Der malische Oppositionsführer Soumaila Cissé | Bildquelle: AFP

Stichwahl in Mali Opposition ruft zum Widerstand auf

Stand: 13.08.2018 22:21 Uhr

Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Mali war Amtsinhaber Keita der große Favorit. Oppositionsführer Cissé sprach schon vor Verkündung des Ergebnisses von Betrug und forderte die Malier auf, sich zu "erheben".

In Mali sind nach der Präsidentenwahl Betrugsvorwürfe gegen das Lager von Amtsinhaber Ibrahim Boubacar Keita laut geworden. Keita war am Sonntag als Favorit in die Stichwahl gegangen, nachdem er in der ersten Runde Ende Juli 41 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Sein Herausforderer Soumaila Cissé erklärte, er selbst habe die zweite Runde mit großem Abstand gewonnen und lasse sich den Sieg von Keita nicht streitig machen. "Wir werden es nicht hinnehmen, dass der Präsident durch Betrug gewinnt."

Cissé sagte noch vor der Veröffentlichung des Wahlergebnisses, es gebe Beweise für Wahlbetrug. Darum werde die Opposition das Ergebnis "nicht akzeptieren". Er forderte die Malier auf, sich zu "erheben". Wahlbeobachter hatten dagegen von einem weitgehend fairen Votum gesprochen.

Die Opposition hatte schon nach der ersten Wahlrunde Betrugsvorwürfe erhoben. Cissé und weitere Oppositionskandidaten reichten zahlreiche Beschwerden gegen das Wahlergebnis ein, die vom Verfassungsgericht aber abgewiesen wurden. Die Opposition machte Wahlbetrug, Verstöße gegen das Wahlrecht und andere Unregelmäßigkeiten geltend. Das Ergebnis der Stichwahl soll Mitte der Woche bekanntgegeben werden.

Ein Zeitungsstand in der malischen Hauptstadt Bamako | Bildquelle: LEGNAN KOULA/EPA-EFE/REX/Shutter
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Im ersten Wahlgang hatte Amtsinhaber Keita die absolute Mehrheit knapp verfehlt.

Niedrige Wahlbeteiligung - aus Angst vor Gewalt

Wie schon die erste Wahlrunde wurde auch die Stichwahl von Gewalt überschattet. Nach Angaben der Regierung blieben rund 500 Wahlbüros aus Sicherheitsgründen geschlossen. Angreifer stürmten nach übereinstimmenden Angaben ein Wahllokal im Norden des Landes und erschossen den dortigen Wahlleiter.

Die Furcht vor Gewalt sowie allgemeines Desinteresse führten auch zu einer niedrigen Wahlbeteiligung. Lediglich etwas mehr als 27 Prozent der acht Millionen registrierten Wähler hätten am Sonntag ihre Stimme abgegeben, schätzten Bürgerrechtler. Wahlberechtigt waren rund acht Millionen Malier, knapp die Hälfte der rund 19 Millionen Einwohner des westafrikanischen Landes. Beim ersten Wahlgang lag die Beteiligung bei 43 Prozent.

Vor allem im Norden und in Zentralmali verbreiten islamistische Gruppen Gewalt und Terror. Der 73-jährige Keita trat nach den Wahlen 2013 als Hoffnungsträger an, nachdem die islamistische Milizen im Norden zurückgedrängt worden waren. Doch die Sicherheitslage hat sich in der Zwischenzeit weiter verschlechtert, trotz der UN-Mission mit bis zu knapp 12.000 Soldaten, an der auch die Bundeswehr beteiligt ist. Die Enttäuschung über die anhaltend schwierige Lage hat dem 68-jährigen Informatiker Cissé Zulauf gebracht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. August 2018 um 06:00 Uhr.

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