Die Gerichtszeichnung zeigt Paul Manafort (3.v.l) während der Verkündung des Urteils vor dem Bundesgericht. Im Hintergrund ist Richter T.S. Ellis zu sehen. | Bildquelle: dpa

Manafort-Prozess in den USA Weit unter der Höchststrafe

Stand: 08.03.2019 07:37 Uhr

Paul Manafort zeigte keine Reue, als das Strafmaß verkündet wurde: 47 Monate Gefängnis. Ein härteres Urteil droht dem Trump-Vertrauten in einem weiteren Prozess.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

47 Monate in Haft - das Gericht blieb mit seinem Strafmaß weit unter der möglichen Höchststrafe von bis zu 25 Jahren. Zur Begründung sagte der Richter, Manaforts Vergehen seien zwar ernste Straftaten. Eine Höchststrafe von bis zu 25 Jahren halte er aber für "übertrieben".

Die Staatsanwaltschaft reagierte enttäuscht auf das Urteil.

Kein direkter Zusammenhang mit Russland-Affäre

Dagegen fühlte sich Manaforts Verteidiger Kevin Downing bestätigt: "Es gibt überhaupt keine Anzeichen dafür, dass Paul Manafort in irgendeiner Weise geheime Absprachen mit Regierungsbeamten aus Russland getroffen hat."

Tatsächlich hatte der Prozess im Bundesstaat Virginia nicht direkt etwas mit der Russland-Affäre um Trump zu tun. Allerdings waren die Straftaten Manaforts im Zuge der Untersuchungen durch Russland-Sonderermittler Robert Mueller aufgeflogen.

Manafort verdiente ein Millionenvermögen durch Berater- und Lobbytätigkeiten unter anderem für den früheren Russland-treuen Präsidenten der Ukraine, Viktor Janukowitsch. Einkünfte in Höhe von 16 Millionen Dollar versteuerte Manafort nicht. Rund 55 Millionen Dollar versuchte er, auf ausländischen Konten zu verstecken. Wegen Steuerhinterziehung und Bankbetrugs wurde Manafort deshalb im vergangenen August in acht Anklagepunkten schuldig gesprochen.

Paul Manafort (Archivbild vom 15.06.2018) | Bildquelle: AFP
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Manafort (Archivbild Juni 2018) war ein enger Vertrauter Trumps.

Manafort zeigt keine Reue

Die vergleichsweise milde Strafe für diese Taten stieß auf heftige Kritik bei demokratischen Politikern wie Senator Richard Blumenthal: "Diese Strafe wird den sehr ernsten Straftaten Manaforts nicht gerecht, zumal er in höchstem Maße Gesetze missachtet und sich über das Recht hinweggesetzt hat."

Zur Urteilsverkündung war der 69-jährige frühere Wahlkampfmanager von Donald Trump in einem Rollstuhl erschienen. Mit Verweis auf seinen angegriffenen Gesundheitszustand bat er den Richter um Gnade und bedankte sich für die faire Prozessführung. Sein Leben liege "beruflich und finanziell in Scherben", beklagte Manafort, zeigte jedoch keine Reue für seine Straftaten.

Eine Gerichtsskizze zeigt den Angeklagten, Paul Manafort, Vierter von rechts, vor dem Richter und den Geschworenen. | Bildquelle: dpa
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Eine Gerichtsskizze zeigt den Angeklagten, Paul Manafort, Vierter von rechts, im August 2018 vor dem Richter und den Geschworenen.

Weiteres Urteil steht kurz bevor

Am kommenden Mittwoch erwartet Manafort ein weiteres Urteil, dann vor dem Bezirksgericht in Washington. Dort ist er wegen seiner früheren illegalen Lobbyarbeit für ukrainische Politiker angeklagt - wegen Verschwörung gegen die USA und Behinderung der Justiz. In diesem zweiten Prozess droht Manafort eine zusätzliche Strafe von bis zu zehn Jahren.

Ein erneut mildes Urteil ist nach Einschätzung von Rechtsexperten eher unwahrscheinlich. Denn das Gericht in Washington ist überzeugt, dass Manafort Sonderermittler Mueller mehrfach unter Eid belogen hat, als es um seine Kontakte zu einem Geschäftspartner ging, der enge Verbindungen zu russischen Geheimdienstmitarbeitern hat.

Trump hat "großen Respekt" vor Manafort

Sollte die Strafe nächste Woche härter ausfallen, könnte Manafort nur noch auf eine Begnadigung durch den Präsidenten hoffen. Trump hatte stets betont, er habe "großen Respekt für das, was Manafort geleistet hat und was er nun erleiden muss".

Eine Begnadigung will Trump nicht ausschließen, zumal er die Russland-Ermittlungen für eine "Hexenjagd" hält. Dennoch zeigen die Straftaten Manaforts, mit welchen Leuten sich Trump im Wahlkampf umgab. Manafort war in Republikaner-Kreisen dafür bekannt, dass er gute Kontakte zu russischen Oligarchen hatte, einen opulenten Lebensstil führte, mehrere luxuriöse Immobilien besaß und teure Designeranzüge trug. So gehörte ihm eine 15.000 Dollar teure Jacke aus Straußenleder. Auf solch exotischen Luxus muss er nun bis auf weiteres verzichten.

Haftstrafe für Trumps Ex-Wahlkampfmanager Manafort
Martin Ganslmeier, ARD Washington
08.03.2019 07:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. März 2019 um 09:00 Uhr.

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