Kinder mit Masern werden von ihren Eltern entlang eines Flurs in der Kinderstation des San Lazaro Hospital in Manila betreut | Bildquelle: dpa

WHO Immer mehr Todesfälle durch Masern

Stand: 12.11.2020 19:00 Uhr

Die WHO schlägt Alarm. 2019 gab es weltweit so viele Masern-Fälle wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Mehr als 207.000 Menschen starben. Der Anstieg der Erkrankungen könnte sich weiter verstärken - ein Grund: Corona.

Mangelnder Impfschutz hat laut den Vereinten Nationen zu einer starken Ausbreitung der Masern geführt. Mehr als 207.000 Menschen seien im vorigen Jahr an den Masern gestorben, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit. Die meisten davon seien Kinder unter fünf Jahren.

Damit sei die Zahl der Todesfälle durch Masern seit 2016 um rund die Hälfte gestiegen. Die bestätigten Masern-Fälle erreichten den Angaben zufolge 2019 mit 870.000 den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren.

Weltweit zu niedrige Immunisierungsrate

Der Hauptgrund für die Todesfälle sei, dass Kinder die zwei nötigen Impfungen nicht rechtzeitig bekommen hätten. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom sagte: "Wir müssen zusammenarbeiten, alle Länder unterstützen und Gemeinden einbinden, um überall jeden einzelnen Menschen gegen Masern zu impfen und dieses tödliche Virus zu stoppen."

Zum Schutz der gesamten Bevölkerung eines Landes müssten mindestens 95 Prozent der Kinder und Erwachsenen gegen Masern geimpft sein. Doch die Immunisierungsrate liege deutlich darunter: weltweit bei lediglich 85 Prozent.

Corona-Krise beeinträchtigt Impfkampagnen

Sorgen bereiten der UN-Organisation die Folgen der Corona-Pandemie für die Impfkampagnen gegen Masern. Auch das Kinderhilfswerk Unicef warnt vor einer Zunahme von Masernerkrankungen wegen nicht vorgenommenen Impfungen während der Pandemie: "Vor der Corona-Krise kämpfte die Welt mit einer Masern-Krise - und sie ist nicht vorbei", sagte Unicef-Direktorin Henrietta Fore. "Während die Gesundheitssysteme durch die Covid-19-Pandemie belastet sind, dürfen wir es nicht zulassen, dass unser Kampf gegen eine tödliche Krankheit auf Kosten unseres Kampfes gegen eine andere geht."

Laut WHO könnten rund 94 Millionen Menschen in 26 Staaten aufgrund der Corona-Krise derzeit keine Impfung erhalten. Viele dieser Länder erlebten derzeit Masern-Ausbrüche. Brennpunkte sind vor allem Entwicklungsländer wie die Demokratische Republik Kongo. Um die Pandemie einzudämmen, riegelten viele Länder ihre Grenzen ab und lenkten Ressourcen in den Kampf gegen die Krankheit Covid-19.

Keine Behandlungsmöglichkeiten

Masern werden durch das Morbilli-Virus ausgelöst und sind hoch ansteckend. Medikamente zur Behandlung gibt es nicht. Schutz wird allein durch das Impfen erreicht. Bei Infizierten treten Fieber, Husten, Schnupfen und gelegentlich Gelenkschmerzen auf. Etwas später erscheint ein roter, fleckiger Hautausschlag. Sieben bis acht Prozent der Kranken bekommen Fieberkrämpfe. Weil das Immunsystem geschwächt wird, kann auch eine Hirnhautentzündung auftreten, die zum Tod führen kann.

In Deutschland müssen Kinder ab dem ersten Lebensjahr vor Eintritt in eine Kita oder Schule gegen Masern geimpft sein, ebenso Erzieher sowie Lehr- und Pflegekräfte, die nach 1970 geboren sind.

Masern auf dem Vormarsch - mehr als 200.000 Tote im vergangenen Jahr
Sandra Biegger
12.11.2020 19:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 12. November 2020 um 17:09 Uhr.

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