Smog in Neu-Delhi | Bildquelle: AFP

Smog in Indiens Hauptstadt Künstlicher Regen gegen schlechte Luft

Stand: 07.11.2018 04:51 Uhr

Die Luft in Indiens Hauptstadt Delhi ist ohnehin schon katastrophal. Nun ist Diwali, das Lichterfest, und das macht alles noch schlimmer: denn überall brennen Öllampen. Helfen soll nun künstlicher Regen.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Pünktlich zum Lichterfest Diwali, ist die indische Hauptstadt von einer dicken Rauchwolke bedeckt, die das Atmen fast unmöglich macht. Der dichte Straßenverkehr ist eine der Ursachen der extrem schlechten Luft. Eine zweite Ursache sind die brennenden Felder in den umliegenden Bundesstaaten, wo die Bauern schon vor einigen Wochen damit begonnen haben, die Felder durch Brandrodung für die nächste Saat vorzubereiten.

Und jetzt, am Lichterfest Diwali, werden in allen Haushalten Kerzen und Öllampen angezündet, um nach hinduistischer Tradition den Sieg des Lichts über den Schatten zu feiern, als Analogie zum Sieg des Guten über das Böse. Angesichts der Luftverschmutzung, die damit einhergeht, gilt eher das Gegenteil.

Eine Schülerin in Delhi trägt eine Atemschutzmaske | Bildquelle: AFP
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An viele Tagen ist der Schulbesuch - so wie für dieses Mädchen - nur mit Atemschutzmaske möglich.

WHO: Neun von zehn Menschen atmen vergiftete Luft

Viele Einwohner von Delhi haben sich offenbar schon daran gewöhnt, das Haus nur noch mit Atemschutzmaske verlassen zu können. "Seit heute Früh bekommt man kaum noch Luft hier", erzählt Usha. "Man kann kaum die Augen öffnen, überall ist Rauch. Die Kinder können nicht zur Schule gehen, und wenn man draußen zu Fuß unterwegs ist, brennen die Augen".

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat vor enormen Konsequenzen gewarnt, sollte die Luftverschmutzung nicht wirkungsvoll bekämpft werden. Ein Drittel aller Herzinfarkte, Schlaganfälle und Lungenkrebserkrankungen gehe auf die Luftverschmutzung zurück, sagte der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus:

"Wir wissen, dass die Luftverschmutzung die größte Gefahr für die Weltgesundheit ist, und wir müssen dringend etwas dagegen tun. Infolge von Luftverschmutzung sterben jährlich sieben Millionen Menschen weltweit. Neun von zehn Menschen auf der Erde atmen Luft, die durch Straßenverkehr, Industrie, Landwirtschaft und Müllverbrennung vergiftet ist."

Frauen zünden zum Lichterfest Diwali Kerzen an | Bildquelle: HARISH TYAGI/EPA-EFE/REX/Shutter
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Zum Lichterfest Diwali werden überall Kerzen und Öllämpchen angezündet

Verkauf von Fire-Crackern verboten - bis zur Stadtgrenze

Immer häufiger gibt es in Delhi Forderungen, endlich etwas gegen die Ursachen der extremen Luftverschmutzung zu tun. Der Verkauf von Feuerwerk wurde in der Hauptstadt untersagt. Doch schon hinter der Stadtgrenze werden die an Diwali so beliebten Fire-Cracker angeboten.

Die indische Regierung will die dichte Rauchwolke über Delhi jetzt mit künstlichem Regen bekämpfen. Schon zum Wochenende soll der erste Versuch gestartet werden, schreibt die Tageszeitung "Economic Times". Sollte das helfen, würden weitere künstliche Regenfälle folgen.

Luftverschmutzung in Indien: Delhi am Lichterfest Diwali
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
07.11.2018 03:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 07. November 2018 um 09:32 Uhr im "Morgenecho".

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