Madagaskar kämpft gegen die Pest | Bildquelle: AFP

Zahl der Toten steigt Madagaskar kämpft gegen die Pest

Stand: 11.10.2017 02:50 Uhr

Immer mehr Menschen infizieren sich auf Madagaskar mit der Lungenpest. 48 Menschen sind bislang an der Seuche gestorben. Mit einem Notfallplan will die Regierung die Krankheit eindämmen, die WHO schickte Antibiotika in den bitterarmen Inselstaat.

Von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Studio Johannesburg,

An sich sind Pestausbrüche nicht ungewöhnlich auf Madagaskar. Seit den 1980er-Jahren erkranken jedes Jahr um die Regenzeit zwischen Oktober und März Hunderte Madagassen an der Seuche. Vor allem an der Beulenpest, hauptsächlich in abgelegenen Regionen.

In diesem Jahr verläuft der Ausbruch aber anders, sagte Gesundheitsminister Andriamanarivo dem französischen Radiosender RFI. "Das ist eine außergewöhnliche Epidemie: Wir haben deutlich mehr Fälle in Ballungszentren. Und es handelt sich vor allem um die Lungenpest. Die verbreitet sich über die Atemwege. Sie ist gefährlicher als die Beulenpest. Deswegen haben wir alles Menschenmögliche getan, um die Situation in den Griff zu bekommen."

Laut dem Gesundheitsministerium sind bisher 48 Menschen an der Pest gestorben. Etwa 450 sollen sich angesteckt haben.

Kampf gegen die Pest in Madagaskar. | Bildquelle: AFP
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Kampf gegen die Pest in Madagaskar.

Vergangene Woche hat die madagassische Regierung einen Notfallplan verkündet. Unter anderem sind bis auf weiteres sind alle Demonstrationen und öffentlichen Veranstaltungen in der Hauptstadt Antananarivo verboten. Das Finale der nationalen Basketball-Liga fand in einer Halle vor leeren Rängen statt. Die Spieler wurden nach der Partie von Ärzten untersucht. In mehreren Städten bleiben die Schulen in dieser Woche geschlossen. An Busbahnhöfen und Flughäfen wollen die Behörden informieren und aufklären, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern.

Teams versprühen Desinfektionsmittel

Teams des Gesundheitsministeriums gehen durch die besonders betroffenen Armengebiete von Antananarivo. Dort desinfizieren sie ganze Häuser und befreien sie von Flöhen. Auch in Bussen, Schulen und Universitäten wird Desinfektionsmittel versprüht.

"Wir haben in den großen Städten außerdem Dutzende von Zelten in den am meisten betroffenen Gebieten aufgebaut", berichtete der Gesundheitsminister. So könnten Verdachtsfälle sofort aufgenommen und behandelt und die Bevölkerung aufgeklärt werden. "Wir sagen ihnen, dass sie schon beim kleinsten Anzeichen für die Pest, sofort ins Krankenhaus oder zum Arzt müssen."

Kampf gegen die Pest in Madagaskar. | Bildquelle: AFP
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Teams des Gesundheitsministeriums desinfizieren Wohnviertel.

Schutzmasken werden knapp

In großen Städten wie der Hauptstadt Antananarivo oder der Hafenstadt Toamasina tragen viele Menschen weiße Schutzmasken - in zahlreichen Apotheken wird der Vorrat knapp.

Eigentlich kann man sich relativ leicht vor der Seuche schützen: Nagetiere meiden, sich von Kranken und Pesttoten fernhalten, grundlegende Hygiene-Regeln beachten. Aber Madagaskar ist eines der ärmsten und am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Die medizinische Versorgung ist mangelhaft, die hygienischen Verhältnisse sind oft katastrophal, besonders in den größeren Städten - der ideale Nährboden für die Pest.

WHO hilft mit Geld und Antibiotika

Die Weltgesundheitsorganisation hat angekündigt, 1,5 Millionen Dollar Soforthilfe für Madagaskar freizugeben. Außerdem schickte die WHO mehr als eine Millionen Dosen Antibiotika auf die Insel. Damit lässt sich die Seuche gut behandeln - wenn sie rechtzeitig erkannt wird.

Viele Menschen auf der Insel werfen der madagassischen Regierung vor, zu spät und nicht angemessen auf den Pestausbruch reagiert zu haben. Gesundheitsminister Andriamanarivo weist das zurück. Er zeigt sich optimistisch, dass Madagaskar die Pest mit der internationalen Hilfe meistern wird. "Natürlich ist die Pest besorgniserregend. Es ist kein leichter Kampf. Aber wir bleiben optimistisch. Man kann die Pest verhindern, man kann die Kranken behandeln und man kann sie heilen."

Regierung von Madagaskar kündigt Notprogramm gegen die Pest an
J.-P. Schlüter, ARD Johannisburg
10.10.2017 22:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das WDR Morgenecho am 11. Oktober 2017 um 09:30 Uhr.

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