Der marokkanische Außenminister Nasser Bourita bei einer Rede im Dezember 2020. | AFP

Regierung in Marokko Kontakt zu deutscher Botschaft offenbar gekappt

Stand: 02.03.2021 11:47 Uhr

Marokko will offenbar alle diplomatischen Kontakte zur Deutschen Botschaft in Rabat stoppen. Das geht es aus einem Brief des marokkanischen Außenministers hervor. Möglicher Grund: Deutschlands Haltung zur Westsahara.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Rabat

Die Regierung Marokkos will offenbar die Beziehungen zur Deutschen Botschaft abbrechen. Das geht aus einem Schreiben des marokkanischen Außenministeriums hervor, aus dem marokkanische Medien zitieren. Als Begründung wurden demnach tiefgreifende Missverständnisse zwischen Marokko und Deutschland angegeben.

Dunja Sadaqi ARD-Studio Rabat

In dem Brief fordert Marokkos Außenminister Nasser Bourita alle Ministerien auf, "jeden Kontakt" und "Interaktion" mit der Deutschen Botschaft in Rabat und mit den politischen deutschen Stiftungen vor Ort zu stoppen.

Worum es genau bei den Verwerfungen zwischen Rabat und Berlin geht, ist derzeit nicht bekannt. Auf ARD-Anfrage hat sich bislang weder die Deutsche Botschaft in Rabat noch das Auswärtige Amt in Berlin zu den Hintergründen geäußert.

 Möglicher Konfliktgrund: die Westsahara

In marokkanischen Medien wird als möglicher Grund für die diplomatische Krise Deutschlands Haltung zur umstrittenen Region Westsahara angegeben. Nachdem die USA im Dezember die Westsahara als marokkanisches Staatsgebiet anerkannt haben, hatte Deutschland als Reaktion darauf eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats einberufen.

Die ehemalige spanische Kolonie Westsahara wird seit Mitte der 1970er-Jahre größtenteils von Marokko kontrolliert und gilt völkerrechtlich als umstritten. Politische Vertreter der Region, in der etwa eine halbe Million Menschen leben, fordern einen eigenen Staat.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL am 02. März 2021 um 10:14 Uhr.