Forensiker am Tatort in London | Bildquelle: AFP

Anschlag auf Muslime in London 47-Jähriger unter Terrorverdacht

Stand: 19.06.2017 21:29 Uhr

Bislang ging es offiziell nur um versuchten Mord - jetzt aber ermittelt die Londoner Polizei nach dem Angriff auf eine Gruppe Muslime auch wegen Terrorverdachts. Bei dem Täter soll es sich um einen 47-jährigen Familienvater handeln.

Britische Medien haben als Tatverdächtigen für den Anschlag auf Muslime im Londoner Stadtteil Finsbury Park Darren O. aus Cardiff in Wales identifiziert. Gegen den nach der Tat festgenommenen Mann wird nun auch wegen Terrorverdachts ermittelt.

O. werde unter anderem zur Last gelegt, terroristische Handlungen vorbereitet zu haben, teilte die Polizei mit. Zuvor war er nur wegen versuchten Mordes festgenommen worden. Scotland Yard korrigierte sein Alter von zunächst 48 auf 47 Jahre. Seine Wohnung in der Region Cardiff wurde in Verbindung mit dem Vorfall durchsucht. Der Mann war bislang nicht polizeibekannt. Der Vater von vier Kindern war nach seiner Festnahme in ein Krankenhaus gebracht worden, um seinen Geisteszustand zu untersuchen.

Der bei dem Anschlag benutzte Lieferwagen stammt aus Wales. Er wurde von einer Firma in Pontyclun in der Nähe der walisischen Hauptstadt ausgeliehen, wie der Minister für Wales, Alun Cairns, mitgeteilt hatte. Die Polizei in Südwales arbeite mit den Ermittlern von Scotland Yard zusammen, hieß es.

Anschlag auf Muslime in London
tagesschau 20:00 Uhr, 19.06.2017, Mareike Aden, ARD London

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In Menschengruppe gefahren

Am Montag nach Mitternacht war ein Lieferwagen nahe einer Moschee im Stadtteil Finsbury Park in eine Menschengruppe gefahren. Dabei wurden elf Menschen verletzt. Ob der Tod eines Mannes am Tatort mit dem Anschlag in Verbindung steht, wird noch untersucht. Augenzeugen berichteten, er sei angefahren worden.

Die Tat ereignete sich nahe dem Muslim Welfare House, das auch Sport- und Bildungsveranstaltungen für Kinder sowie Nothilfe für Opfer häuslicher Gewalt anbietet.

Theresa May | Bildquelle: dpa
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Die britische Premierministerin Theresa May besucht den Tatort im Londoner Stadtteil Finsbury Park.

Imam schützte den mutmaßlichen Angreifer

Unmittelbar nach der Tat soll sich der Imam Mohammed Mahmoud Augenzeugenberichten zufolge schützend vor den Terrorverdächtigen gestellt haben, nachdem dieser aus dem Lieferwagen gezerrt worden war. "Fasst ihn nicht an", habe er demnach Menschen entgegengerufen, die sich wütend auf den Mann stürzten. Der 47-Jährige wurde von dem Iman und anderen Umstehenden festgehalten. Sie übergaben ihn später der Polizei.

Laut Augenzeugen soll der Mann nach der Tat gerufen haben: "Ich habe meinen Teil getan." Das berichtete Toufik Kacimi, der Leiter des Gebetshauses, vor dem der Zwischenfall passierte, im britischen Sender Sky News. Ein anderer Augenzeuge berichtete der BBC, dass der Mann "Alle Muslime! Ich will alle Muslime töten!" gerufen habe.

Trauer, Niederlegung von Blumensträußen | Bildquelle: AFP
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Blumensträuße und Briefe am Tatort

Kritik an den Behörden

In einer im Fernsehen übertragenen Ansprache sagte Premierministerin Theresa May, der Angriff habe wie jede Tat von Terroristen das Ziel gehabt, die Gesellschaft zu spalten und kostbare Bände von Solidarität und Bürgerschaft zu brechen. "Wir werden das nicht geschehen lassen", so May. Sie trat zudem dem Vorwurf entgegen, die Tat nicht schnell genug als Terroranschlag behandelt zu haben. Die Polizei sei nach einer Minute am Tatort gewesen und habe den Zwischenfall innerhalb von acht Minuten zu einem Terrorangriff erklärt.

Das war allerdings nicht gleich so eindeutig kommuniziert worden: Die Polizei sagte zunächst, Anti-Terror-Ermittler hätten den Fall übernommen, der alle Anzeichen einer terroristischen Tat trage. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan und Vertreter der muslimischen Gemeinde waren die ersten, die explizit von einem Terrorangriff sprachen.

Die Bestätigung kam schließlich von der Londoner Polizeichefin Cressida Dick. Der Angriff sei eindeutig eine Attacke auf Muslime gewesen, sagte sie und versprach, die Sicherheit in muslimischen Gemeinden in den kommenden Tagen zu erhöhen.

Erhöhte Alarmbereitschaft

Der Angriff gegen Muslime folgt auf eine Serie von drei islamistisch motivierten Anschlägen in Großbritannien. Aus diesem Grund steht London unter erhöhter Alarmbereitschaft. Anfang Juni waren drei Islamisten mit einem Kleintransporter auf der London Bridge in eine Menschenmenge gefahren und hatten danach Passanten in Restaurants und Bars willkürlich mit Messern attackiert. Dabei waren sieben Menschen getötet und etwa 50 verletzt worden. Die Attentäter wurden schließlich von Polizisten erschossen.

Im März tötete ein mutmaßlicher Islamist auf der Westminister Bridge mit einem Auto zwei Menschen und verletzte weitere. Anschließend erstach er auf dem Parlamentsgelände einen unbewaffneten Polizisten, ehe er erschossen wurde. Zudem wurden bei einem Selbstmordanschlag auf ein Pop-Konzert in Manchester im Mai 22 Menschen getötet.

London erschüttert über Anschlag auf Muslime
S. Pieper, ARD London
19.06.2017 17:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Juni 2017 um 20:00 Uhr.

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