Verbrannte Trümmer liegen kurz nach einem Angriff, bei dem mindestens 134 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt wurden. | Bildquelle: dpa

Überfall auf Dorf Entsetzen über Massaker in Mali

Stand: 24.03.2019 16:11 Uhr

In Mali haben Bewaffnete ein Dorf überfallen und mehr als 100 Menschen getötet - darunter offenbar Schwangere und Kinder. Der UN-Sicherheitsrat zeigt sich schockiert.

Bei einem Überfall auf ein Dorf in Zentralmali sind nach UN-Angaben 134 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Bei den meisten Opfern des Massakers handele es sich um Angehörige der Fulbe, einer muslimischen Volksgruppe, berichtete der französische Auslandssender RFI.

"Die Zahl der Todesopfer ist grausam. Alle waren Zivilisten, es gibt viele Verletzte und eine Reihe von Häusern wurden angezündet", sagte Regierungssprecher Amadou Koita.

Offenbar Kinder unter den Opfern

Der Angriff ereignete sich am Samstag in dem Dorf Ogossagou nahe der Grenze zur Burkina Faso. Die Menschen seien erschossen oder mit Macheten getötet worden, meldete RFI unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Die Nachrichtenagentur AP berichtete mit Verweis auf Zeugenaussagen, dass die bewaffneten Kämpfer auch Schwanger und kleine Kinder sowie den Dorfoberen und seine Enkelkinder töteten.

UN: Entsetzlicher Angriff

Der UN-Sicherheitsrat sprach von einem "entsetzlichen Angriff". Eine Delegation des Gremiums hielt sich seit der vergangenen Woche im Zuge einer Reise in die Sahelregion in Mali auf.

UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich nach Angaben eines UN-Sprechers schockiert über den Angriff und rief die malischen Behörden zu raschen Ermittlungen auf.

Auswärtiges Amt verurteilt Massaker

Das Auswärtige Amt verurteilte das Massaker in einer Stellungnahme. "Die Spirale der Gewalt ‎in Zentralmali muss unterbrochen werden. Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden", hieß es. Dazu sei wichtig, dass Mali die Sicherheitsverantwortung in der Region übernehme. "Deutschland steht bereit, hierbei zu unterstützen."

Immer wieder Kämpfe

Die Fulbe warfen der Volksgruppe der Dogon vor, das Massaker verübt zu haben. Gemeinden der Dogon und Fulbe haben in Zentralmali lange nebeneinander existiert, während der Aufstieg von Dschihadisten in anderen Landesteilen zugleich den Frieden zwischen den beiden Gruppen erschüttert.

Die Dogon beschuldigen die Fulbe, die Extremisten zu unterstützen. Die Fulbe wiederum werfen den Dogon vor, auf der Seite der Armee zu stehen.

In der Region gibt es seit Jahren immer wieder Kämpfe um Wasser und Land. Dabei wurden nach Angaben der Vereinten Nationen Hunderte Zivilpersonen getötet.

Zudem verüben im Norden und im Zentrum von Mali immer wieder islamistische Milizen Anschläge auf die Zivilbevölkerung, Soldaten und die UN-Mission Minusma, an der auch die Bundeswehr beteiligt ist.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. März 2019 um 11:03 Uhr.

Darstellung: