US-Zoll- und Grenzschutzbeamte sperren die Paso del Norte Brücke. | Bildquelle: dpa

Flüchtlinge aus Kuba Gestrandet in Mexiko

Stand: 08.07.2019 11:38 Uhr

Immer mehr Kubaner verlassen ihr Land, sie wollen in die USA. Ihre Route führt durch Mexiko, aber sie bleiben in der Grenzstadt Ciudad Juárez hängen. Denn hier wird verstärkt kontrolliert.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Kuba erlebt eine neue Ausreisewelle: Viele Menschen lassen Sozialismus und Wirtschaftskrise hinter sich, wollen ihr Glück in den USA suchen. Weil der Weg im selbstgebauten Boot über das Meer gefährlich und zudem ohne Aussicht auf Asyl ist, schlagen sie sich über Mittelamerika und Mexiko bis an die US-Grenze durch. Aber der Weg durch Mexiko ist in den vergangenen Wochen steiniger geworden. Unter dem Druck der US-Regierung hat das Land den Umgang mit Migranten radikal geändert.

"Leben in Kuba ist schwieriger geworden"

Tausende Kubaner, die von Guatemala nach Mexiko eingereist sind, warten vor der Einwanderungsbehörde in der Grenzstadt Tapachula auf Papiere, die eine Durchreise bis zur US-Grenze ermöglichen. Der 27-jährige Luis Ángel aus Holguín im Osten Kubas steht mit wichtigen Kopien in der Schlange. "In den letzten vier Monaten ist das Leben in Kuba noch viel schwieriger geworden. Es gibt einfach keine Lebensmittel mehr. Auch nicht für Geld. Die Türen, ein eigenes Geschäft aufzubauen, haben sich geschlossen. Ich reparierte Mobiltelefone, aber wegen der hohen Steuern musste ich meinen Laden schließen."

Mindestens 11.000 Kubaner haben Mexiko von Oktober bis Mai durchquert, um an der US-Grenze Asyl zu beantragen. Im Vorjahreszeitraum waren es nur halb so viele.

Ein mexikanischer Soldat steht an die Grenze zu den Vereinigten Staaten. | Bildquelle: dpa
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Mexikanische Streitkräfte kontrollieren den Grenzübergang in Ciudad Juárez.

Alberto Martínez hat sich bis in die 3000 Kilometer nördlicher gelegene Grenzstadt Ciudad Juárez durchgeschlagen. Er will auf legalem Weg in die USA - hinter Grenzzaun und -fluss fast zum Greifen nahe. Er will politisches Asyl beantragen. Auf seinen ersten Termin mit den US-Behörden wartet Martínez schon seit zwölf Wochen.

Ohne gültige Papiere

In Mexiko hält er sich ohne gültige Papiere auf. Die zu bekommen sei in den vergangenen Monaten fast unmöglich geworden. Auch deshalb kämen bereits weniger Kubaner in Ciudad Juárez an, sagt Martínez: "In Mexiko gibt es jetzt überall Straßenkontrollen und Razzien. Sie geben uns keine Durchreiseerlaubnis mehr. Unsere Hoffnung ist, legal in die USA einreisen zu können, statt wie viele Mittelamerikaner durch den Grenzfluss zu schwimmen. In Mexiko ist Legalität nicht mehr möglich, weil sie uns keine Papiere mehr geben. Jetzt schnappen sie dich und schieben dich nach Kuba ab."

Republikflüchtlinge wie Verräter behandelt

Abschiebung sei eine Katastrophe, weil Republikflüchtlinge auf der sozialistischen Insel wie Verräter behandelt würden, erzählt Martínez: "Wer zurück muss, wird verfolgt. Die Regierung fühlt sich von uns abgelehnt, weil wir das Land verlassen haben - aus ihrer Sicht irregulär. Ich bin als Tourist nach Nicaragua eingereist, unter dem Vorwand, dort einkaufen zu wollen. Wer abgeschoben wird, bekommt mehr staatliche Kontrolle zu spüren. Er wird Kuba nie mehr auf legalem Wege verlassen dürfen, auch nicht als Tourist."

Ein Straßengeschäft in Ciudad Juárez | Bildquelle: Anne-Katrin Mellmann
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Viele Kubaner leben mittlerweile gezwungenermaßen in Ciudad Juárez. Einige eröffnen dort kubanische Restaurants.

Rückkehrer stehen vor dem Nichts: Für den Fluchtversuch verkaufen Kubaner meistens ihr ganzes Hab und Gut. Mexiko hat in den ersten fünf Monaten dieses Jahres etwa 500 Kubaner abgeschoben. Das sind drei Mal so viele wie im ganzen Jahr 2018. Dabei hatte Präsident Andrés Manuel López Obrador kurz vor seinem Amtsantritt im Dezember versprochen, weniger abzuschieben. Aber der Druck der US-Regierung war zu hoch.

Ciudad Juárez - eigentlich nur ein Zwischenstopp

Tausende Kubaner leben bereits gezwungenermaßen in Ciudad Juárez. Sogar ein eigenes Restaurant mit kubanischem Essen betreiben sie - Little Havanna - mit Nationalflagge vor der Tür und Fotos ihrer Hauptstadt an den Wänden. Für eine junge Ärztin, die jahrelang in Brasilien gearbeitet hatte, und die ihren Namen lieber nicht sagt, ist Mexiko trotzdem nur ein Zwischenstopp: "Nein, ich habe überhaupt keine Lust hier zu bleiben. Mein Traum sind die USA. Verstehen Sie das? Seit wir uns auf den Weg gemacht haben, war das unser Ziel."

Gestrandet in Mexiko - Flucht aus Kuba
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko
08.07.2019 10:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Juli 2019 um 05:45 Uhr.

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