Bundeskanzlerin Angela Merkel

"Time" kürt Merkel zur "Person des Jahres" Die einflussreiche Brückenbauerin

Stand: 09.12.2015 18:37 Uhr

Menschlichkeit, Großzügigkeit und Toleranz - dafür tritt Kanzlerin Merkel nach Einschätzung der Journalisten des "Time"-Magazins ein und kürte sie zur Person des Jahres. IS-Führer Al Bagdadi und Donald Trump schafften es aus ganz anderen Gründen auf die Liste.

Von Kai Clement, ARD-Hörfunkstudio New York

"Wir schaffen das" - es ist das Credo der deutschen Kanzlerin. Handlungswille, Zuversicht, Selbstbewusstsein. Damit hat es Angela Merkel nun auf den Titel des New Yorker "Time Magazine" geschafft als die "Kanzlerin der freien Welt".

Sogar im deutschen Wortlaut zitiert "Time"-Herausgeberin Nancy Gibbs das Merkel Motto in ihrem Leitartikel für die Würdigung als Person des Jahres 2015.

"Person des Jahres" - das ist kein Verdienstorden, den das "Time Magazine" vergibt, keine ehrenwerte Gesellschaft, die damit begründet wird. Auch Stalin hat das Blatt bereits aufs Cover gehoben. Im Falle von Merkel aber ist der Tenor ein vor allem positiver, wie Gibbs dem Sender NBC erklärt: "Niemand ist so getestet worden wie sie. Wieder und wieder. Durch die Bedrohung des europäischen Friedens, der Sicherheit. Erst die Wirtschaftskrise im Sommer, dann die Flüchtlingskrise, jetzt die Rückkehr des Terrors nach Europa."

Brücken statt Mauern

Ob die Griechenlandpleite oder der Anschlag von Paris: Merkel habe Standfestigkeit und moralische Stärke bewiesen. Vor allem in der Flüchtlingskrise - den Willen, Brücken zu bauen statt Mauern, bescheinigt ihr die "Time"-Herausgeberin. Merkel trete für die Werte von Menschlichkeit, Großzügigkeit und Toleranz ein.

Im Rückblick auf den Werdegang der Kanzlerin schlägt das "Time-Magazine" auch andere Töne an. Gibbs schreibt, Merkels politischer Stil sei es lange gewesen, keinen zu haben. Kein Charisma, kein Flair, nur Machtwille und wissenschaftliche Datenbesessenheit. In der Zeit der Krisen sei sie jedoch zur Handelnden geworden. Man könne mit Merkel übereinstimmen oder auch nicht. Sie habe aber auf jeden Fall nicht den einfachen Weg gewählt, schreibt die Herausgeberin.

Demagogen, Menschenrechtskämpfer, Verbrecher

Schlechte Gesellschaft für die deutsche Kanzlerin: Abu Bakr Al Bagdadi, der selbsternannte Kalif der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), folgt auf Platz 2 der "Time"-Liste. "Er hat nicht die Anarchie im Nahen Osten erfunden oder das Internet, aber er hat beides außerordentlich für sich genutzt", erklärt Gibbs. Der Anführer des IS sei das neue Gesicht des Terrors.

Ein anderer Mann dagegen ist womöglich das neue Gesicht der Demagogie. Der Bewerber um eine Präsidentschaftskandidatur, mehr ist Donald Trump ja noch nicht, verlangt einen Einreisestopp für Muslime.

Trump, das ist der Mann, der lieber Mauern baut als Brücken, der lieber verteufelt als verbindet. Gibbs sagt: Wenn der, der alle Regeln bricht, damit durchkommt, dann schreibt er die neuen Regeln.

Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung
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Mauer- statt Brückenbauer: Donald Trump

Die schwarze Bürgerrechtsbewegung "Black Lives Matter", der iranische Präsident, der Chef des Fahrdienstes Uber oder Caitlyn Jenner, wie der ehemalige Zehnkämpfer Bruce Jenner als die wohl berühmteste Transgender-Frau der Welt inzwischen heißt. Sie alle belegen Spitzenplätze im nun veröffentlichten Ranking.

Nichts sei unmöglich, bestätigt "Time"-Herausgeberin Gibbs im NBC-Gespräch und erinnert daran, dass auch schon größte Verbrecher wie Adolf Hitler "Person des Jahres" waren.

Dieser Beitrag lief am 9. Dezember 2015 um 23:50 Uhr im Deutschlandfunk.

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