US-Senator John McCain im Juli 2017 im Kapitol.  | Bildquelle: REUTERS

US-Senator McCain gestorben Unbequem, rastlos, sich selbst treu

Stand: 26.08.2018 10:08 Uhr

Mit dem Tod von John McCain verliert Washington einen Politiker vom alten Schlag. Er war Vietnam-Veteran, Präsidentschaftskandidat und zuletzt einer der schärfsten Kritiker von US-Präsident Trump.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Vor seiner Ranch werden Blumen niedergelegt. Jemand hat ein Schild vorbeigebracht, auf dem steht "Senator McCain. Danke, dass Sie diesem Land gedient haben". Fernsehsender unterbrechen ihre laufenden Sendungen als bekannt wird, dass John McCain gestorben ist.

Scharfer Kritiker von Trump

Der Senator aus Arizona war unbequem, kritisch und sich selbst treu. Gerade deshalb war er über die Parteigrenzen hinweg hoch geachtet. Er war einer der deutlichsten Kritiker von US-Präsident Donald Trump bei den Republikanern und arrangierte sich nicht wie andere Kollegen mit dessen Wahlerfolg.

Von einer Krebs-Operation gezeichnet, versuchte McCain seine Kollegen im Senat aufzurütteln, wieder parteiübergreifend zusammenzuarbeiten. "Hört auf, den bombastischen Großmäulern zuzuhören, im Fernsehen, im Radio, im Internet", appellierte er. "Zur Hölle mit ihnen! Sie wollen nichts für das Allgemeinwohl erreichen. Unsere Unfähigkeit ist ihre Existenzgrundlage."

Nachruf: US-Senator John McCain stirbt an Krebs
tagesthemen 22:45 Uhr, 26.08.2018, Claudia Buckenmaier, ARD Washington

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 Vom Vietnam-Veteran zum Vollblut-Politiker

Die Pressekonferenz mit dem russischen Präsidenten Putin nannte McCain einen der erbärmlichsten Auftritte eines US-Präsidenten. Trump sparte nicht mit Seitenhieben, ätzte beispielsweise schon im Wahlkampf gegen McCain, er sei kein Kriegsheld. "Er ist Kriegsheld, weil er gefangen wurde. Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden."

McCain war Pilot, wurde in Vietnam gefangen genommen und gefoltert. Ein Angebot, ihn früher als andere zu entlassen, schlug er aus. Nach dem Militär startete McCain seine Karriere in der Politik. Mehr als 30 Jahre lang saß er im Senat.

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John McCain - ein Leben in Bildern

John McCain als Kind mit Familie

John Sidney McCain III. (rechts neben seiner Mutter Roberta) wurde am 29. August 1936 in eine Soldatenfamilie geboren. Er wuchs mit dem Bruder Joe und der Schwester Sandy auf. Sein Vater (rechts) und sein Großvater (Mitte) waren Marineoffiziere, die beide den Rang eines Admirals erreichten. | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

2008 wollte er US-Präsident werden. Zur Vizepräsidentschafts-Kandidatin machte er damals Sarah Palin. Eine Entscheidung, die er später bereute. Doch auch im Endspurt im Wahlkampf verbog sich McCain nicht. Bei einer Veranstaltung meldete sich eine Frau. Sie könne Barack Obama nicht trauen, sagte sie, er sei ein Araber. McCain unterbrach sie. "Nein. Er ist ein anständiger Familienvater, Bürger, mit dem ich Meinungsverschiedenheiten habe über grundlegende Fragen", stellte er klar. "Darum geht es in diesem Wahlkampf."

Pflicht- und machtbewusst

Anständig und bescheiden, aber auch dickköpfig und machtbewusst: McCain hat sich immer als Diener seines Landes gesehen. In seiner Autobiografie schrieb er, am liebsten lasse er sich mit "rastlos" beschreiben. Er stand für ein starkes Militär und einen sparsamen Staat, in sozialen Fragen war er durchaus liberal.

"Ich bin in einer Soldaten-Familie aufgewachsen, mit dem Konzept und der Überzeugung, dass Pflicht, Ehre und Vaterland der Leitstern sind", erklärte McCain einmal dem Sender CBS. "So müssen wir uns jeden Tag verhalten."

US-Politiker würdigen McCain

US-Präsident Donald Trump hat der Familie von John McCain sein "tiefstes Mitgefühl und Respekt" ausgesprochen. "Unsere Herzen und Gebete sind bei Euch!" McCain war unter den Republikanern der führende Kritiker des US-Präsidenten.

US-Verteidigungsminister James Mattis sagte über McCain: "Wir haben einen Mann verloren, der unerschütterlich die besten Ideale unseres Landes repräsentierte."

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama teilte mit, trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten hätten sie eine "Treue zu etwas Höherem" geteilt: "die Ideale, für die Generationen von Amerikanern und Einwanderern gleichermaßen kämpften, marschierten und Opfer gaben." McCain und er hätten ihre "politischen Schlachten sogar als ein Privileg betrachtet, etwas Nobles, eine Gelegenheit, in der Heimat als Hüter jener hohen Ideale zu dienen, und sie in der Welt voranzutreiben".

"Manche Menschenleben sind so strahlend, dass es schwerfällt sich vorzustellen, sie könnten enden. Einige Stimmen sind so kräftig, dass man nur schwer glauben kann, sie könnten verstummen. John McCain war ein Mann von tiefer Überzeugung und ein Patriot höchsten Ranges", schrieb Ex-Präsident George W. Bush auf Twitter.

Über Parteigrenzen hinweg geachtet

McCain gehörte zum alten Schlag der Politiker in Washington, die auch über Parteigrenzen hinweg Freundschaften schlossen. So bekundeten nicht nur Republikaner wie Trump, Lindsey Graham oder Paul Ryan nach dem Tod McCains ihr Beileid. Obama sagte in einem Statement, dass McCain ein Beispiel für jemanden sei, der das größere Ganze über sich selbst gestellt habe. Dafür stünden alle in seiner Schuld.

Der demokratische Senator Chuck Schumer verneigte sich vor seinem langjährigen Kollegen: Man treffe nur wenige Menschen, die wirklich Größe hätten. McCain sei einer von ihnen gewesen. Der Senat, die USA und die Welt seien ärmer ohne ihn.

Im Alter von 81 Jahren ist McCain im Kreise seiner Familie gestorben. Er hat zuletzt gegen einen agressiven Hirntumor gekämpft. Er sagte selbst einmal, er sei dankbar für sein Leben, es sei großartig gewesen. "Wenn ich gehe, will ich eine Zeremonie an der Marine-Akademie, mit einer Handvoll Leuten, die sagen: 'Dieser Kerl hat seinem Land gedient.'"

Ein Mann mit Prinzipien: Senator John McCain gestorben
Martina Buttler, ARD Washington
26.08.2018 08:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. August 2018 um 09:00 Uhr und der Deutschlandfunk um 07:08 Uhr.

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