Soldaten in London | Bildquelle: REUTERS

Terror in Manchester Was über den Anschlag bekannt ist

Stand: 24.05.2017 08:41 Uhr

Eine ganze Reihe von Festnahmen - und viele Hinweise, dass sich der mutmaßliche Selbstmordattentäter Abedi in extremistischen Kreisen bewegt haben könnte. Die Polizei geht mittlerweile fest von einem Netzwerk aus, das hinter dem Anschlag steckt. Fakten zu Tat und Täter.

Wer hat den Terroranschlag verübt?

Die britische Polizei macht den 22 Jahre alten Salman Abedi für den Selbstmordanschlag von Manchester verantwortlich. Er soll mutmaßlich aus islamistischen Motiven gehandelt haben. Abedi ist laut Behördenangaben Brite libyscher Herkunft. Er soll laut Medienberichten 1994 in Manchester geboren worden sein und dort studiert haben. Seine Familie soll sehr religiös sein und sich in der örtlichen Moschee engagieren.

Inzwischen veröffentlichte die Polizei ein Foto des Attentäters und bat um Hinweise zu dessen Aufenthaltsorten vor dem Anschlag. Man wisse, dass der 22-Jährige sich kurz vor der Tat in einer Wohnung im Stadtzentrum von Manchester aufgehalten habe und dort wahrscheinlich die Bombe zusammengebaut habe, erklärte die Polizei in Manchester.

Die britische Innenministerin Amber Rudd teilte mit, dass Abedi den Sicherheitsbehörden schon vor der Tat bekannt war. "Er ist jemand, den sie gekannt haben", sagte sie der BBC. Durch was genau der junge Mann auffiel, sagte sie allerdings nicht.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Tat für sich. "Einer unserer Soldaten des Kalifats konnte einen Sprengsatz inmitten einer Ansammlung von Kreuzfahrern in Manchester platzieren", heißt es in einer Mitteilung über den Messenger-Dienst Telegram. Innenministerin Rudd betonte, eine Verbindung zum IS sei bislang nicht erwiesen.

Hat der Attentäter allein gehandelt?

Inzwischen geht die Polizei fest davon aus, dass der mutmaßliche Täter nicht allein handelte. "Es ist sehr klar, dass sich unsere Ermittlungen gegen ein Netzwerk richten", sagte Polizeipräsident Hopkins am Mittwoch. Zuvor hatten bereits Rudd und Premierministerin Theresa May Andeutungen in diese Richtung gemacht - jedoch nicht in dieser Deutlichkeit. "Wir können die Möglichkeit nicht ignorieren, dass es eine größere Gruppe von Personen gibt, die mit diesem Anschlag in Verbindung stehen", hatte May gesagt.

Wie viele Menschen wurden festgenommen?

Nach Angaben der britischen Behörden befinden sich derzeit elf verdächtige Männer in Haft, die zuvor im Großraum Manchester festgenommen worden waren. Welche Rolle die Festgenommenen gespielt haben könnten, ist bislang unklar. Unter ihnen soll nach BBC-Angaben ebenfalls ein Bruder Abedis ein.

Zwei Männer wurden in Libyens Hauptstadt Tripolis festgenommen. Wie die libyschen Behörden mitteilten, handelt es sich dabei um den Vater und den jüngeren Bruder Abedis. Der Bruder werde verdächtigt, Verbindungen zum IS zu haben. Nach Darstellung der Ermittler plante er einen Anschlag in der libyschen Hauptstadt.

Wo und wann wurde der Anschlag verübt?

Der Terrorakt wurde am Montag gegen 22:35 Uhr verübt, gegen Ende eines Konzerts der besonders bei Jugendlichen beliebten US-Sängerin Ariana Grande in der "Manchester Arena". Die Arena verfügt über mehr als 21.000 Plätze. Premierministerin May sagte, die Explosion habe sich in der Nähe der Ausgänge ereignet. Der Veranstalter erklärte, der Sprengsatz sei außerhalb der eigentlichen Konzerthalle detoniert.

Wie viele Menschen starben? Wie viele wurden verletzt?

Der Attentäter riss 22 Menschen mit in den Tod. Es gab Dutzende Verletzte, darunter viele Kinder und Jugendliche. Rettungskräfte hatten die Verletzten in die umliegenden Krankenhäuser gebracht, viele leicht Verletzte wurden vor Ort behandelt. Am Donnerstag korrigierte die britische Gesundheitsbehörde NHS (National Health Service) die Zahl der Verletzten nach oben. Insgesamt seien 116 Menschen in Krankenhäuser eingeliefert worden.

Deutsche sind nach ersten Erkenntnissen der Bundesregierung nicht unter den Toten, auch nicht unter den Verletzten. Es gebe auch keine Vermisstenmeldungen, sagte ein Sprecher. Daher glaube er, "mit relativer Sicherheit Entwarnung geben zu können". Zu 100 Prozent ausschließen könne er es aber noch nicht.

Welche Sicherheitsmaßnahmen wurden getroffen?

Die Regierung erhöhte erstmals seit zehn Jahren wieder die Terrorwarnstufe auf das Maximum. Das bedeutet, dass Soldaten an strategischen Orten stationiert werden, wo bislang bewaffnete Polizisten im Einsatz waren. Inzwischen wurde die Terrorwarnstufe wieder gesenkt auf die zweithöchste Stufe - von "kritisch" auf "ernst". Dies bedeutet laut Premierministerin May, dass ein Anschlag immer noch sehr wahrscheinlich sei. Das Land sollte wachsam bleiben, betonte sie.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Mai 2017 um 10:00 Uhr.

Darstellung: