Busunglück in Madeira | dpa

Busunglück auf Madeira Maas reist zu Verletzten und Angehörigen

Stand: 18.04.2019 20:42 Uhr

Außenminister Maas ist auf dem Weg nach Madeira. Unter den 29 Getöteten und mehr als 20 Verletzten des dortigen Busunfalls sollen viele Deutsche sein. Inzwischen gibt es neue Erkenntnisse zum Unglück.

Bundesaußenminister Heiko Maas ist nach dem schweren Busunglück mit 29 Toten und mehr als 20 Verletzten auf dem Weg auf die Insel Madeira. "Ich werde heute mit einem Team von Ärzten, Psychologen und Konsularbeamten des Auswärtigen Amts nach Madeira fliegen, um selbst mit den Betroffenen zu sprechen und den portugiesischen Freunden unseren Dank für ihre Hilfe auszusprechen", teilte der SPD-Politiker mit.

Bei dem Unfall soll es nach portugiesischen Behördenangaben viele deutsche Opfer gegeben haben. Die Bundesregierung prüft den Einsatz eines Rettungsflugzeugs der Luftwaffe zur schnellen Hilfe für die Verletzten. Der Einsatz eines "MedEvac"-Airbus werde sich noch heute entschieden, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Angehörige sollen zunächst informiert werden

"Wir haben den Airbus bereits in Bereitschaft gestellt, und wenn es sinnvoll ist und möglich ist, Verletzte mit ihm hierher zu transportieren, dann werden wir ihn zum Einsatz bringen", sagte Braun.

Offizielle Zahlen zu den Opfern stehen von deutscher Seite noch aus. Braun begründete dies damit, dass zunächst die Angehörigen informiert würden. "Die Bundesregierung unternimmt nun alles, um dafür zu sorgen, dass schnell Gewissheit für die Angehörigen herrscht", sagte er. Es sei "eine Reisegruppe von vorwiegend deutschen Urlaubern" betroffen.

Die meisten der 51 Businsassen waren mit dem hessischen Reiseveranstalter Trendtours Touristik unterwegs, wie das Unternehmen mitteilte. Nur zwei von ihnen waren Kunden des Anbieters Schauinsland-Reisen. Trendtours Touristik teilte mit, das Unternehmen sei "zutiefst erschüttert" über den Unfall und habe ein Unterstützungsteam nach Madeira geschickt.

Krankenhaus veröffentlicht Angaben zu Opfern

Das portugiesische Außenministerium bestätigte am Mittag, dass die 29 getöteten Menschen Deutsche sind.

Das zuständige Krankenhaus veröffentlichte am Mittag in einer Pressekonferenz Zahlen: Die Nélio-Mendonça-Klinik bestätigte, dass unter den 29 Todesopfern 17 Männer und zwölf Frauen zwischen 40 und 60 Jahren seien. Zahlreiche deutsche Insassen des Busses waren nach dem Unfall im Dorf Caniço zur Behandlung in das Krankenhaus der Inselhauptstadt Funchal gebracht worden.

Neun Verletzte konnten nach Klinikangaben inzwischen entlassen werden, vier befinden sich weiterhin auf der Intensivstation.

Deutscher Beamter unterstützt bei Identifikation

Die Leiterin des Krankenhauses, Tomasia Alves, sagte bei der Pressekonferenz, die Zahl der Mitarbeiter in der Rechtsmedizin sei nach dem Busunglück aufgestockt worden. Sie hoffe daher, dass die Toten spätestens bis Samstag freigegeben werden können. Dann könnten sie nach Deutschland gebracht werden. 

Nach Angaben aus dem Kanzleramt in Berlin ist derzeit bereits ein deutscher Beamter vor Ort, der bei der Identifikation der Opfer helfen soll. Am Flughafen von Funchal wurde eine provisorische Leichenhalle eingerichtet, in der ortsansässige und aus Lissabon eingeflogene Ärzte die Leichen obduzieren sollen.

Auf Madeira ist ein Reisebus mit deutschen Urlaubern in die Tiefe gestürzt. | AP

Der Reisebus ist in der Gemeinde Caniço in einer Kurve von der Fahrbahn abgekommen und eine Böschung hinunter auf ein Wohnhaus gestürzt. Bild: AP

Polizei sucht nach Spuren

Die deutsche Botschaft in Lissabon arbeite laut Maas mit Hochdruck gemeinsam mit den lokalen Behörden an der Aufklärung des Unfalls. Der Botschafter sei inzwischen mit einem Team auf Madeira gelandet.

Unterdessen sicherte die portugiesische Polizei weitere Spuren am Unglücksort in der Gemeinde Caniço östlich der Inselhauptstadt Funchal. Hier durchbrach der Bus auf einer kleinen Straße in einer Linkskurve ein Geländer und stürzte etwa acht Meter eine Böschung hinunter. Der Bus fiel auf ein kleines Haus, dessen Dach teils einstürzte. Portugiesischen Medienberichten zufolge hielt sich zur Unfallzeit niemand in dem Haus auf. Die Spurensicherung sammelte am Unfallort Ausweise oder andere Dokumente ein oder suchte danach.

Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa wird morgen auf Madeira erwartet, um sich ein Bild der Lage zu machen, wie der Nachrichtensender tvi24 meldete.

Portugal ruft drei Tage Staatstrauer aus

Das Unglück ereignete sich dem örtlichen Zivilschutz zufolge gegen 18.30 Uhr in der östlich von Funchal gelegenen Gemeinde Caniço. Der Fahrer hatte offenbar in einer Kurve die Kontrolle über den Bus verloren, der daraufhin einen Abhang hinunter in ein Wohnviertel stürzte. In portugiesischen Medien sei die Rede von einem technischen Problem - möglicherweise habe das Gaspedal geklemmt, berichtet ARD-Korrespondent Sebastian Kisters.

Portugal ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Damit solle "die Trauer und die Solidarität der gesamten Landesbevölkerung gegenüber den Opfern und ihren Familien" zum Ausdruck gebracht werden, erklärte die Regierung nach einer Kabinettssitzung in Lissabon. 

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 17. April 2019 um 00:48 Uhr und das ARD-Morgenmagazin am 18. April 2019 um 05:37 Uhr.