Ein Mann nimmt an einer Mahnwache nach dem Anschlag auf Muslime im Londoner Stadtteil Finsbury Park teil. | Bildquelle: AFP

Nach Anschlag vor Moschee Londoner Muslime zwischen Angst und Trotz

Stand: 19.06.2017 23:40 Uhr

Für britische Muslime kam der Anschlag nahe einer Moschee nicht überraschend: Gerade auch nach der jüngsten islamistisch motivierten Terrorserie sehen sie sich immer öfter Anfeindungen ausgesetzt. Am Ort des Anschlags in London schwankt die Stimmung zwischen Angst und Trotz.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Thomas betreibt seit 25 Jahren einen kleinen Shop in der Seven Sisters Road, wenige Meter vom Ort der Attacke entfernt. Thomas kann es nicht fassen, die Atmosphäre hier sei doch freundlich und lebhaft, so was sei hier noch nie passiert.

Angela lebt schon immer hier. Auch sie ist entsetzt: "Es ist furchtbar, es fühlt sich ganz furchtbar an. Meine Kinder hatten heute morgen sogar Angst, in die Schule zu gehen."

Finsbury Park liegt im Norden von London. Touristen verlaufen sich nicht hierhin, höchstens Fußball-Fans, das Stadion von Arsenal London liegt nur einen Steinwurf weit entfernt.

Multikulturell und friedlich - normalerweise

In Finsbury Park leben Nordafrikaner und Südamerikaner, Araber und Asiaten friedlich nebeneinander, katholische Grundschulen liegen neben muslimischen Freizeiteinrichtungen, Kirchen neben Moscheen, eine große irische Gemeinde ist hier zu Hause.

Feisal ist mit seinen Freunden vom Osten Londons rübergekommen, um seine Solidarität zu zeigen. Die Herkunft spiele hier keine Rolle: "Ob reich oder arm, schwarz oder weiß oder blau, am Ende sind wir alle Londoner."

Moschee mit radikaler Vergangenheit

So friedlich war es hier nicht immer. Die Finsbury Park Moschee war einmal ein Ort, von dem Hass ausging: Ende der neunziger Jahre war Amru Hazam al-Masri hier Imam, ein Hassprediger, der inzwischen in den USA im Gefängnis sitzt.

Auch Kämpfer für Afghanistan und die Geiselnehmer von Beslan sollen hier radikalisiert worden sein oder Kontakte hierher gehabt haben. Die Moschee wurde geschlossen und vor mehr als zehn Jahren wiedereröffnet, seither gilt sie bei Einheimischen als Vorbild für friedliches Miteinander.

Anschlag auf Muslime in London verdeutlicht Spaltung der Gesellschaft
tagesthemen 22:15 Uhr, 19.06.2017, Julie Kurz, ARD London

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Vincent geht hier regelmäßig zum Gebet: "Wir hatten früher Probleme mit dieser Moschee. Aber wir haben dagegen gekämpft, Hazam wurde verhaftet, er wurde nach Amerika ausgeliefert. Und wir haben etwas Neues hier in der Gegend aufgebaut."

Der Anschlag, über den jetzt alle sprechen, der Hass auf Muslime, ihre Bedrohung, weil andere im Namen ihrer Religion morden - das spürt Vincent nicht.

"Das wird noch Nachwirkungen haben"

Aber er fürchtet, dass die Muslime allein gelassen werden: "Im Moment ist es hier sehr spannungsgeladen. Und das wird noch Nachwirkungen haben, wenn der Ramadan vorbei ist. Die Muslime werden das nicht tolerieren. Denn das würde ja heißen, dass wir nicht sicher sind und auf uns nicht aufgepasst wird."

Arif Khan ist in Deutschland zur Schule gegangen, heute ist er Imam in einer Nachbargemeinde von Finsbury Park. Die Mitglieder seiner Gemeinde, sagt Khan, spürten keinen Hass aus religiösen oder ethnischen Motiven, sie hätten auch keine Angst, im Gegenteil: "Nein. Ich würde sagen: Es ermutigt sie, auf die Straße zu gehen und zu sagen, dass das nicht der wahre Islam ist, sondern der wahre Islam Liebe und Frieden predigt."

"Wir müssen als Gemeinschaft zusammenstehen"

Angela, deren Kinder jetzt Angst davor haben, in die Schule zu gehen, sagt: "Wissen Sie was? Ich glaube, die Gemeinschaft wächst zusammen." Ja, die Leute seien erregt über das, was passiert sei, aber in so einem Moment müsse die Gemeinschaft zusammenstehen.

So sehen das auch Feisal und seine Freunde. Ob denn die Ereignisse der vergangenen Wochen nicht die Gemeinschaft allmählich spalten würden? "Nein, nein!", beeilen sie sich zu versichern, eher mache das alle stärker und bringe die Menschen zusammen, ohne jede Hilfe der Regierung.

Londoner Muslime nach Anschlag verunsichert
T. Spickhofen, ARD London
19.06.2017 22:01 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 19. Juni 2017 um 22:15 Uhr.

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