selten ist er mit Mundschutz zu sehen. Mehr als 70.000 Menschen sind an dem Coronavirus gestorben.

Ein Verkäufer zeigt einen Lottoschein für das Präsidentenflugzeug in Mexiko-Stadt | Bildquelle: AP
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Nur 70 Prozent der Lose wurden verkauft.

Am Ende wurden nur 70 Prozent der Lose verkauft. Der Nettoerlös der Aktion, der dem Gesundheitssystem zugutekommen soll, bleibt dadurch äußerst bescheiden. Mit etwas Glück könnte der Kampf gegen Covid einen Geldsegen erfahren, rühmte sich der Präsident im Vorfeld:

"Alle Covid-Krankenhäuser haben im Schnitt 1000 Lose bekommen. Wenn sie Glück haben und einen der Hauptpreise von 20 Millionen Pesos (umgerechnet 800.000 Euro) gewinnen, dann darf das medizinische Personal entscheiden, wofür das Geld ausgegeben werden soll."

So triumphierte der mexikanische Präsident. Eine bessere medizinische Ausrüstung ist in Mexiko offenbar Glückssache, und was mit dem Flieger passiert, steht in den Sternen.

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