Ludmilla Alexejewa (1927-2018) | Bildquelle: dpa

Russland Bürgerrechtlerin Alexejewa gestorben

Stand: 09.12.2018 01:11 Uhr

Ljudmila Alexejewa war die Grande Dame der russischen Menschenrechtsbewegung, eine unbeugsame Kritikerin des Kreml, die sich auch von einem 15-jährigen Exil nicht einschüchtern ließ. Nun starb sie im Alter von 91 Jahren in Moskau.

Die renommierte russische Bürgerrechtlerin Ljudmila Alexejewa ist tot. Sie sei nach schwerer Krankheit im Alter von 91 Jahren gestorben, teilte der Menschenrechtsrat mit. Alexejewa galt als Grande Dame der Menschenrechtsbewegung in ihrer Heimat und war international wie auch in Russland hoch angesehen.

Geboren wurde Alexejewa am 20. Juli 1927 auf der Halbinsel Krim. Früh zog ihre Familie nach Moskau. Bereits in ihrer Studienzeit schloss sie sich einem Kreis von Dissidenten an. Die schonungslosen Schilderungen der Gräuel in den Arbeitslagern unter Josef Stalin hätten sie und viele andere schockiert, sagte Alexejewa.

Gemeinsam mit dem Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow und anderen Mitstreitern gründete sie 1976 im Geheimen eine Menschenrechtsorganisation, die heute renommierte Moskauer Helsinki-Gruppe. Dies brachte sie ins Visier des KGB. Es folgten Hausdurchsuchungen, Berufsverbot und schließlich 1977 die Ausbürgerung. Mehr als 15 Jahre lebte Alexejewa im Exil in den USA. Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion konnte sie wieder in ihre Heimat reisen und übernahm 1996 den Vorsitz der Moskauer Helsinki-Gruppe.

Kritik an Krim-Annexion

Auch die russische Führung beobachtete Alexejewa stets kritisch. In den ersten Amtsjahren von Kremlchef Wladimir Putin wurde sie in den Menschenrechtsrat des Präsidenten berufen, dem sie - mit Unterbrechung - bis zu ihrem Tod angehörte. Immer wieder schaltete sie sich wortstark in Diskussionen ein und scheute auch nicht davor zurück, den Kreml zu kritisieren.

Sie setzte sich für den Oligarchen Michail Chodorkowski ein und bemängelte die Ermittlungen im Mordfall des Oppositionellen Boris Nemzow. Auch die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland 2014 kritisierte sie scharf. Dass der Bruch des Völkerrechts vielen Menschen egal sei, erschüttere sie zutiefst.

"Symbolfigur für Ehrlichkeit

Putin würdigte Alexejewa. "Der Präsident schätzt den Beitrag von Ludmilla Alexejewa für die Entwicklung der Zivilgesellschaft in Russland sehr", sagte Putins Vertrauter, Dmitri Peskow, der Agentur Interfax. Er habe ihre Positionen in vielen Fragen des Landes hoch respektiert. Putin habe auch ein persönliches Beileidsschreiben geschickt.

Obwohl Alexejewa eine scharfe Kritikerin Putins war, verlieh er ihr zu ihrem 90. Geburtstag im vergangenen Jahr einen Preis für "besondere Leistungen im Bereich der Menschenrechte". Auch wenn er sich oft mit ihr gestritten habe, gebühre ihr "enormer Respekt" für ihren Mut, hatte Putin damals gesagt.

Alexejewas Tod sei ein trauriges Ereignis für ganz Russland, betonte die russische Menschenrechtsbeauftragte Tatjana Moskalkowa. "Sie war und bleibt eine Symbolfigur für Ehrlichkeit und den kompromisslosen Kampf für die Menschen und die Gerechtigkeit", sagte die Politikerin.

Anlässlich ihres 90. Geburtstages besuchte der russische Präsident Putin seine Kritikerin Ljudmila Alexejewa in ihrer Wohnung im Zentrum Moskaus. (20. Juli 2017) | Bildquelle: dpa
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Anlässlich ihres 90. Geburtstages besuchte der russische Präsident Putin seine Kritikerin Ljudmila Alexejewa in ihrer Wohnung im Zentrum Moskaus. (20. Juli 2017)

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Dezember 2018 um 05:17 Uhr.

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